Weltraumbahnhof Wostotschny: Erststart auf Donnerstag verschoben

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Kontrollsystem bricht Startvorgang automatisch ab. Ursache geklärt.

Heute Morgen hätte die erste Rakete vom neugebauten russischen Weltraumbahnhof Wostotschny im Beisein des russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Weltall starten sollen. Der russische Staatschef wird sich jedoch länger als geplant auf dem Kosmodrom aufhalten: Zweieinhalb Minuten vor dem Start der Trägerrakete Sojus-2.1a haben die Kontrollsysteme den Startvorgang automatisch abgebrochen.

„Es ist uns gelungen, hinreichend genau die Problemstelle zu lokalisieren“, sagte Igor Komarow, Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos der Nachrichtenagentur Tass. „Wir haben allen Grund zur Annahme, dass das Problem innerhalb von 24 Stunden behoben sein wird“, erklärte er.

Sowohl die Trägerrakete als auch die drei Satelliten an Bord seien unversehrt, betonte der Roskosmos-Chef.

Der Erststart der Trägerrakete mit den Satelliten Lomonossow, Aist-2D und SamSat-218 war für den heutigen Morgen geplant. Als Ausweichtermin im Falle schlechten Wetters oder technischer Schwierigkeiten war der 28. April angesetzt. Ursprünglich sollte die Rakete bereits im vergangenen Jahr vom Wostotschny abheben, die Infrastruktur des Weltraumbahnhofs erforderte jedoch einige Nacharbeiten.

Die Trägerrakete Sojus-2.1a wurde für den Start vom Wostotschny modernisiert: „Statt der Silber-Zink-Batterien, die eine lange Vorlaufzeit an der Ladestation benötigen, wurden Nickel-Kadmium-Akkus mit hohem Bereitschaftsgrad eingebaut“, erklärte Alexander Kirilin, Chef des russischen Raketenbauers Progress. Zudem sei die Rakete mit Kameras ausgerüstet worden, die die Videoaufnahmen vom Start ins Internet übertragen sollen, sagte der Unternehmensleiter.

Der Weltraumbahnhof weist gegenüber seinem Vorgänger in Baikonur einige Neuerungen auf. Ein mobiler Serviceturm schützt die Mitarbeiter und die Technik vor Wind und Wetter. Anders als bei den meisten Weltraumbahnhöfen wird die Rakete auf der Startplattform nicht stehend, sondern hängend aufgerichtet. Hinzu kommt, dass der Kontrollraum des Kosmodroms sich nicht unter-, sondern oberirdisch nahe der Startrampe befindet – eine in der Welt einmalige Konstruktion.

Als Fortsetzung der in Baikonur begonnenen Tradition hat der örtliche Bischof die Rakete vor dem Start geweiht. Das nahegelegene Dorf Tschagojan wurde für die Startzeit evakuiert, ein Drittel der Bewohner haben sich jedoch geweigert, ihre Häuser zu verlassen.

Seinen Wohnort unter einem Bauwagen nahe der Startrampe musste auch der herrenlose Kater verlassen, den einer der Bauarbeiter zurückgelassen hatte. „Der Kater wird den Start aus sicherer Entfernung mitverfolgen können“, sagte ein Sprecher des Kosmodroms. Nun wird sich der getigerte Vierbeiner noch bis Donnerstag gedulden müssen. 

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