VKontakte: Kostenlosen Musikdownloads droht das Aus

Mail.ru Group will Musikdownloads in den sozialen Netzwerken legalisieren. Foto: Shutterstock/Legion-Media

Mail.ru Group will Musikdownloads in den sozialen Netzwerken legalisieren. Foto: Shutterstock/Legion-Media

Bisher wird in russischen sozialen Netzwerken ungehindert Musik abgespielt, heruntergeladen und getauscht. Den Rechteinhabern ist das schon lange ein Dorn im Auge. Die Mail.ru Group verhandelt aktuell wieder mit der Musikindustrie, um zufriedenstellende Lösungen für alle Beteiligten zu finden.

Der russische Internet-Konzern Mail.ru Group steht erneut in Verhandlungen mit der Musikindustrie, berichtet die russische Zeitung „Wedomosti". Bei den Verhandlungen geht es um die Legalisierung von Musik-Downloads in sozialen Netzwerken. Die Mail.ru Group, die unter anderem das größte russische Netzwerk VKontakte betreibt, bekommt Unterstützung von Joel Katz, einem der bekanntesten Anwälte der Unterhaltungsbranche in den USA. Katz ist bereits nach Moskau gereist.

Zur Mail.ru Group gehören auch die sozialen Netzwerke Odnoklassniki und Moi Mir sowie die Messenger Agent Mail.ru und ICQ. Die Angebote werden nicht nur in Russland, wo vor allem VKontakte sehr beliebt ist, sondern auch im Ausland genutzt und sind in vielen Sprachen verfügbar. Die Nutzer von Odnoklassiki, Moi Mir und VKontakte können bisher kostenlos Musik hören und sie als Dateianhang auch kostenlos auf ihre Endgeräte herunterladen. Die Inhaber der Musikrechte reichten Beschwerden dagegen ein und forderten von Mail.ru Group, die Daten zu löschen. Nach Angaben der International Intellectual Property Alliance (IIPA) finden sich die meisten illegalen Downloads bei VKontakte. Die IIPA warf Russland zudem vor, gegen internationales Recht zu verstoßen. Mit dem Beitritt zur WTO habe sich Russland verpflichtet, geistiges Eigentum zu schützen, erklärte die IIPA Ende September.

Es ist nicht das erste Mal, dass der russische Konzern versucht, sich mit den Rechteinhabern, darunter namhafte Unternehmen aus der Musikindustrie wie Universal Music, Sony Music und Warner Music/EMI, zu einigen. Doch eine einvernehmliche Lösung war bislang an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Otschir Mandschikow, PR-Manager von Yandex, erklärt, dass die Rechtslage sehr kompliziert sei. Nicht nur die Internetnutzer seien damit überfordert, manchmal sogar die Rechteinhaber selbst. „Dem Start von Yandex Music sind fünf Jahre Verhandlungen vorausgegangen", erinnert sich Mandschikow. Die Rechteinhaber hätten selbst nicht gewusst, wie Urheberrechte bei Streaming-Services angewendet werden müssen.

 

Kostenpflichtige Angebote dürfen nicht zu teuer werden

Nun wird nach Lösungen gesucht, die für die Rechteinhaber annehmbar sind, die aber auch den Interessen der Nutzer gerecht werden, sagte Dmitri Sergeew, Direktor von VKontakte, der Zeitung „Wedomosti". Die Basisfunktionen der sozialen Netzwerke sollen kostenlos bleiben, doch vielleicht müssen russische Internetnutzer für einige Inhalte bald bezahlen.

Grundsätzlich sind die Russen dazu auch bereit. Laut dem russischen Ministerium für Telekommunikation und Massenmedien haben im Jahr 2013

acht Millionen Russen wenigstens einmal kostenpflichtige Inhalte im Internet abgerufen. 2014 werden es wohl deutlich mehr sein, wie Experten gegenüber RBTH äußerten. Die Kosten für einen legalen Download liegen in Russland im Schnitt zwischen 100 und 500 Rubel (etwa 1,80 und 9,30 Euro). Daran verdienen die Unternehmen nicht viel. Die größten Einnahmen bringt Werbung.

Aleksandr Tuschkanow, Leiter der Anti-Piracy-Abteilung des Konzerns Group IB, nennt das Hochladen illegaler Inhalte im Internet kriminell. Er schlägt vor, „hochwertige, bequeme, aber nicht zu teure Dienste mit legalen Inhalten zu etablieren und die Bevölkerung ausführlich darüber zu informieren." Iwan Pankeew, Direktor des Zentrums für Medienrecht an der Fakultät für Journalismus der Staatlichen Lomonossow-Universität Moskau, hält die Verhandlungen zwischen den Rechteinhabern und russischen Internet-Konzernen für einen wichtigen Zwischenschritt bei der Suche nach einer weltweiten Lösung für das Problem illegaler Inhalte im Internet.

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