Startet Glonass nun doch noch in diesem Jahr?

Nach langen Verzögerungen soll das Satellitensystem nun endlich starten. Foto: Pressebild

Nach langen Verzögerungen soll das Satellitensystem nun endlich starten. Foto: Pressebild

Der Start von Glonass, dem russischen Pendant zum Satellitennavigationssystem GPS, wurde zuletzt immer weiter nach hinten verschoben. Doch organisatorische und technische Stolpersteine scheinen nun aus dem Weg geräumt. Glonass könnte noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden.

Das russische Satelliten-Navigationssystem Glonass soll noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Zuletzt gab es immer wieder Verzögerungen. Das Unternehmen Russische Raumfahrtsysteme (RKS) soll das System national und international vermarkten. RKS-Chef Andrej Tjulin erklärt, warum der Start immer weiter nach hinten verschoben wurde: Technische und organisatorische Gründe sollen dafür verantwortlich sein.

So habe sich zum Beispiel herausgestellt, dass es zunächst nicht möglich gewesen sei, alle vorgegebenen technischen Anforderungen erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Inzwischen wären jedoch alle Fragen geklärt, so Tjulin. Er rechne damit, dass Glonass noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden könne.

Die Entwicklung eines Systems zur Satellitennavigation in Russland wurde vom Verteidigungsministerium des Landes initiiert: Die erste Gerätegeneration wurde speziell für militärische Zwecke entwickelt. Wenn das Glonass-System in Betrieb genommen wird, soll es auch weiterhin hauptsächlich vom russischen Verteidigungsministerium genutzt werden. Fachleute befürchten, dass diese militärische Nutzung zu Problemen mit ausländischen Lieferanten führen könnte, die Komponenten für den Bau der Glonass-Satelliten herstellen. Das sei tatsächlich eine heikle Frage, meint Tjulin und findet, dass das Glonass-System den Status eines Dual-Use-Gutes erhalten sollte. 

Die Glonass-Satelliten der neuesten Generation wurden auf der Basis von Glonass-К1 entwickelt. Bei Tests habe es Probleme mit den Atomuhren gegeben, auf deren Nutzung die Satelliten angewiesen sind. Diese seien inzwischen behoben, sagt Tjulin. „Zwei russische Unternehmen haben Wasserstoff-Frequenzstandards entwickelt, die in den Satelliten zum Einsatz kommen könnten. Wir sind zur Kooperation bereit, doch müssen die Hersteller die Qualität ihrer Geräte erst noch unter Beweis stellen, bevor wir uns endgültig entscheiden. Bereits jetzt zeigen sie eine hohe Präzision und Laufstabilität, nun müssen sie nur noch auf ihre Funktionsdauer hin geprüft werden", erklärt Tjulin.

 

Russische Unternehmen wollen den russischen Markt zurückerobern

Es gab in Russland Überlegungen, die Satelliten vom Unternehmen ISS Reschetnjow bauen zu lassen. Der Satellitenhersteller aus Krasnojarsk kooperiert seit 1995 eng mit dem französisch-italienischen Unternehmen Thales Alenia Space. Tjulin unterstützt diese Idee nicht: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Monopolist auf dem russischen Markt ein Risiko ist. Thales Alenia Space kam im Rahmen des Projekts Sukhoi Superjet nach Russland und hat sämtliche russischen Hersteller verdrängt. Heute müssen wir große Anstrengungen unternehmen, um die verlorenen Kompetenzen wieder wettzumachen und ein würdiger Mitbewerber für Thales auf dem russischen Markt zu werden. Für unser Unternehmen hat das Priorität", sagt er.

RKS hat sich zu diesem Zwecke mit EADS Astrium, dem größten Konkurrenten von Thales in Europa, zusammengetan. Könnte RKS nun auf dem russischen Markt ein Konkurrent für ISS Reschetnjow und Thales werden? „Konkurrenz mit Thales, ja, das ist möglich. Aber nur im Bereich der Bordausrüstung", meint Tjulin.

Noch bevor sich die Beziehungen Russlands zum Westen deutlich verschlechterten, wollte das russische Verteidigungsministerium bei einem europäischen Unternehmen ein Satelliten-Überwachungssystem kaufen. Das Geschäft sollte angeblich Leistungen im Umfang von 1,1 Milliarden Euro umfassen. Die Idee zerschlug sich wieder. Daher äußert Tjulin grundsätzliche Bedenken gegen solche Geschäfte mit ausländischen Unternehmen. Er fürchte, dass es dabei zu einer ähnlichen Entwicklung wie beim Mistral-Deal kommen könnte. Im vergangen Jahr hatte Frankreich die Auslieferung eines Mistral-Hubschraubträgers aufgrund der Ukraine-Krise ausgesetzt. Mittlerweile steht eine Rückerstattung des Einkaufspreises an Russland im Raum.

Die ungekürzte Fassung dieses Beitrages erschien zuerst bei Iswestija

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