Ebola-Virus: Russische Forscher testen Impfstoff

Russische Wissenschaftler haben einen neuen Impfstoff entwickelt. Foto: PhotoXPress

Russische Wissenschaftler haben einen neuen Impfstoff entwickelt. Foto: PhotoXPress

Russland testet derzeit einen Impfstoff gegen den Ebola-Virus. In Kürze soll er auch für Tests an menschlichen Patienten verfügbar sein, wie die russische Verbraucherschutzbehörde bekannt gab.

Russische Wissenschaftler haben einen Impfstoff gegen den Ebola-Virus entwickelt. „Es gibt allen Grund zur Annahme, dass der Impfstoff in absehbarer Zeit für die Ebola-Prophylaxe verfügbar sein wird", sagte Anna Popowa von der russischen Verbraucherschutzbehörde Rostrebnadzor gegenüber RBTH, ohne jedoch einen konkreten Termin zu nennen. Aktuell ist in Guinea ein Team von russischen Epidemiologen und Virologen tätig, dem ein mobiles Virenforschungslabor zur Verfügung steht. Die russischen Spezialisten arbeiten zudem im Donka-Krankenhaus in Conakry, der Hauptstadt von Guinea. Dies geschieht in enger Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Nach Angaben der WHO waren am 18. September insgesamt 5 347 Personen in Westafrika mit dem Ebola-Virus infiziert. 2 618 der Infizierten sind bereits an den Folgen des Virus gestorben. Im Schnitt liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 60 Prozent, was im Vergleich zu den vorhergehenden Epidemien ein recht geringer Wert ist – normalerweise beläuft sich die Rate auf bis zu 90 Prozent. Außer in Guinea, Sierra Leone und Liberia wurden Ebola-Fälle auch in Nigeria und im Senegal registriert.

Forschungsarbeiten der Universität Oxford schätzen, dass der Ebola-Virus in bis zu 15 afrikanischen Ländern ausbrechen kann. In der Gefahrenzone leben demnach etwa 22 Millionen Menschen. Michael Osterholm vom Forschungszentrum für Infektionskrankheiten der Universität Minnesota weist zudem auf die Gefahr hin, dass der Virus mutieren und nicht nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, sondern sich auch über die Luft oder in Tröpfchenform ausbreiten könnte.

 

Wie kann die Sterblichkeitsrate gesenkt werden?

Michail Stschelkanow. Virologe des Iwanowski-Instituts für Wissenschaft und Forschung, sagte in einem Gespräch mit RBTH, dass ein Impfstoff, auch wenn es ein experimenteller sei, durchaus bei der Bekämpfung des Virus helfen könnte. Stschelkanow gehörte zur ersten Gruppe russischer Virologen, die Anfang August nach Guinea entsandt wurden, um Unterstützung im Kampf gegen die Epidemie zu leisten. Viel wichtiger sei jedoch die richtige Therapie, meint der Experte. „Wenn man dem Patienten die richtige Symptomtherapie zukommen lassen könnte, wäre man schon zehn Prozent näher an der Überlebensrate. Wenn man noch die richtige Desintoxikationstherapie dazu nimmt, gewinnt man noch einmal zehn Prozent. Bei einer respiratorischen Unterstützung kommen dann noch einmal 20 Prozent dazu. Und wenn wir noch eine hämostatische Therapie hinzunehmen, gewinnen wir weitere zehn Prozent. Schaffen wir es auch noch, Antiserum zu verabreichen, gewinnen wir zusätzlich 25 bis 30 Prozent", sagt Stschelkanow.

Hämorrhagische Fiebererkrankungen, zu denen auch Ebola gehört, seien gefährlich in ihrer Vehemenz und dadurch, dass diese an Orten ausbrechen, die schwer zugänglich sind. An diesen Orten gibt es keine Krankenhäuser, der Patient bekommt einfach keine Hilfe. Bei richtiger Heilbehandlung könnte die Todesrate durchaus auf fünf bis zehn Prozent sinken, ist der Virologe überzeugt. „Nehmen wir als Beispiel das Krim-Kongo-Fieber, das zur Zeit der UdSSR recht bekannt war. Wenn genaue Hygienenormen fehlen, wie das in den weit entfernt liegenden Dörfern im sowjetischen Zentralasien der Fall war, steigt die Todesrate auf bis zu 50 Prozent", führt Stschelkanow aus.

 

„Im Keim ersticken"

Das Hauptproblem in Westafrika besteht laut Stschelkanow darin, dass die Epidemie im Dezember 2013 nicht sofort gestoppt wurde. Die Epidemie könne nur noch aufgehalten werden, „indem man die einzelnen Dörfer mit militärischer Unterstützung voneinander abgrenzt". Doch selbst das wäre nicht ausreichend, die Epidemie komplett zu liquidieren, meint der Experte. So können selbst die dreitausend Soldaten, die US-Präsident Barack Obama vergangene Woche nach Westafrika geschickt hat, nur dabei behilflich sein, die Postenketten zu verstärken.

Den Ebola-Ausbruch zu stoppen ist aus zwei fundamentalen Gründen kompliziert: Erstens hat die Infektion eine elementar-fokale Natur. Die Zirkulation der Viren in den natürlichen Ausbreitungsherden Guinea, Sierra Leone oder Liberia zu kontrollieren ist jetzt praktisch unmöglich. Dazu braucht man Daten, die nur mittels einer epidemiologischen Station gesammelt werden können, über deren Einrichtung Russland im Moment

Verhandlungen mit Guinea führt. Zweitens gehört Westafrika zu den ärmsten Gegenden der Welt, wo es praktisch keine modernen sanitär-epidemiologischen Dienste gibt.

Die antisanitären Bedingungen werden durch den administrativen Bankrott und die ausgeprägte Korruption vieler Länder Westafrikas noch weiter verschärft. Umsichtige Gegenmaßnahmen gegen die Epidemie können so nicht ergriffen werden. So kann sich zum Beispiel ein infizierter Patient für eineinhalb Dollar aus dem epidemiologischen Sperrgürtel freikaufen. Hinzu kommen die Besonderheiten der örtlichen Glaubensbekenntnisse. Insbesondere bei den Begräbnissen in den Dörfern, wo die Verstorbenen am Grabe von allen Bewohnern des Dorfes zum Abschied noch einmal umarmt werden, trägt nicht gerade dazu bei, der Epidemie schnell ein Ende zu setzen.

 

Zur Natur des Virus

Die natürlichen Ausbreitungsherde für den Ebola-Virus befinden sich in den Höhenzügen und den Wäldern von Nordguinea. Natürliche Überträger sind

die Flughunde (Pteropodidae). Sie leben für gewöhnlich in den höheren Regionen des tropischen Waldes, erkranken selbst nicht, scheiden jedoch das Virus über ihre Fäkalien und ihren Speichel aus. Von ihnen werden die Menschenaffen, die Primaten angesteckt. Die aufgrund der Krankheit schwerfälligen und bewegungsmüden großen Affen sind leichte Beute für Jäger, die sich dann bei ihnen anstecken.

Weitere Infektionsquellen für Menschen sind Fledermäuse. Eine gut durchgebratene Fledermaus ist nicht weiter gefährlich, anstecken kann man sich nur bei der Zubereitung. Einziger Weg für den Kampf gegen den Virus ist die Schaffung eines Impfstoffs und ein reguläres Monitoring der natürlichen Infektionsherde.

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