Kalaschnikow reloaded: Neuer Markenauftritt für Russlands berühmteste Waffe

Der Hauptabsatzmarkt des Konzerns befindet sich in der westlichen Hemisphäre. Die Waffen für den zivilen Gebrauch wurden bisher in den USA und Kanada stark nachgefragt, doch nach den Sanktionen dieser Staaten gegen Russland dürfen sie dort nicht mehr angeboten werden. Foto: Pressebild

Der Hauptabsatzmarkt des Konzerns befindet sich in der westlichen Hemisphäre. Die Waffen für den zivilen Gebrauch wurden bisher in den USA und Kanada stark nachgefragt, doch nach den Sanktionen dieser Staaten gegen Russland dürfen sie dort nicht mehr angeboten werden. Foto: Pressebild

Die Kalaschnikow hat einen neuen Markenauftritt verpasst bekommen. Zudem wurde das bekannte Sturmgewehr technisch weiterentwickelt. Unter dem Motto „Protecting peace“ soll es künftig zu mehr Sicherheit in der Welt und nicht zuletzt zu einem höheren Konzernumsatz beitragen, hofft der Hersteller.

Der Waffenkonzern Kalaschnikow hat allen seinen Marken einen neuen Auftritt verordnet:  Von der gleichnamigen Linie der Sturmgewehre bis zu den Baikal-Jagdwaffen oder den Ischmasch-Sportwaffen. 318 500 Euro ließ sich das Unternehmen das Rebranding kosten, die aus der Tasche der privaten Investoren und Miteigentümer des Kalaschnikow-Konzerns, Alexej Kriworutschko und Andrej Bokarew, bezahlt wurden.

Die neue Marke für die Kalaschnikow-Sturmgewehre hat große Veränderungen erfahren: Die bisher bekannte stilisierte Silhouette des auch kurz als „AK“ bezeichneten Sturmgewehres vor einem rot-weiß-blauen Hintergrund wurde von dem Buchstaben „K“ auf rotem Hintergrund abgelöst. Besonders ins Auge fällt dabei das Magazin des legendären Maschinengewehrs.

Dem staatlichen Unternehmen Rostech, zu dem der Kalaschnikow-Konzern gehört, war es wichtig, das gesamte symbolische Kapital, das mit dem Namen verbunden wird, zu bewahren, aber neu zu definieren. Die Philosophie des Konzerns wird nun durch das Motto „Protecting peace“ (zu Deutsch: „Frieden sichern“) zum Ausdruck gebracht. Durch die Verwendung des russischen Wortes „МИР“ („Mir“), das im Russischen sowohl für „Frieden“ als auch für das Wort „Welt“ steht, will der Konzern auf der einen Seite zum Ausdruck bringen, dass die Kalaschnikow das weltweit am häufigsten eingesetzte Sturmgewehr und zudem nach Ansicht des Konzerns vergleichbaren Konkurrenzprodukten deutlich überlegen ist, und zum anderen, dass es gebaut wird, um zum Weltfrieden beizutragen. Rostech schreibt dazu in einer Pressemitteilung, dass die Kalaschnikow überall einen Beitrag zum Schutz der Souveränität einzelner Völker und ihres Rechts auf Selbstbestimmung leisten könne.

Alexej Kriworutschko, Generaldirektor des Kalaschnikow-Konzerns, erklärt: „Nach dem Rebranding stehen unsere Konzernprinzipien im Vordergrund: Verlässlichkeit, Verantwortung und technologische Perfektion.“ Das Rebranding der Kalaschnikow und anderer Waffenmodelle ist Bestandteil einer neuen Konzernstrategie, die bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden soll. Der Konzern hat große Ambitionen. neue Waffen sollen entwickelt und neue Märkte erschlossen werden. Zurzeit arbeiten die Konstrukteure an 30 Projekten von der Entwicklung eines neuen Präzisionsgewehres für Scharfschützen bis zu Handfeuerwaffen.

Sturmgewehr in fünfter Generation

Die neue Kalaschnikow AK-12 stellt bereits die fünfte Generation des weltweit bekannten Sturmgewehres dar, weiß Semjon Fedosejew, Historiker und Waffenkenner. Auch sie ist wie alle AK-Typen ein sogenannter aufschießender Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss. Der bisher einseitig angebrachte Sicherungs- und Feuerwahlhebel wurde durch einen beidseitig vorhandenen Schalter ersetzt. Dadurch ist die Waffe auch für Linkshänder gut geeignet.

Neu ist auch ein Kammerfang, der die Schlossführung und das Schloss hinten festhält. Dadurch ist die AK-12 nach einem Magazinwechsel schneller wieder schussbereit, erläutert Fedosejew. Das Sturmgewehr liegt nun ruhiger in der Hand. Der Kolben kann in verschiedene Richtungen abgeklappt oder verlängert werden. Die Waffe ist modular erweiterbar. Form und Abmessungen des Pistolengriffs wurden verbessert. Die AK-12 sei effizienter und noch sicherer geworden, meint der Waffenexperte. Gegenwärtig lässt die russische Regierung die AK-12 testen. Wenn sie besteht, wird sie vielleicht Bestandteil der „Ratnik“ genannten Hightech-Kampfmontur, deren Einführung das russische Militär plant. 

Ebenso bekannt wie das Sturmgewehr sind die für den zivilen Gebrauch bestimmten Waffenmodelle aus dem Hause Kalaschnikow, die Jagd- und Sportwaffen. In ihre Entwicklung fließen die Erfahrungen aus dem Bau der Sturmgewehre ein, so zum Beispiel beim Modell „Sajga“, einem Jagdkarabiner. Auch im zivilen Bereich wurde der Markenauftritt verändert. Während die Jagdwaffen weiterhin durch das blau-weiße Baikal-Logo repräsentiert werden, werden die Sportwaffen zukünftig unter dem Namen „Ischmasch“ verkauft, der in lateinischer Schrift dargestellt werden wird.

Der Hauptabsatzmarkt des Konzerns befindet sich in der westlichen Hemisphäre. Die Waffen für den zivilen Gebrauch wurden bisher in den USA und Kanada stark nachgefragt, doch nach den Sanktionen dieser Staaten gegen Russland dürfen sie dort nicht mehr angeboten werden. Daher musste sich der Waffenriese nach anderen Abnehmern umschauen und scheint dabei erfolgreich gewesen zu sein: Der Umfang der

Exportlieferungen stieg gegenüber 2012 in diesem Jahr um das Dreifache. Die USA und Kanada sind dabei als Märkte bereits nicht mehr berücksichtigt. Ende November verkündete der Kalaschnikow-Konzern, dass ein Lieferabkommen über Waffen für den zivilen Gebrauch mit Thailand und Malaysia unterschrieben worden sei. Dank der neuen Verträge hätten die Folgen der Sanktionen abgefangen und die Präsenz auf dem Weltmarkt insgesamt gesteigert werden können, meldete Rostech der Presse. Zudem laufen Verhandlungen mit afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatisch-pazifischen Staaten.

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