E-Recruiting: Mit der App zum geeigneten Kandidaten

Mit „AmazingHiring“ hat der Recruiter schon vor dem Vorstellungsgespräch wichtige Informationen, die er dem Bewerber sonst erst noch entlocken müsste. Foto: Lori/legion Media

Mit „AmazingHiring“ hat der Recruiter schon vor dem Vorstellungsgespräch wichtige Informationen, die er dem Bewerber sonst erst noch entlocken müsste. Foto: Lori/legion Media

Oft ist es nicht einfach, den optimalen Kandidaten für eine neu zu besetzende Stelle zu finden. Die App „AmazingHiring“ von zwei russischen Entwicklern soll den Personalbeschaffungsprozess nun effizienter gestalten.

„AmazingHiring“ ist eine App-Entwicklung für die Rekrutierung von Personal im IT-Sektor. Sie bietet unter anderem eine Suchfunktion zur Auswahl geeigneter Bewerber. Diese werden in sozialen Netzwerken oder Internetforen, aber auch auf Karrierewebseiten gesucht. Stimmen die Suchkriterien mit den Angaben des Internetnutzers überein, wird automatisch ein Profil mit seinen Kontaktdaten, persönlichen Informationen wie dem Geburtsdatum sowie dem Ausbildungsweg und beruflichen Werdegang angelegt. Außerdem ist die App in der Lage, die berufliche Qualifikation des potenziellen Bewerbers im Hinblick auf die zu besetzende Stelle zu analysieren oder Aussagen über dessen Wechselbereitschaft zu treffen. Die Parameter werden in ein Punktesystem überführt.

Entwickelt wurde die App von Sergej Dmitritschenko und Vitali Obernikhin. Dmitritschenko war zehn Jahre lang Geschäftsführer einer Personalagentur im IT-Bereich. Die Personalsuche zu automatisieren war ein Projekt, das er schon immer realisieren wollte. Er erhoffte sich davon mehr Effizienz. Zuvor mussten die Informationen zu potenziellen neuen Mitarbeitern oft mühsam im Internet zusammengesucht werden, das hat viel Zeit in Anspruch genommen. So viel, dass ein Recruiter oft nur ein bis zwei Stellenangebote pro Monat bearbeiten konnte.  Dmitritschenko zufolge reduziert sich die Zeit für die Personalsuche mit „AmazingHiring“ um die Hälfte. Und schon vor dem Vorstellungsgespräch hat der Recruiter wichtige Informationen, die er dem Bewerber sonst erst noch entlocken müsste.

Vitali Obernikhin ist Programmierer und Absolvent des Moskauer Physikalisch-Technischen Instituts. Gemeinsam mit ihm begann Dmitritschenko Mitte 2012 mit der Entwicklung von „AmazingHiring“.

Ende 2013 brachten Dmitritschenko und Obernikhin die Betaversion ihres webgestützten Programms auf den Markt. Unterstützt wurden sie von Investoren wie dem ukrainischen Investmentfonds SMRK und dem russischen Venturefonds Starta Capital, die im Jahr 2013 etwa 241 000 Euro bereitstellten. Im September 2014 folgten weitere 400 000 Euro, wieder von SMRK und zusätzlich von sogenannten Business Angels. Dmitritschenko und Obernikhin wollten ihre App erst nur für den Eigenbedarf nutzen, erkannten jedoch schnell, dass das Interesse auch bei anderen Recruiting-Unternehmen groß ist.  

 

Fit für den Job – und fürs Unternehmen

Viele von ihnen möchten die komfortablen Funktionen der App nutzen und ohne großen zeitlichen und personellen Aufwand nach Spezialisten für den IT-Bereich suchen, seien es SAP-Berater, Javascript-Programmierer oder SEO-Experten. Ende 2014 soll es auch möglich sein, „AmazingHiring“ für die Suche nach Webdesignern zu nutzen. „Unsere App berücksichtigt die vielen Parameter, die Personaler bei der Auswahl nach geeigneten Kandidaten zugrunde legen“, erklärt Dmitritschenko sein Erfolgskonzept. Viele der Kandidaten seien internetaffin, sodass sich die dazu notwendigen Informationen im Internet auch finden ließen.

Zukünftig wird es laut Obernikhin auch möglich sein, Kandidaten zu suchen, die nicht nur fachlich versiert sind, sondern darüber hinaus optimal zur

Unternehmenskultur passen. Dazu wird die App das Internet nach Informationen zu den persönlichen Interessen und Eigenschaften eines potenziellen Bewerbers durchforsten.  Lediglich bei der Suche nach Top-Managern und einfachen Angestellten ohne Standardanforderungen an die Qualifikation werden die Personaler weiter auf bisherige Methoden setzen müssen. Das bietet „AmazingHiring“ (noch) nicht. 

Obernikhin und Dmitritschenko schätzen das Volumen des russischen Marktes für die externe Personalakquise auf etwa 241 Millionen Euro, daran haben automatisierte Dienste einen Anteil von 136 Millionen Euro. Aktuell nutzen rund 60 Kunden „AmazingHiring“. Sie haben in der Regel ein Jahresabonnement. Unter den Kunden sind durchaus bekannte Namen zu finden wie der russische Suchmaschinenanbieter Yandex oder der Spezialist für Internetsicherheit Kaspersky Lab. Kleinere Unternehmen suchen mit „AmazingHiring“ im Schnitt nach ein bis zwei neuen Mitarbeitern, größere nach fünf bis sieben. Zunächst können interessierte Unternehmen die App vier Wochen lang kostenlos testen. Anschließend kostet der Zugang im Monat etwa 400 Euro, ein Jahresabonnement ist derzeit für etwa 2 800 Euro zu haben.

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