Laika, Strelka, Belka & Co.: Das Schicksal tierischer Kosmonauten

Hunde auf Weltraummission: V.l.n.r. - Belka, Swjosdotschka, Tschernuschka, Strelka. Foto: ITAR-TASS

Hunde auf Weltraummission: V.l.n.r. - Belka, Swjosdotschka, Tschernuschka, Strelka. Foto: ITAR-TASS

Im Juni dieses Jahres starben fünf Geckos bei einer russischen Weltraummission. Sie waren nicht die ersten Tiere, die ins All geschickt wurden. Bis heute unvergessen ist Laika, der erste Hund im All. RBTH erinnert an das Schicksal der tierischen Kosmonauten.

Im Juni schickten russische Wissenschaftler fünf Geckos auf Weltraumission. Ziel war es, die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Fortpflanzungsfähigkeit der Reptilien zu studieren. Das Moskauer Institut für medizinische und biologische Fragen hielt die Geckos wegen ihres elastischen Körpers und der haftenden Füße für besonders geeignet, mit den Anforderungen einer Weltraumreise zurechtzukommen. Zwei Monate dauerte der Ausflug ins All, am Ende gab es keine Überlebenden. Der Tod der Geckos ließ die Wissenschaftler nicht unberührt. Die russische Weltraumfahrtbehörde Roskosmos stellte eine Untersuchungskommission zusammen, um zu klären, warum die Tiere nicht überlebten. Die kam zu dem Ergebnis, dass ein technischer Fehler die Ursache gewesen sei.

Es war nicht das erste Mal, dass russische Wissenschaftler Tiere in den Weltraum schickten. In der Weltraumstation Mir wurden bereits vorher Experimente mit Wachteleiern durchgeführt. 1990 schlüpften auch Küken im All, die jedoch Schwierigkeiten hatten, sich der Schwerelosigkeit anzupassen. Nur wenige Küken gelangten lebend zur Erde zurück.

Die meisten tierischen Kosmonauten waren Hunde. Mäuse, Ratten und Kaninchen eigneten sich lediglich für Laborexperimente, Affen galten trotz ihrer biologischen Ähnlichkeit zum Menschen nur als bedingt anpassungsfähig. Die USA schickten narkotisierte Affen ins All, russische Wissenschaftler wandten dagegen ein, dass die Narkose Forschungsergebnisse beeinträchtige.

 

Ein Hundeleben für die Wissenschaft

In der Sowjetunion waren es herrenlose Hunde, die auf Weltraummission geschickt wurden. Im Jahr 1960 verbrachten die beiden Streuner Belka und Strelka an Bord des Satelliten Sputnik 5 einen Tag im Weltraum. Nachwuchs von Strelka zog sogar mitten im Kalten Krieg ins Weiße Haus in Washington ein, nachdem Nikita Chruschtschow der Familie John F. Kennedys einen Welpen geschenkt hatte. Belka und Strelka sind unvergessen und dienten noch vor Kurzem als Vorlage für einen Zeichentrickfilm.

Der Hund Swjosdotschka (zu Deutsch: „Sternchen") startete einen Monat vor Juri Gagarin ins All. Nach der erfolgreichen Landung in der Nähe der Stadt Perm war das Tier zunächst verschwunden. Ein Suchtrupp fand Swjosdotschka schließlich im Haus eines Dorfbewohners, der das Tier mitgenommen hatte, um es zu füttern. In der Stadt Ischewsk wurde zu Swjosdotschkas Ehren ein Denkmal errichtet.

Die Hunde Desik und Tsygan starteten 1951 von der Abschussvorrichtung Kapustin Jar an Bord der Rakete Р-1B. Sie erreichten eine Höhe von 88

Kilometern, dann löste sich die Raumkapsel von der Brennstufe und landete mit einem Fallschirm in der Nähe des Abschussortes. Desik und Tsygan waren beide lebendig und wohlauf. Eine Woche später startete Desik noch einmal mit seiner neuen Partnerin Lisa. Dieses Mal öffnete sich der Fallschirm jedoch nicht und beide Hunde kamen ums Leben. Desiks früherer Partner Tsygan hatte mehr Glück: Er wurde vom sowjetischen Raumfahrtexperten Anatoli Blagonrawow adoptiert. Später wurde es üblich, den Nachwuchs der tierischen Kosmonauten an hochrangige sowjetische Beamte zu geben, das galt als Auszeichnung.

Die Reise ins All nahm oft kein gutes Ende. Bis zum Frühjahr 1961 hatte die Sowjetunion 29 Raketen mit insgesamt 48 Hunden an Bord gestartet – nur neun reisten bis ins All, von 48 Hunden starben zwölf.

 

Unvergessen: Laika

Im Jahr 1957 startete der erste Hund an Bord eines Satelliten in den Weltraum. Die Idee entstand vor dem Hintergrund des vierzigsten Jahrstages der Oktoberrevolution. Fotografen empfahlen, einen weißen Hund zu nehmen, da dieser auf Fotoaufnahmen leichter zu erkennen sei. Drei Tiere kamen in die engere Auswahl: Albina, Laika und Mucha. Albina war trächtig und Mucha hatte eine leicht gekrümmte Pfote, was sie weniger fotogen machte. Also fiel die Wahl auf Laika.

Vor ihrem Flug wurde Laika an Geräte angeschlossen, die ihren Atem überwachen sollten. Die Rakete startete am 3. November 1957. Als der Satellit seine Umlaufbahn erreicht hatte, bestätigten Funksignale, dass Laika

lebendig im Weltraum angekommen war. Sogar die „New York Times" berichtete von Laikas Weltraumfahrt und nannte sie den „haarigsten, einsamsten und unglücklichsten Hund der Welt, der in einer Höhe von eintausend Meilen die Erde umkreist".

Der unglücklichste Hund war Laika wohl in der Tat, denn sie überlebte die Reise nicht. Menschen aus aller Welt, vor allem aus den USA und Europa, protestierten gegen die sowjetische Praxis, Tiere in den Weltraum zu schicken. Es gab sogar den Vorschlag, stattdessen Nikita Chruschtschow mit einer Rakete ins All zu schießen. Woran Laika starb, erfuhr die Öffentlichkeit erst 45 Jahre später. Auf einem Kongress in Houston erklärte der Forscher Dmitrij Malaschenkow vom Moskauer Institut für medizinische und biologische Fragen, dass Laika wenige Stunden nach dem Start infolge der großen Hitze und an Stress gestorben sei. Die Geschichte von Laika bewegt die Menschen auch heute noch: Es gibt Blogs in Laikas Namen, in russischen Fantasy-Romanen wird Laika von Außerirdischen gerettet und Rockbands haben einem der berühmtesten Hunde der Welt ihre Songs gewidmet.

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