Gegen den Drogenhandel: Russland setzt auf Weltraumtechnologie

Drogenanbaugebiete können nun vom Weltall aus identifiziert werden. Foto: Reuters

Drogenanbaugebiete können nun vom Weltall aus identifiziert werden. Foto: Reuters

Das russische Forschungsunternehmen RKS hat ein System entwickelt, das Drogenpflanzen aus dem Weltall erkennen kann. Interesse an dieser Neuentwicklung dürften vor allem Drogenfahnder in aller Welt haben. Mit der Satellitentechnologie können auch gut versteckte Drogenfelder aufgespürt werden.

Anfang Februar schloss das Forschungsunternehmen Russische Weltraumsysteme (RKS) eine Testreihe zu einem System zum Aufspüren von Drogenpflanzen ab. Die Technik der spektrozonalen Aufnahme ermöglicht es, illegale Anbaugebiete von zum Beispiel Mohn oder Hanf auf dem gesamten Globus kontrastfarbig darzustellen. RKS plant laut Jewgenij Nesterow, stellvertretender Generaldirektor des Unternehmens, die Aufnahmen Interessenten aus dem staatlichen und privaten Bereich zugänglich zu machen.

Bei RKS gibt es ein eigenes Forschungszentrum für die operative Beobachtung der Erde. Das Zentrum plane die Weltraumaufnahmen, führe sie durch, speichere und bereite die Daten auf und stelle sie letztlich dem Endnutzer zur Verfügung, erklärt Roman Kirillow vom RKS. Die Daten stammen von russischen und ausländischen Satelliten.

Bis zuletzt hatte das Forschungszentrum hauptsächlich im Rahmen des Föderalen Weltraumprogramms und der Abkommen von Roskosmos mit der ESA und den Weltraumagenturen Deutschlands, Frankreichs, der USA, Italiens und weiterer Länder gearbeitet. Nun will sich RKS laut Kirillow auch kommerziellen Kooperationspartnern öffnen, wobei die Nutzungsbedingungen der Daten noch ausgearbeitet werden müssten. Alexej Beljakow, Vizepräsident und Exekutivdirektor des Weltraumtechnologie- und Telekommunikations-Clusters der Skolkowo-Stiftung, geht davon aus, dass eine kommerzielle Nutzung des Systems nur eingeschränkt möglich sei, da „viele dieser Aufnahmen von ausländischen Satellitenbetreibern kommen". Er glaubt, dass vor allem die russische und ausländische Polizei Interesse an den Diensten von RKS haben könnte.

 

Auch gut getarnte Drogenfelder können entdeckt werden

Das russische Beobachtungssystem ist seit Ende 2000 im Aufbau. In erster Linie sollte es zur Erneuerung von Kartenmaterial, zum Erhalt von Informationen im Bereich Umweltschutz und Umweltkontrolle, für die Arbeit des Umweltministerium sowie der russischen Rettungsdienste genutzt werden. Im Juni 2013 wurde auf dem neu entwickelten Satelliten Resurs-P, der zur Beobachtung der Erdoberfläche eingesetzt wird, ein sogenanntes Hyperspektrometer aufgebaut. Das brachte den Durchbruch zum Aufspüren von Drogenanbauflächen vom Weltall aus.

Im Dezember 2014 ging Resurs-P 2 an den Start. Mithilfe dieses Satelliten verdoppeln sich die Möglichkeiten für eine operative Überwachung der Erdoberfläche mit einem Hydrospektrometer, auch im Hinblick auf die Datenmenge und die Erneuerungsfrequenz.

Der Vorteil der spektrozonalen Aufnahmetechnologie von RKS liegt laut Kirillow darin, dass die Technologie es ermögliche, Daten zu den spektralen

Eigenschaften verschiedener Objekte zu erhalten. Dadurch könnten auch verschiedene Pflanzenarten voneinander unterschieden werden. „Felder, auf denen illegal Hanf oder Mohn angebaut wird, sind oft nur schwer ausfindig zu machen, denn sie werden gut getarnt und bewacht. Doch eine Spektralanalyse der Pflanzen erlaubt es, auch kleine Anbauflächen vom Satelliten aus zu sehen", berichtet Andrej Schokol, Interimsdirektor des Forschungszentrums für operative Überwachung der Erdoberfläche.

Experten zweifeln nicht daran, dass die Technologie erfolgreich zur Auffindung von Drogenanbaustätten genutzt werden kann, haben aber dennoch Zweifel. Die Aufnahmen erlaubten keine hundertprozentig genauen Aussagen, so die Kritik. „Die Technologie entspricht durchaus dem Stand der Zeit und ähnelt jener, die bereits zur Schätzung des Zustands von Landwirtschaftsgütern verwendet wird", sagt Beljakow. „Durch die einzigartigen Prägungen kann man durchaus die konkrete Art der Pflanze bestimmen. Eine Aufnahme kann eine Fläche von bis zu 30 Kilometern Durchmesser umfassen, aber wie jede Technologie braucht auch sie eine Nachbearbeitung." Er glaubt, die Satellitenaufnahmen seien nur ein erster Schritt. Um die Art der Drogen und die Größe des Anbaugebietes genauer bestimmen zu können, könnten später Drohnen zum Einsatz kommen.

 

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