Russische Sojus-Raketen bringen Internet für alle

Foto: EPA

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Die russische Raumfahrt bekommt einen milliardenschweren Auftrag: Sojus-Trägerraketen sollen zwischen 2017 und 2019 mehrere hundert Kommunikationssatelliten ins All bringen. Sie sollen schnelles und mobiles Internet auch in entlegenen Gebieten der Erde verfügbar machen.

Das europäische Unternehmen Arianespace will zwischen 2017 und 2019 mindestens 21 Starts mit russischen Raketen vom Typ Sojus durchführen, mit denen Kommunikationssatelliten ins All geschossen werden. Ziel ist es, auch in entlegenen Winkeln der Erde den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Hinter der Idee steckt „OneWeb“, ein Projekt, an dem auch Virgin-Gründer Richard Branson und der Chef von Airbus beteiligt sind. Branson versprach zudem die Bereitstellung von 39 VirginGalactic-Raketen, um weitere Starts zu ermöglichen.

Die Satelliten werden von Airbus Defence and Space, einer Division der Airbus-Gruppe, gebaut, insgesamt sollen es 900 werden. 700 sollen schon 2018 in den Orbit gebracht werden. Die Starts erfolgen von den Weltraumbahnhöfen Baikonur in Kasachstan und Kourou in Französisch-Guyana.

Die Idee eines schnellen mobilen Internets für alle verfolgen auch Google und Facebook, doch es scheint, als wäre „OneWeb“ nun einen Schritt voraus. Nicht nur private Nutzer sollen vom Internet für alle profitieren. „OneWeb“ will den Dienst auch Unternehmen, Schiffen, Flugzeugen, Zügen oder Bohrinseln zur Verfügung stellen.  

 

Größter Auftrag in der Geschichte der Sojus-Startdienste

Nach Angaben von Roskosmos sind bei erfolgreicher Umsetzung mindestens fünf weitere Starts mit Sojus-Raketen geplant. „Dieser Vertrag ist der größte in der Geschichte der Startdienste“, sagte Roskosmos-Chef Igor Komarow. Auf Grundlage des von Arianespace angegebenen Preises für einen Start der russischen Rakete umfasse der Auftrag knapp 1,5 Milliarden Euro, heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung für die Sojus-Rakete zeige laut Komarow, dass die russische Raumfahrttechnik in hohem Maße konkurrenzfähig sei. Nun sei es notwendig, „das neue Kosmodrom Wostotschnyj bald in Betrieb zu nehmen“, betonte er. Das Kosmodrom entsteht derzeit in der fernöstlichen Oblast Amur.

Die ersten zehn der 900 geplanten Mikro-Kommunikationssatelliten werden im Werk von Airbus Defence and Space in Toulouse gebaut. Später soll die Produktion in die USA verlagert werden. Rund 450 000 Euro pro Stück soll ein Satellit kosten, deutlich mehr als herkömmliche Satelliten, die im Schnitt mit rund 225 000 Euro zu Buche schlagen. Dafür sind die „OneWeb“-Satelliten mit 150 Kilogramm echte Leichtgewichte, ihre Kollegen bringen bis zu fünf Tonnen auf die Waage.

 

Auftrieb für die russische Raumfahrtbranche

Zuletzt äußerten sich ranghohe Amtsträger in Russland noch besorgt über den Zustand der russischen Raumfahrt. Von einer Systemkrise war die Rede. Doch die Auftraggeber des „OneWeb“-Projekts konnten offenbar weder Sanktionen noch die jüngsten Misserfolge in der russischen Raumfahrt abschrecken. „Sie hatten einfach keine andere Wahl“, glaubt der Leiter des Instituts für Raumfahrtpolitik, Iwan Moiseew. „Sie wollen innerhalb kürzester Zeit eine unvorstellbare Anzahl an Satelliten in den Orbit bringen, und die Sojus-Raketen sind die meistgenutzten sowie die meistverfügbaren Trägerraketen, die es heute auf dem Markt gibt“, erklärt er.

Moiseew erinnert daran, dass einer der letzten Unfälle, der verunglückte Start des mexikanischen Satelliten MexSat-1, sich mit einer Proton-M-Rakete ereignet habe, wohingegen Sojus als Trägerrakete weiterhin als verlässlich gelte. „Natürlich traten auch damit schon einmal Schwierigkeiten auf, doch Roskosmos wird die Raketen modifizieren und die Fehler sicherlich beheben“, gibt er sich zuversichtlich.

 

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