Wie die Ukraine-Krise der Raumfahrt schadete

Zahlreiche Kooperationsprojekte der Ukraine und Russlands wurden beendet. Foto: Reuters

Zahlreiche Kooperationsprojekte der Ukraine und Russlands wurden beendet. Foto: Reuters

Seit der Eingliederung der Krim in die Russische Föderation und dem Beginn der Ukraine-Krise ist die vorher enge Zusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine im Bereich der Raumfahrt fast vollständig eingestellt worden.

Nach dem Zerfall der UdSSR entwickelte sich in der Raumfahrt eine enge Kooperation zwischen ukrainischen Unternehmen und Russland; dann kam die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation und die Ukraine-Krise. Einige russische Aufträge für zivile Weltraumprogramme und die Internationale Raumstation ISS werden noch ausgeführt, doch viele Projekte sind gefährdet. Im vergangenen Jahr wurden von ukrainischen Unternehmen zum Beispiel keine Trägerraketen mehr geliefert.

 

„Sea Launch"

Ein gescheitertes Projekt ist die Raketenstart-Plattform Sea Launch. Von einer umgebauten Erdölförderplattform aus starteten in Äquatornähe ukrainische Trägerraketen.

Sea Launch war ein Gemeinschaftsprojekt des russischen Konzerns RKK Energija, des US-amerikanischen Unternehmens Boeing, des ukrainischen Konstruktionsbüros Juschnoje und des ukrainischen Maschinenbauers Juschmasch sowie des norwegischen Konzerns Aker Solutions. Die Ukrainer bauten die Trägerrakete Zenit-3SL, die zum Transport von Satelliten genutzt werden sollte. Bis zu 70 Prozent der Komponenten der Trägerrakete kamen aus Russland.

Im Juni 2009 musste Sea Launch Insolvenz anmelden. 2010 übernahm RKK Energija über eine eigens gegründete Tochterfirma die Mehrheit der Anteile am Projekt. 2011 gab es wieder Starts von der Plattform Odyssey. Im Dezember 2014 erklärte Russland jedoch, dass eine weitere Kooperation mit der Ukraine ausgeschlossen sei und möglicherweise Brasilien als neuer Projektpartner in Frage käme. Doch die Brasilianer stiegen im April dieses Jahres wieder aus.

 

„Land Launch"

Im Projekt Land Launch starteten Trägerraketen vom Typ Zenit-3SLB und Zenit-3SLBF vom Weltraumbahnhof Baikonur aus. Im Zeitraum von April 2008 bis September 2013 waren alle neun Starts erfolgreich. Es gibt Pläne, die ukrainischen Zenit-Raketen durch russische Proton-M-Raketen zu ersetzen. Die Ukrainer haben noch Hoffnung, dass ihre Raketen dennoch wieder zum Einsatz kommen, und zwar wenn das Projekt Air Launch startet.

 

„Rokot"

Für die Rokot-Trägerraketen lieferte das ukrainische Unternehmen Chartron das Steuerungssystem. Rokot-Raketen waren beim russischen Verteidigungsministerium beliebt, weil ihr Einsatz finanziell relativ günstig war. Zukünftig wird das russische Militär aber auf Alternativen umsteigen müssen, denn die Ukraine hat den Export von Dual-Use-Technologien an Russland eingeschränkt.

 

Flugleitungszentrum Witino

Auf der Krim unterhielt die Ukraine bei Witino in der Nähe von Jewpatorija bis zur Eingliederung der Halbinsel in die russische Föderation ein Kontrollzentrum, in dem auch Weltraumgeräte gesteuert und getestet wurden. Auch die Steuerungseinheiten für den noch nicht in die Umlaufbahn gebrachten Telekommunikationssatelliten Libid wurde dort getestet.

Russland gab der Ukraine die Geräte aus dem Kontrollzentrum nicht zurück und gliederte die Anlage in das Titow-Weltraumforschungszentrum der russischen Luft- und Weltraumverteidigungsstreitkräfte ein. Die Aufgabe zur Steuerung des Satelliten Libid übergab die Ukraine dem Kiewer Unternehmen Ukrkosmos, das auf seinem Gelände einen neuen Kommandopunkt einrichten will. Bis dahin planen die Ukrainer, den Libid-Satelliten von einer in Italien gemieteten Basis aus zu steuern. Zudem soll in der Oblast Chmelnyzkyj ein neuer Komplex zur Steuerung von Satelliten entstehen.

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