Umweltminister: Russland plant Forschungszentrum auf Spitzbergen

Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen Sergej Donskoj: "Wir kehren schrittweise wieder in die Arktis zurück". Foto: Wladimir Fedorenko/RIA Novosti

Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen Sergej Donskoj: "Wir kehren schrittweise wieder in die Arktis zurück". Foto: Wladimir Fedorenko/RIA Novosti

Russland will in Barentsburg auf Spitzbergen eine ständige Polarexpedition einrichten. Zu den Forschungsschwerpunkten gehört auch der Erhalt der ökologischen Vielfalt in der Arktis. Sergej Donskoj, russischer Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen, erklärt, welche Unternehmungen geplant sind.

In Barentsburg auf der norwegischen Insel Spitzbergen soll ein neues russisches Zentrum zur Arktiserforschung entstehen. Barentsburg ist eine etwa 500 Einwohner zählende Gemeinde auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Sie wird von Russen bewohnt, die dort im Bergbau arbeiten. Das bedeutendste russische Unternehmen vor Ort ist Arktikugol, das auf Spitzbergen Kohle fördert.

Barentsburg litt lange Zeit unter ökologischen Problemen. Ein Wärmekraftwerk produzierte Unmengen Ruß; Süßwasserquellen rund um ehemalige sowjetische Siedlungen waren biologisch verunreinigt und es gab eine unansehnliche Müllhalde. Doch die Situation ändert sich. „Der Müll wurde beseitigt, verfallene Gebäude werden nach und nach abgetragen, andere Gebäude werden modernisiert", berichtet Sergej Donskoj, der russische Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen. Demnächst soll auf Spitzbergen zudem ein von Russland betriebenes Forschungszentrum entstehen.

„In Barentsburg soll eine ständige arktische Expedition eingerichtet werden", sagt Donskoj. Die Voraussetzungen dafür seien gut, meint der Minister: „Die Infrastruktur, auch für eine Forschungstätigkeit, ist in Barentsburg bereits vorhanden. Die meisten Gebäude sind in einem guten Zustand. Heute schon arbeiten auf Spitzbergen etwa 25 wissenschaftliche Mitarbeiter, diese Zahl kann auf 100 erweitert werden. Damit sind alle Bedingungen zur Schaffung eines sehr interessanten Forschungs- und Bildungszentrums bereits gegeben."

Das Forschungszentrum soll sich schwerpunktmäßig mit Hydrometeorologie – der Erforschung des Wasserkreislaufs in der Atmosphäre – und der Untersuchung der Eissituation in der Arktis, der Sonnenaktivität, der Radiation, der Ozonschicht, des Ewigen Eises und der Umweltverschmutzung – unter anderem auf dem Gebiet der konservierten Industrieobjekte – befassen, führt Donskoj aus. Außerdem solle eine Bewertung der Umweltindikatoren durchgeführt werden. Der Minister erwartet, dass das Projekt bereits in diesem Jahr anläuft.

 

Erkunden und Schützen

Knapp ein Drittel des gesamten Gebiets der Arktis gehört Russland, hier gibt es 80 Prozent der arktischen Biodiversifikation: Vogelbrutplätze, Walrosse, seltene Säugetierarten und Vögel. Heute sind viele dieser Tiere in ihrer Existenz bedroht und eine der effektivsten Maßnahmen ist die Einrichtung von Schutzgebieten. Im russischen Teil der Arktis wurden bereits 24 Gebiete auf föderaler und 86 auf regionaler Ebene für besonders geschützt erklärt, darunter zehn Reservate, drei Nationalparks und Gebiete, in denen wissenschaftliche Forschungsarbeit geleistet wird.

„Bis 2020 sollen hinter dem Polarkreis zwei neue Nationalparks entstehen: in Zentral-Tschukotka und im Gebirge Chibinen in der Oblast Murmansk. Auch sollen Reservate in der Republik Sacha und auf den Nowosibirsker Inseln entstehen", kündigt Donskoj an. „Die Arktis soll systematisch geschützt werden. In den besonders geschützten Gebieten soll es entweder gar keine Wirtschaftstätigkeit geben, oder sie wird starken Einschränkungen unterliegen", erklärt er weiter.

Vom Rest der Welt werden die russischen Aktivitäten in der Arktis kritisch betrachtet, vor allem wenn es um geologische Projekte oder die

Erdölförderung geht. Donskoj vermutet dahinter den Wunsch, Russland in der Arktisforschung auszubremsen: „Es gibt nur ein Ziel: Unsere Entwicklung in der Arktis zu verlangsamen." Das letzte größere Erdgasvorkommen in der Arktis sei 1988 erschlossen worden, bemerkt der Umweltminister, das letzte größere Erdölvorkommen im Jahr 1989. „Erst jetzt kehren wir schrittweise wieder in die Arktis zurück", sagt Donskoj.

„Im letzten Jahr hat Rosneft Erkundungsarbeiten in der Universitetskaya-Struktur abgeschlossen, im Rahmen derer das Pobeda-Vorkommen mit über 130 Millionen Tonnen Erdöl und über 400 Milliarden Kubikmetern Erdgas entdeckt wurde. Es werden Plattformen, Geräte und Technik aufgebaut sowie Fachpersonal geschult", beschreibt er die aktuellen Entwicklungen. In Priraslomnoje in der Petschorasee gibt es eine erste Plattform. Dort wird probeweise eine industrielle Erdölförderung betrieben.

Russland treibt aber auch den Schutz der Arktis voran. Es laufen einige Projekte zur Reinigung der arktischen Inseln, etwa auf dem Franz-Josef-Land und der Sewernyj-Insel auf dem Archipel Nowaja Semlja in der Oblast Archangelsk. „Aber in diesem Jahr ist die Finanzierung der Projekte zurückgegangen, deshalb wird man wohl nach neuen Möglichkeiten der Realisierung und nach Kooperationen suchen müssen", bedauert Donskoj. „Wir arbeiten zum Beispiel aktiv mit dem Verteidigungsministerium zusammen, das die Säuberung der Wrangel-Insel begonnen hat. Das Militär hat vakante Schiffe, die man auch für die Lösung unserer Aufgaben nutzen könnte", bemerkt der Minister.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Rossijskaja Gaseta


Mehr zum Thema: Russische Streitkräfte kehren in die Arktis zurück

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland