Zwischen Feuer und Eis: Russische Wissenschaftler spielen mit den Elementen

Pressebild; RBTH
Das Projekt „ArtNauka“ möchte jungen Menschen die Welt der Chemie erklären. Dafür ließen sich russische Wissenschaftler als chemische Elemente und Stoffe ablichten. In den sozialen Netzwerken findet das Projekt viel Anklang. Die Initiatoren hoffen, eine ganze Generation für Naturwissenschaften begeistern zu können.

Russische Wissenschaftler wollen Chemie greifbarer machen. 19 Fotos, auf denen jeder Teilnehmer ein chemisches Element, einen Stoff oder ein Naturereignis darstellt, werden mit aufschlussreichen und humorvollen Texten kombiniert. So sollen sie den Zuschauer daran erinnern, dass Eis leichter als Wasser ist, dass Argentinien seinen Namen dem Silber verdankt, dass Kohlenstoff die Basis aller organischen Substanzen bildet und dass Gummi sich so weit dehnen kann, wie die Tage von einer Lohnabrechnung bis zur nächsten.

Feuer. Eine komplexe chemische Reaktionskette, die aus mehr als 100 Einzelreaktionen besteht. Foto: Pressebild

Das Projekt trägt den Namen „Superhero From Chemistry: Social Experiment on Russian Scientists“. Die Fotos und Videos wurden ins Internet gestellt und stoßen dort auf sehr positive Reaktionen. Die russischen Physiker, Ingenieure, Mathematiker und Molekularbiologen sind stolz darauf, dass ihr Werk in den sozialen Netzwerken bereits über 100 Mal geteilt wurde.

Quecksilber. Das einzige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig bleibt. Foto: Pressebild

Alle Wissenschaftler im Projekt „ArtNauka“ vertreten eine eigene Disziplin. Am Projekt nehmen zudem auch Schauspieler und Experten für innovative Geschäftsführung teil.

Erwachsene kommen selten mit der Wissenschaft in Berührung

Gummi: Zäh wie die Gehaltsverhandlungen mit ihrem Boss. Foto: Pressebild

„ArtNauka“ wurde vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Das Projekt begann mit einer kleinen Show in einem Moskauer Einkaufszentrum. Heute werden die Wissenschaftler zu Fernsehsendungen, Wissenschaftsfestivals, Firmenfeiern und Teambuilding-Seminaren eingeladen. Zu ihren Auftraggebern zählen große Unternehmen wie Gazprom, Volkswagen und Audi. Auch in Italien und China sind sie bereits aufgetreten.

Eis. Fester Aggregatzustand des Wassers. Gefroren ist Wasser leichter als im flüssigen Zustand. Foto: Pressebild

„Crashtests für Spülmittel und Winterschuhe, Life-Hacks zu Ostereiern, Shows mit Kryotechnik, Molekularküche – die Verbindung von Wissenschaft und Spezialeffekten ist auf unglaubliches Interesse gestoßen“, sagt Nikolaj Nowoselow, Leiter des Projekts. In Russland und im Ausland gebe es kaum noch Vorführungen dieser Art für Erwachsene. „Überall sieht man nur Dozenten und jene, die wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlichen“, so Nowoselow.

Aluminium. Das meistverbreitete Metall der Erde: Acht Prozent der Erdkruste bestehen daraus. Foto: Pressebild

Er sagt, dass das Fotoprojekt „Superhero From Chemistry“ in erster Linie die Generation der Nullerjahre, die Fans von Marvel, Deadpool und X-Men ansprechen solle.

Lachgas. Es wird in der Lebensmittelindustrie als "Verpackungsgas" verwendet. Foto: Pressebild

„Heute haben Marketingexperten viel größere Macht über die Menschen als die Wissenschaftler selbst. Daher reagiert die Gesellschaft mit Zurückhaltung auf so Themen wie künstliche Intelligenz. Nun nehmen wir die Gestalt der Superhelden an und symbolisieren gleichzeitig Chemie und chemische Elemente“, sagt Nowoselow. „Durch diesen Trick können wir eine junge Generation auf der gesamten Welt für die Wissenschaft gewinnen. Bereits in ihrem jungen Alter werden sie begreifen, dass Wissenschaften spannend sind.“

Die Wissenschaftler zeigen vollen Einsatz

Foto: PressebildErdöl. Ein Tropfen verunreinigt 25 Liter Wasser. Foto: Pressebild

Nowoselow unterstreicht, dass das Projekt vollständig auf digitale Bildbearbeitung verzichtet. Um den Stoff „Öl“ darzustellen, musste ein Teilnehmer Feuer in seinen Händen halten. Für das Foto „Flüssiger Stickstoff“ wurde der Darsteller mit zehn Litern echtem Stickstoff übergossen.

Flüssiger Stickstoff. Sein Siedepunkt liegt bei -195,75 Grad Celsius. Foto: Pressebild

Die Initiatoren des Projekts stützten sich während der Arbeit ausschließlich auf die eigene Kreativität und das künstlerische Talent der Fotografen und Make-up-Artists. Die Suche nach den letzteren gestaltete sich am schwierigsten: Von den 20 besten Moskauer Visagisten kannten sich nur vier mit dem Ursprung chemischer Stoffe aus und hatten eine Vorstellung davon, wie man sie darstellen könnte.

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