Mond-Mission: Frauen im Weltraum-Test

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Im Rahmen eines neuen Experiments werden sechs russische Forscherinnen acht Tage und Nächte in einem geschlossenen Raum verbringen. Etwa so viel Zeit wird erforderlich sein, um vom Weltraumzentrum Wostotschny zum Mond zu fliegen und ihn dann einmal zu umrunden.

Russische Forscher wollen herausfinden, wie sich die Psychologie und Physiologie des weiblichen Organismus auf langen Weltraumfahrten verändert. Dazu läuft vom 27. Oktober bis zum 4. November im Moskauer Institut für medizinisch-biologische Probleme der Russischen Akademie der Wissenschaften das Experiment „Luna-2015“. Es soll helfen, künftig Besatzungen für Raumfahrten optimal zusammenzustellen.

Zehn Freiwillige bereiten sich derzeit auf die Teilnahme an dem Experiment vor – Doktorandinnen, Labormitarbeiterinnen, junge und ältere Wissenschaftlerinnen. Das letzte Auswahlverfahren werden nur sechs von ihnen bestehen. „Luna-2015“ ist das erste Isolationsexperiment, an dem ausschließlich Frauen beteiligt sind. Wie Sergej Ponomarew, einer der Projektleiter, erläutert, wird dieses Projekt die Grundlage für eine ganze Reihe künftiger Experimente schaffen.

 

Wissenschaftlerinnen als Forschungsobjekte

Die Teilnehmerinnen arbeiten auf verschiedenen, für das Experiment erforderlichen wissenschaftlichen Gebieten. Von Interesse sind unter anderem Physiologie, Psychologie, Biophysik und Genetik. Die Frauen haben sich aus unterschiedlichen Gründen dem Projekt angeschlossen. Inna Nossikowa, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut, nimmt als Medizinerin an der Mission teil. Ihre Kollegin Darja Stschasliwzewa möchte die Leistungsfähigkeit einer einzigartigen Anlage und einiger Verfahren überprüfen. „Interessant ist außerdem zu sehen, wie sich die psychologische Interaktion zwischen uns Frauen unter Bedingungen der Isolation entwickeln wird“, sagt die Laborforscherin.

Das Experiment ist vorläufig in zwei Phasen unterteilt: Isolationszeit in dem hermetischen Objekt und Tests in der Humanzentrifuge. Letztere ist ein Gerät, das die Erdanziehung imitiert. Die künstlich erzeugte Schwerkraft verhindert eine Atrophie der Knochen und Muskeln unter Bedingungen der Schwerelosigkeit. Künftig sollen solche Geräte in Raumschiffen untergebracht werden, die für weite Flüge vorgesehen sind. Die werden allerdings nach wissenschaftlichen Prognosen nicht früher als etwa in fünf Jahren realisiert. Bislang nahmen an Experimenten in der Zentrifuge nur Männer teil. Jetzt wird jede Teilnehmerin des Projekts 30 bis 40 Minuten vor und nach der Isolation einer Drehbeschleunigung ausgesetzt.

Es sollen im Rahmen des Projekts ungefähr 30 Experimente stattfinden. Die Frauen werden psychologisch, immunologisch, mikrobiologisch und nach weiteren Gesichtspunkten untersucht. Zwei offizielle Testungen zur Anpassungsfähigkeit des Herzkreislaufsystems laufen derzeit schon auf der Raumstation ISS.

 

Bemannte Mondflüge nicht vor 2025

Die Forscher müssen auch noch eine neue Apparatur testen, die diesen Sommer zur ISS geschickt werden soll. „Wir haben kürzlich unsere Entwicklungsarbeiten an dem Diagnosesystem ‚Neurolab‘ gemeinsam mit einem deutschen Raumfahrtinstitut abgeschlossen. Jetzt wollen wir prüfen, ob die Testergebnisse abhängig von der Tages- und Nachtzeit variieren“, sagt Projektleiter Alexander Smolejewski.  

Nach Auffassung von Oleg Korablew, Leiter der Abteilung Physik der Planeten und Kleinkörper des Sonnensystems am Institut für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften, ist die Eroberung des Alls durch den Menschen ein sehr realistisches Ziel – wenngleich sich seine Vision noch sehr fantastisch anhört: Die Infrastruktur auf der Oberfläche des Mondes soll von Robotern aufgebaut werden, die Menschen aus der Mondumlaufbahn steuern. „Dafür werden wir die Ergebnisse des bevorstehenden Experiments nutzen können“, erklärte Korablew in einem Gespräch mit RBTH.

Mit bemannten Flügen zum Mond sei jedoch vor 2025 nicht zu rechnen, so der Experte. Die Erschließung des Satelliten ist Teil des Föderalen Weltraumprogramms Russlands für die Jahre 2016 bis 2025. Die Termine für die Missionen wurden jedoch schon mehrfach geändert. Das Projekt ist also langfristig angelegt.

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