Sensationsfund in Sibirien: Nagetier aus dem Jura begeistert Forscher

Die Nager bewohnten die Region einst gemeinsam mit den Dinosauriern.

Die Nager bewohnten die Region einst gemeinsam mit den Dinosauriern.

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Russische Paläontologen haben in Westsibirien die Überreste einer neuen, bislang unbekannten Säugetierart entdeckt: Der Nager, ausgestattet mit giftigen Spornen an den Hinterpfoten, lebte gemeinsam mit den Dinosauriern im Zeitalter des Jura.

Wissenschaftler der Universitäten Sankt Petersburg und Tomsk haben in Sibirien die Überreste erster pflanzenfressender Säugetiere entdeckt. Die neue Art wurde Bajdabatyr genannt. Das Tier war den modernen Nagetieren ähnlich: Es ähnelt einer Mischung aus der heutigen Rennmaus und dem Hamster und ernährte sich wohl ausschließlich von Pflanzen. Laut den Wissenschaftlern lebte das Nagetier gemeinsam mit den Dinosauriern in den Zeitaltern Jura und Kreide.

Bajdabatyre hätten so lange neben Raubtieren überleben können, weil sie genauso wie heutige Nagetiere sehr fruchtbar und zudem nachtaktiv gewesen seien, vermuten die Wissenschaftler. Außerdem besaßen Bajdabatyre an ihren Hinterpfoten giftige Sporne, die sie gegen Feinde hätten einsetzen können.  

Paläontologen aus Russland führten die Ausgrabungen in der Nähe des Flusses Bolschoi Kemtschug in der Region Krasnojarsk durch. Das Gebiet liegt in Sibirien, mehr als 4 000 Kilometer von Moskau entfernt. Die Forscher waren eigentlich auf der Suche nach Fossilien von Säugetieren aus dem Mesozoikum, den Symmetrodonta. Diese Tiere waren in etwa so groß wie Marder. Gesucht wurden zudem Docodonta, Säugetiere mit einer langen Nase, und Tricodonten, Reptilien und erste Eidechsen.    

Der Bajdabatyr ist nicht mit heutigen Nagern verwandt

Neben den Knochen der Schädeltiere aus dem früheren Zeitalter der Kreide fanden Wissenschaftler einen Zahn von zwei Millimeter Länge. Dieser ließ sich einem früher unbekannten Tier aus einer multituberkularen Gattung zuordnen. Mit dem Begriff multituberkularwird eine Form der Zahnkrone beschrieben, auf der sich zahlreiche Höckerchen befinden.   

Genannt wurde die neue Tierart Bajdabatyr. Der Name ist vom russischen Wort bajdarka abgeleitet, das übersetzt Kajak bedeutet. So wollten die Forscher darauf verweisen, dass der Ausgrabungsort nur mit einem Boot zu erreichen war. Die Endung batyr bedeutet in der Turksprache Riese. 

Obwohl ein Bajdabatyr modernen Nagetieren äußerlich sehr ähnelt, ist er kein direkter Vorfahr von Hamstern, Ratten oder Mäusen – alle Tiere aus der multituberkularen Gattung starben bereits im Paläogen, also vor 20 bis 25 Millionen Jahren, aus. Der Besitzer des gefundenen Zahnes verschwand zu Beginn des Kreidezeitalters.

Weitere Forschungsvorhaben könnten folgen

“Multituberkulare Tiere sind vollständig ausgestorben und derzeit gibt es keine Säugetiere, die von ihnen abstammen“, sagt auch Stepan Iwanzow, Teilnehmer der Ausgrabungen und Mitarbeiter im Labor für kontinentale Ökosysteme des Mesozoikums und Känozoikums an der Tomsker Universität. 

Überreste von multituberkularen Tiere waren zuvor bereits in Nordamerika und Asien gefunden worden. In Sibirien entdeckte man sie nun zum ersten Mal. „Dieser Fund ist ein großes Ereignis für uns, denn er beweist, dass solche Tiere auch im Süden und Osten Westsibiriens lebten“, sagt der Wissenschaftler.

Die Forscher hoffen, dass die gefundenen Überreste dabei helfen, mehr über die Evolution im Westsibirien zu erfahren. Dort blieb der Artenbestand der Säugetiere und Amphibien im Laufe von einigen Dutzenden Millionen Jahren fast unverändert.  

Der Zahn eines Bajdabatyrs gehört derzeit der wissenschaftlichen Sammlung der Tomsker Universität an. Falls Wissenschaftler in Sibirien weitere Spuren von multituberkularen Tieren entdecken würden, so wolle man diese Gattung weiter erforschen, verspricht Iwanzow. 

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