Carlo D'Asaro Biondo: „Als Nächstes steht der Kreml auf dem Plan“

Das Google-Team bei den Dreharbeiten im Bolschoj. Quelle: Yotube

Das Google-Team bei den Dreharbeiten im Bolschoj. Quelle: Yotube

Seit dem 10. Februar bietet das Bolschoi-Theater 3D-Führungen durch sein historisches Gebäude und die neue Bühne an. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Google umgesetzt. Carlo D‘Asaro Biondo, Präsident von Google für Europa, den Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika spricht gegenüber RBTH darüber, warum man Geld in die Digitalisierung von Kulturgütern investieren sollte.

RBTH: Wann kam ihnen die Idee, das Google Cultural Institute ins Leben zu rufen?

D'Asaro Biondo: Ich aß zusammen mit meinen Kollegen zu Mittag und die Sprache kam darauf, dass die Kulturgüter solcher Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, Russland oder des Nahen Ostens nicht besonders gut im Internet repräsentiert seien. Im Gegenteil dazu gibt es sehr viele Information zu Kunst und Kultur aus England und Amerika. Das fanden wir schade.

Angesprochen auf dieses Problem, waren die europäischen Museen zunächst der Meinung, dass die Besucher wegbleiben würden, sobald Kunstwerke auch im Internet zugänglich seien. Unsere Antwort darauf war ganz einfach. Wir haben ihnen eine Gegenfrage gestellt: Wissen Sie, nach welchem digitalen Kunstwerk weltweit am häufigsten im Internet gesucht wird? Es ist die Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Und welches Kunstwerk ist der größte Besuchermagnet für die Museen? Ebenfalls die Mona Lisa.

Einige Zeit später haben wir bewiesen, dass mit der Steigerung der Digitalisierung von Kunst auch die Besucherzahlen der Museen steigen.

Machen Sie eine 3D-Führung durch Bolschoj jetzt mit! Bild: Google Cultural Institute

Wie groß war das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Projekt?

Das Projekt hat Millionen Besucher angelockt. Zurzeit haben wir bereits anderthalb Millionen Bilder aus 620 Museen online platziert. 150 davon sind in einer HD-Auflösung verfügbar.

Ich komme selber manchmal nach Hause, zünde mir eine Zigarre an, öffne eine Flasche Rotwein und mache klassische Musik an. Mit meiner Frau

setzen wir uns dann auf das Sofa und schauen uns die Bilder auf einem großen Bildschirm an. So verbringen wir manchmal zwei oder drei Stunden. Denn wo finden Sie sonst gleichzeitig 65 Bilder von Renoir oder 42 von Van Gogh?

Welche Oper hören Sie am liebsten?

Oper ist wie Essen: Sie hängt von meiner Stimmung in jedem konkreten Moment ab. Ich bin ja Italiener. Sollte man mich irgendwann einmal auf einer menschenleeren Insel aussetzen und ich dürfte nur eine Oper mitnehmen, wäre es sicherlich irgendetwas Italienisches, wahrscheinlich „Nabucco“ von Verdi. Dürfte ich noch eine Zweite mitnehmen, wäre das eine von Mozart oder Tschaikowski. Das ist wirklich eine schwierige Frage. 

Entwurf eines Bühnenbildes zur Oper "Faust" aus dem Jahre 1924. Klicken Sie das Bild an, um es näher anzusehen! Quelle: Google Cultural Institute

Wie viel Geld muss man in die Hand nehmen, um ein Theater zu digitalisieren?

Ich darf Ihnen leider keine Zahlen nennen. Aber allein das Einscannen der Bilder in HD-Auflösung kann gut zehn bis 15 Tausend Euro kosten. Das hängt vom Bild und der Technik ab, auf die wir dabei zurückgreifen.

Wer ist für die Umsetzung zuständig?

Wir haben eine Zentrale in Paris, wo sich 20 Entwickler allein mit Technologien des 3D-Scannens beschäftigen. Sie alle geraten bei den Kunstwerken ins Schwärmen. Darüber hinaus greifen wir auf lokale

Mitarbeiter zurück, um bestimmte Gegenstände oder Räume zu digitalisieren. Sie machen sich schrittweise mit der Funktionsweise von 3D-Kameras vertraut und schießen die Bilder. Ohne ihre Hilfe kämen wir niemals zurecht.  

Was steht als nächstes auf Ihrem Plan?

Pläne haben wir ganz viele, zum Beispiel die Digitalisierung des Kremls.

Etwa das Arbeitszimmer von Putin?

Wir wollen ja niemanden ausspähen, sondern etwas zeigen, was Ausländern hilft, Russland besser zu verstehen. Dazu gehören Kirchen, Museen, moderne Kunst oder auch Straßenkunst. Wenn Sie eine Idee haben, können wir sie nach einiger Zeit sicherlich verwirklichen. 

Info:

Quelle: Google Cultural Institute

 Auf der Webseite des Google Cultural Institute können Besucher einmalige Fotos vom Theater sowie Theaterkostüme besichtigen, die nach den alten Entwürfen der Kostümgestalter des Bolschoi-Theaters gestaltet wurden.

 

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