Modernisierung per Gesetz: Staatsduma will Raumfahrt erneuern

Roskosmos-Chef Igor Komarow. Foto: Artjom Korotajew/TASS

Roskosmos-Chef Igor Komarow. Foto: Artjom Korotajew/TASS

Das neue Staatsunternehmen Roskosmos soll die russische Raumfahrt modernisieren. Anfang Juli hat die Staatsduma ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Experten befürchten, dass sich die Organisation auf lange Sicht als ineffektiv erweisen könnte.

Nachdem bislang nur wenige Informationen durchgesickert waren, hat die russische Staatsduma am 1. Juli ein Gesetz zur Gründung des neuen Staatsunternehmens Roskosmos verabschiedet. Es soll die bestehende Raumfahrtbehörde ablösen und die Raumfahrtbranche des Landes reformieren. Präsident Wladimir Putin muss das Gesetz noch bestätigen.

Bei einer Rede am letzten Donnerstag im Föderationsrat hat Igor Komarow, designierter Generaldirektor von Roskosmos, Einzelheiten enthüllt. Seinen Worten zufolge sollen die 80 russischen Raumfahrtunternehmen, Konstruktionsbüros und wissenschaftlichen Forschungsinstitute künftig als Aktiengesellschaften firmieren. Dazu sei eine Übergangsperiode von fünf Jahren vorgesehen. Roskosmos sei mit den notwendigen Kompetenzen für effiziente Reformen ausgestattet, versicherte Komarow.

Eine wichtige Herausforderung bestehe darin, so Komarow weiter, mehr private Investoren für die Raketen- und Raumfahrtbranche zu gewinnen und privat-staatliche Partnerschaften ins Leben zu rufen. Hauptaugenmerk werde auf die Senkung der staatlichen Ausgaben für die Raumfahrtindustrie durch verstärkten Export gelegt. Als Zeitrahmen für die Reform der Raketen- und Raumfahrtbranche veranschlagte Komarow bis zu zehn Jahre.

Die Fachwelt bezweifelt, dass die geplanten Maßnahmen die Systemkrise in der russischen Raumfahrtbranche, die in jüngster Zeit auf höchster Ebene diskutiert wurde, lösen kann. Zu viele Probleme müssten nahezu gleichzeitig angegangen werden, erklärt Iwan Moissejew, Leiter des Instituts für Raumfahrtpolitik, gegenüber RBTH. Dazu gehörten die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Raumfahrt, die Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit sowie der Einsatz moderner Technologien. Die außen- und innenpolitischen Rahmenbedingungen für so tiefgreifende Reformen sind nach Einschätzung von Moissejew gegenwärtig allerdings äußerst ungünstig.

Der Leiter des Instituts für Raumfahrtpolitik betont, dass Roskosmos mit Blick auf Modernisierung insbesondere die Wirtschaftlichkeit der Branche im Fokus haben sollte. Die Arbeitsproduktivität müsse erhöht werden. Es gelte, die Raumfahrttechnologien zu perfektionieren. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Moissejew zufolge eine Verbesserung der Qualität der hergestellten Technik und die Einführung von Qualitätskontrollsystemen.

Staatsunternehmen seien in der russischen Praxis ein eher neues Unterfangen, bemerkt der Experte weiter an. „Charakteristisch für Unternehmen dieser Art ist, dass sie die Funktionen eines Wirtschaftssubjekts mit den Methoden staatlicher Regulierung in dem betreffenden Bereich in einer Person vereinen.“ Auf kurze Sicht seien Staatsunternehmen durchaus dazu in der Lage, gute Ergebnisse zu erzielen – durch die Konzentration der Kräfte, die einheitliche Organisationsstruktur und die technische Ausstattung. Auf lange Sicht aber werde dieser Organismus ineffizient, bemerkt Moissejew, insbesondere aufgrund der Monopolisierung innerhalb eines Industriezweigs und der verzögerten Reaktionen auf Veränderungen.

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