Wie kann man sich gegen das Zika-Virus schützen?

Reuters
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den globalen Gesundheitsnotstand wegen des sich rasant ausbreitenden Zika-Virus ausgerufen. Betroffen sind vor allem Länder in Zentral- und Südamerika, aber auch in Europa hat es bereits Infektionen gegeben. Russische Virologen erzählen gegenüber RBTH, wie die Ansteckungsgefahr zu mindern ist.

Im Unterschied zu Ebola ist das Zika-Virus nicht tödlich, führt bei Schwangeren aber vermutlich zu einer Fehlentwicklung der ungeborenen Kinder. Das Virus steht im Verdacht, die sogenannte Mikrozephalie auszulösen. Diese verursacht eine Missbildung des Schädels und beeinträchtigt dadurch die Hirnentwicklung, was zu ernsten Entwicklungsstörungen der Kinder führt.

Seit Oktober 2015 wurden allein in Brasilien, das sich für die olympischen Sommerspiele 2016 vorbereitet, über 4 000 Verdachtsfälle der Mikrozephalie bei Kindern festgestellt. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Das Zika-Virus wurde in den 1940er-Jahren in Uganda erstmals in Affen nachgewiesen. Die lokale Bevölkerung hatte eine Immunität gegen das Virus entwickelt. Erst die Verbreitung über Stechmücken führte zu einem Auftreten des Virus an anderen Orten der Welt. Insbesondere in Südamerika konnte sich der Erreger sehr schnell ausdehnen. Unter Menschen ist insbesondere die fehlende Immunität Auslöser der großflächigen Verbreitung.

Die Mücken, die für die Übertragung des Virus verantwortlich sind, treten mit Ausnahme der Antarktika weltweit auf. Sie übertragen dabei oft nicht nur das Zika-Virus, sondern auch Denguefieber, Gelbfieber, das West-Nil-Virus und Dutzende anderer weniger bekannter Viren.

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Zika-Virus steht noch am Anfang. Geforscht wird in den USA, Europa und auch in Russland. Präventivmaßnahmen seien daher besonders wichtig, bestätigten russische Virologen gegenüber RBTH.

Wie kann man sich gegen das Zika-Virus schützen?

Aufklärung unter Schwangeren

Besonders gefährlich ist das Zika-Virus für ungeborene Kinder. Virologen empfehlen schwangeren Frauen deshalb, auf Reisen in tropische Länder zwingend zu verzichten. Insofern man sich bereits in einem tropischen Land aufhält, sollte man sich wann immer möglich in klimatisierten Räumen aufhalten. Vor einer Schwangerschaft sollte zudem auf das Zika-Virus getestet werden.

Schutz gegen Moskitos

Den besten Schutz bieten Moskitonetze an Fenstern und über Betten, lange Kleidung und Mückensprays. Krankheitsübertragende Stechmücken sind meistens in der Natur und an Stadträndern zu finden. Weniger Fahrten ins Grüne könnten also bereits helfen.

Vernichtung der Mücken

In einigen Ländern organisieren die örtlichen Behörden eine zentral gesteuerte Vernichtung von Mücken in der Nähe von den Gewässern und Sümpfen. In Kanada verwendet man dafür zum Beispiel Gifte, die zwar die Zahl der Insekten deutlich mindern, aber ihr Auftreten keinesfalls vollständig verhindern können.

Geschützter Geschlechtsverkehr

Laut amerikanischen Wissenschaftlern könnte sich das Zika-Virus auch über Geschlechtsverkehr übertragen, eventuell sogar bis zu drei Wochen nach der Genesung. Sicher bestätigt ist diese Vermutung allerdings noch nicht. Verhütung sollte deshalb zurzeit besonders ernst genommen werden.

Reiseplanung anpassen

Bei Besuchen von Ländern, in denen das Zika-Virus oder andere gefährliche Viren festgestellt wurden, sollten im Voraus Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Insbesondere die Olympischen Spiele im Sommer 2016 in Brasilien werden viele Touristen in das bislang am schwersten betroffene Land locken.

 

Die Informationen in diesem Bericht basieren auf den Aussagen von Michail Schtschelkanow, Professor an der Fernöstlichen Föderalen Universität in Wladiwostok, und Sergej Netesow, Professor an der Staatlichen Universität Nowosibirsk.

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