Auf Sendung: Satellitennavigationssystem Glonass erobert die Antarktis

Mitarbeiter der Sibirischen Föderalen Universität Waleri Wladimirow und Juri Fatejew auf der Antarktis-Station Nowolasarewskaja. Foto: Sibirische Föderale Universität

Mitarbeiter der Sibirischen Föderalen Universität Waleri Wladimirow und Juri Fatejew auf der Antarktis-Station Nowolasarewskaja. Foto: Sibirische Föderale Universität

Bis 2020 sollen auf den russischen Antarktisstationen bis zu sieben neue Messstationen für das Satellitennavigationssystem Glonass entstehen. Das erlaubt eine bessere Kontrolle und Steuerung der Satelliten. Dadurch könnte die Genauigkeit von Glonass bald das Niveau des Konkurrenten GPS erreichen.

Wissenschaftler und Experten aus der Region Krasnojarsk und aus Sankt Petersburg planen, in der Antarktis bis 2020 vier bis sieben weitere Stationen des Satellitennavigationssystems Glonass aufzubauen. Drei Stationen sind dort bereits seit 2009 in Betrieb. Mit der Montage der neuen Messstationen soll Ende des Jahres während der 61. russischen Antarktisexpedition auf den Antarktisstationen Progress und Nowolasarewskaja begonnen werden.

Die Technik für die neuen Messstationen hat das Wissenschaftliche Zentrum Krasnojarsk der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit der Sibirischen Föderalen Universität und dem wissenschaftlichen Produktionsbetrieb Radioswjas im Auftrag des Unternehmens ISS Reschetnjow entwickelt. Dieses Unternehmen baut auch die Glonass-Satelliten. Spezialisten der Einrichtungen und des Unternehmens hatten sich bereits Anfang des Jahres ein Bild von den Verhältnissen vor Ort gemacht. Sie besuchten im Januar und Februar die russischen Antarktisstationen Nowolasarewskaja, Progress und Bellinghausen, um sich einen Überblick über geeignete Aufstellungsorte zu verschaffen.

Die neuen Messstationen kommen nicht direkt bei der Nutzung von Glonass als Satellitennavigationssystem zum Einsatz, erklärt Professor Juri Fatejew von der Sibirischen Föderalen Universität. Zu diesem Zweck seien die bereits bestehenden Stationen in Brasilien und China ausreichend. „Die neuen Messstationen werden für neue Funktionen von Glonass in Sonderanwendungen genutzt, hauptsächlich bei der Erdvermessung. Sie sollen Messungen zur Ermittlung der Parameter für die Umlaufbahn der Glonass-Satelliten durchführen", so Fatejew. Bisher kann nur die Hälfte der 24 russischen Glonass-Satelliten durch Messstationen kontrolliert werden. Sie stehen in Russland und Tadschikistan. Auch der private Nutzer wird von den neuen Messstationen profitieren, verspricht Fatejew, denn Glonass werde genauer.

 

Glonass wird zu GPS aufschließen können

Die Idee, Messstationen für Glonass in der Antarktis aufzubauen, hatte Walerij Wladimirow, stellvertretender Vorsitzender des Präsidiums des Wissenschaftlichen Zentrums Krasnojarsk, bereits vor zehn Jahren. „Wir können die Satelliten dann nicht nur kontrollieren und steuern, sondern ihre Signale auch online auslesen und so jederzeit alle nötigen Informationen über alle Objekte an jedem Punkt der Erde erhalten", erklärt er.

Um 100 Prozent der Umlaufbahn der Satelliten zu überwachen, braucht es viele Messstationen auf einem großen Gebiet. Nur dann können Signale unterbrechungsfrei gesendet werden. Da bietet sich die Antarktis als Standort an. Laut Wjatscheslaw Martjanow, stellvertretender Vorsitzender des arktischen und antarktischen Forschungsinstituts, sind die russischen

Antarktisstationen, die über die gesamte Küste der Antarktis verteilt sind, derzeit der „einzig mögliche Standort für Glonass-Messstationen auf der nördlichen und südlichen Hemisphäre".

Professor Juri Fatejew weist darauf hin, dass die Messstationen des GPS-Systems praktisch über die ganze Erde verteilt seien, während sich diejenigen von Glonass fast nur auf russischem Staatsgebiet befänden. „Daher ist GPS genauer als Glonass", erklärt er. Doch er ist überzeugt: „Wenn die Messstationen in der Antarktis in Betrieb gehen, wird die Genauigkeit von Glonass genauso hoch sein wie die von GPS." Das wird auch die Zuverlässigkeit der Navigationsanwendungen erhöhen, schätzen Fachleute.

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