Google richtet Server in Russland ein

Foto: EPA

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Google hat mit der Servereinrichtung in Russland begonnen, um ab September geltende Rechtsvorschriften zur Datenspeicherung erfüllen zu können. Der Umfang der Maßnahme deutet laut Beobachtern aber auch darauf hin, dass Google in Russland dem bisherigen Marktführer Yandex Anteile abringen will.

Nach dem Internet-Auktionshaus eBay und dem Anbieter von Online-Bezahlsystemen PayPal ist nun auch Google so weit, die Voraussetzungen für die Speicherung von Daten russischer Internetnutzer im Inland zu schaffen. Damit reagiert der US-Konzern auf ein entsprechendes russisches Gesetz, das im September 2015 in Kraft treten wird. Allerdings geschieht die Servereinrichtung in größerem Umfang, als das zur Erfüllung der rechtlichen Vorgaben notwendig wäre, stellen Insider fest.

Nach Angaben der Online-Ausgabe der Online-Zeitung „RBC" liegt der Redaktion eine Mitschrift der Sitzung im russischen Ministerium für Telekommunikation und Massenmedien vor, in der es um das neue Gesetz ging. Unter anderem soll Anton Platonow, Generaldirektor des russischen Unternehmens StoreData, berichtet haben, dass Google heute bereits über Dutzende Racks in russischen Rechenzentren verfüge. Dabei vertraue das Unternehmen allem Anschein nach den lokalen Datacentern nicht allzu sehr. So wurde auf der Sitzung mitgeteilt, dass Google die Informationen auch im Rechenzentrum seines russischen Unternehmenssitzes speichere.

Auf Nachfrage von RBTH wollte Google sich nicht zur Servereinrichtung in Russland äußern. Einige Analysten sind der Meinung, dass der Suchmaschinendienst alles täte, um eine Konfrontation mit der russischen Regierung zu vermeiden: „Der politische Kurs der russischen Regierung ist allen klar, kaum jemand in der IT-Branche möchte sich mit ihr anlegen", meint Alexej Lukazki, Berater von Cisco in Fragen der Informationssicherheit.

 

Google holt auf

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass Google mehr im Sinn habe als reine Gesetzestreue. Denn die rechtlichen Vorgaben seien mit weitaus geringerem Aufwand zu erfüllen, wie Karen Kasarjan, Chefanalyst des Russischen Vereins für E-Kommunikation, betont. „Keiner weiß, was sie konkret einrichten und wozu. Vielleicht will Google in Russland neue Serviceleistungen anbieten und seine Technologien im Cloud Computing vermarkten", spekuliert er. Das könne bedeuten, dass der Konzern in Russland eine neue Entwicklungsstrategie verfolge, die darauf abziele, dem größten Mitbewerber auf dem russischen Markt, Yandex, den Rang abzulaufen.

Google hat sich in den letzten Jahren auch in Russland landesweit etablieren können. Zwar ist die russische Suchmaschine Yandex nach wie vor marktführend. Doch Google holt auf. Das zeigen auch die Statistiken von Liveinternet.ru. Demnach schrumpfte Ende Januar 2015 der Marktanteil von Yandex in Russland um 2,8 Prozent auf 58,9 Prozent. Der Anteil von Google hingegen stieg um 5,9 Prozent auf 32,8 Prozent. Laut Angaben von TNS

liegt Yandex im Hinblick auf die monatlichen Nutzerraten in Russland deutlich vor Google: 62 Millionen stehen 49,4 Millionen Nutzern gegenüber.

Dabei sind jedoch die Anwender von Mobilgeräten noch nicht berücksichtigt. Bei diesen und den Anwendungsprogrammen punktet nach einem Bericht der Analysten von Morgan Stanley von Anfang Februar wiederum Google. Mit Android verfügt der US-Konzern über ein eigenes Betriebssystem für mobile Geräte und könnte Yandex gefährlich werden. Im Februar hat der Betreiber der russischen Suchmaschine beim russischen Kartellamt deshalb eine Klage gegen Google eingereicht. Yandex befürchtet, dass Google durch Exklusivverträge Hersteller von Mobilgeräten, die Android als Betriebssystem nutzen, dazu bringen könnte, auf eine Vorinstallation von Anwendungsprogrammen der Konkurrenz zu verzichten.

 

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