Radioaktivität: Wie belastet sind die Kurilen?

Ende September sendete Russladn ein Forschungsschiff zu den Kurilen-Inseln.  Alexej Druschinin/RIA Novosti

Ende September sendete Russladn ein Forschungsschiff zu den Kurilen-Inseln. Alexej Druschinin/RIA Novosti

Die Strahlenbelastung durch das havarierte japanische Atomkraftwert Fukushima-1 stelle zwar keine unmittelbare Bedrohung für russisches Territorium dar. Die Folgen der Katastrophe werden jedoch Jahrzehnte zu spüren sein, sagen russische Wissenschaftler.

Das Forschungsschiff „Professor Chljustin" brach Ende September von Wladiwostok aus zu den Kurilen-Inseln Urup und Simuschir auf. An Bord des Schiffes befinden sich Mitarbeiter der russischen Atombehörde Rosatom, des russischen Verteidigungsministeriums, der russischen Behörde für Hydrometeorologie und Umweltkontrolle, der russischen Verbraucherschutzbehörde sowie der Staatlichen Maritimen Newelski-Universität. Die Forschungsfahrt steht unter der Leitung der Russischen Geografischen Gesellschaft, mit der Organisation ist das Staatliche Institut für Ozeanographie betraut.

Innerhalb eines Monats nimmt das Expeditionsteam Wasserproben  und überprüft diese auf ihre Strahlenbelastung. Es ist bereits die dritte Expedition seit dem Atomunglück im März 2011. Die erste fand unmittelbar nach der Katastrophe, die zweite ein Jahr später statt. Die Ergebnisse der vergangenen Expeditionen wiesen zwar eine gegen null tendierende Strahlung auf. Nichtsdestoweniger stellen verstrahlte Fische weiterhin eine ernstzunehmende Gefahr für Russland dar.

 

Strahlenbelastete Fische sind eine Gefahr

„Erste Untersuchungen der Proben erfolgen direkt auf dem Schiff, abschließende Ergebnisse können jedoch erst nach Ende der Expedition gewonnen werden", sagt Stanislaw Schabalew, Leiter des Labors für radio-ökologisches Monitoring des Radiuminstituts. Die aktuellen Untersuchungen würden zudem breiter angelegt als die der vergangenen Jahre, erläutert er.

Im Rahmen der Expedition werden Aerosol- und Meerwasserproben von allen geplanten Stellen auf Caesium-137 und Strontium-90 untersucht, ferner sind Kontrollen einiger Wasserproben auf den Gehalt von Plutonium-Isotopen sowie mehrerer Dutzend Tritium-Proben geplant. „Außerdem sollen das Vorkommen von Radionukliden in den Organismen von Meerestieren und auf den Inseln Boden- und Pflanzenproben für genauere Untersuchungen entnommen werden", ergänzt Schabalew. Wie der Wissenschaftler bemerkte, zeigten die in den Jahren 2011 und 2012 entnommenen Proben, dass „hier alles relativ sauber ist". Trotzdem müsse man eine laufende Aktualisierung der Daten gewährleisten.

„Trotz der Nähe der russischen Inseln zu Japan gelangten nach der Katastrophe von Fukushima nur minimale Mengen radioaktiver Strahlung auf die Kurilen", sagt Sergej Pantschenko, Mitarbeiter des Labors für Radioökologie des Instituts für Probleme einer sicheren Entwicklung der Atomenergie, gegenüber RBTH. Das liege daran, dass die radioaktive Wolke die Erde zunächst über den Pazifik, Nordamerika und Europa umrundet hätte, bevor sie in Russland angekommen sei. „Die Strahlenbelastung nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die Japan 1986 auf seinem Territorium zu verzeichnen hatte, überstieg den Grad der auf den Kurilen nach Fukushima feststellbaren Verseuchung um das Tausendfache", stellt Pantschenko klar. Die einzige von Fukushima bis heute ausgehende Bedrohung ist nach Einschätzung des Experten die Strahlenbelastung kommerziell genutzter Fischarten: „Die Abgabe radioaktiver Stoffe hat den Sand in Flachwassergebieten verseucht, in denen eine kleine Fischart lebt, der Sandaal. Der Sandaal wird gefischt, aber man ernährt mit ihm auch kommerziell genutzte Fische, die auf diesem Wege radioaktiv kontaminiert werden."

 

 

Untersuchungen wird es weiter geben

Gennadi Bruk, Leiter des Labors für interne Bestrahlung des Forschungsinstituts für Strahlenhygiene, war an der ersten Expedition im Jahr 2011 beteiligt. Er geht davon aus, dass die dritte Forschungsfahrt keine nennenswerte radioaktive Verschmutzung zutage fördern wird. Dies bedeute jedoch nicht, dass sich weitere Expeditionen erübrigten: „Bis heute

kämpfen wir mit den Folgen der Havarie in Tschernobyl. Für die Sicherheit der Bevölkerung ist es sehr wichtig, dass diese Arbeit fortgesetzt wird." Dem schließt sich auch Sergej Pantschenko an: „Die Situation ändert sich nicht und das wird mittelfristig auch so bleiben. Cäsium wird nur sehr langsam abgebaut, daher ist ein Gleichgewicht der Natur erst in 20 bis 30 Jahren zu erwarten."

Es spricht alles dafür, dass die Expeditionen in Zukunft fortgesetzt werden. Sergej Iwanow, Leiter der Präsidialadministration, hatte die Kurilen-Inseln kurz vor der Expedition besucht. Während eines Treffens mit Einwohnern von Kurilsk versicherte er: „Wir bleiben an dem Thema dran und werden dabei keine Ausgaben scheuen."

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