PC-Hardware: Erster russischer Prozessor geht in Produktion

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2016 startet die Massenproduktion des ersten russischen Prozessors für die kommerzielle Nutzung. 20 ausländische Firmen haben bereits Bestellungen aufgegeben.

Anfang 2016 soll die Produktion der ersten industriellen Partie des Doppelkernprozessors „Baikal-T1“ starten. Der Hersteller, das russische Unternehmen Baikal Electronics, plant einen Umfang von zunächst 100 000 Geräten.

„Baikal T-1“ ist der erste Chip aus russischer Produktion für die kommerzielle Nutzung. Bislang waren Prozessoren in Russland meist für Verteidigungszwecke entwickelt worden. Der Preis des Produkts soll bei 60 US-Dollar pro Gerät liegen. Dies entspreche den Marktgegebenheiten, erklärt Unternehmensvertreter Andrej Malafejew, denn es handle sich um ein komplettes System mit Schnittstellen und Funktionen eines vollwertigen Computers.

Bis 2020 will Baikal Electronics fünf Millionen Prozessoren verkaufen, auch im Ausland. Es gebe bereits Bestellungen von 100 Interessenten, darunter fast 20 aus dem Ausland, beispielsweise Lanner, ein Hersteller von Embedded-PCs aus Taiwan. „Direkte Konkurrenten sind die Prozessoren der amerikanischen Hersteller Broadcom und Freescale“, sagt Waleri Schunkow, Leiter der Abteilung für Mikroelektronik des Entwicklungs- und Konstruktionsbüros Pjatoe Pokoljenije. Diese Serien seien speziell für Router, Switches, Set-Top-Boxen und Haushaltstechnik gefertigt. Der Preis solcher Prozessoren liege bei 50 bis 70 US-Dollar.

Strengere Vorgaben für staatliche Unternehmen

Baikal Electronics will insgesamt vier Prozessoren produzieren, einer davon wird speziell für PCs entwickelt. Gleb Mischin, Generaldirektor von Lenovo in Russland, der GUS und Osteuropa, gibt allerdings zu bedenken, dass die Entwicklung von Geräten auf Basis der russischen Prozessoren nur dann Sinn habe, wenn staatliche Strukturen in Russland beim Kauf von Technik genaue Vorgaben erhielten. Im Moment ist ein russischer Prozessor als Bestandteil von Computern noch keine Pflicht.

Lenovo-Geräte könnten an sie angepasst werden, fügt Mischin hinzu, doch nur in dem Fall, wenn der Hersteller konkurrenzfähige Preise anbiete oder staatliche Unternehmen Bedarf anmelden würden.

Prozessoren-Markt 2014 in Zahlen

7,9 Mio. Prozessoren für PCs in Russland stammten von AMD und Intel.

3,89 Milliarden US-Dollar betrug der Umsatz importierter Prozessoren für PCs.

20,9 Milliarden US-Dollar betrug der weltweite Umsatz von Prozessoren für Smartphones.

4,2 Milliarden US-Dollar betrug der weltweite Umsatz von Prozessoren für Tablets.

Quellen: IDC, Strategy Analytics

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily

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