Mit Eiern, Torten und Tomaten: Der kulinarische Polit-Protest

Im zweiten Teil des Films „Die Sonne, die uns täuscht“ (2010) träumt Volksfeind Kotow davon, den Genossen Stalin in eine Torte zu drücken. Sein politischer Protest soll nicht der letzte seiner Art gewesen sein.

Im zweiten Teil des Films „Die Sonne, die uns täuscht“ (2010) träumt Volksfeind Kotow davon, den Genossen Stalin in eine Torte zu drücken. Sein politischer Protest soll nicht der letzte seiner Art gewesen sein.

Kinopoisk.ru
Michail Kassjanow, Vorsitzender der Parnas-Partei, wurde bei einem Restaurantbesuch vergangene Woche mit einer Torte beworfen. Er ist nicht der erste russische Politiker, der schon einmal mit Lebensmitteln attackiert wurde. Zu den Klassikern der Wurfgeschosse zählen Eier, aber auch Sauerkraut war schon dabei.

1. Michail Kassjanow

Die Tatwaffe:  Eine Torte

Wer hat’s geworfen: Unbekannte „nicht-slawischen Aussehens“

Quelle: Youtube

Michail Kassjanow, den Vorsitzenden der oppositionellen Partei Parnas, ereilte das Schicksal nicht im Rahmen eines öffentlichen Auftritts. Es war der 9. Februar dieses Jahres, als ihm in einem Restaurant ein Nachtisch serviert wurde, den er gar nicht bestellt hatte. Bislang Unbekannte „nicht-slawischen Aussehens“, wie Kassjanow zu Protokoll gab, warfen ihm eine Torte ins Gesicht und verschwanden gleich nach ihrer Tat wieder.

Kassjanow erstattete Anzeige, ahnt aber bereits, wer hinter dieser Tat stecken könnte. Wie er der Zeitung „RBK“ erzählte, vermutet er die Attacke in Zusammenhang mit Tschetscheniens Präsident Kadyrow. Eine Woche zuvor hatte dieser auf Instagram ein Video veröffentlicht, das Kassjanow kurz im Fadenkreuz einer Waffe zeigte. Die Moskauer Polizei meldete, dass der Angriff auf den Politiker derzeit untersucht werde.   

2. Gennadi Sjuganow

Die Tatwaffe: Tomaten

Wer hat’s geworfen: Junge Linke

Foto: Pressebild

Gennadi Sjuganow, langjähriger Vorsitzender der Kommunistischen Partei, wurde auf einer Pressekonferenz im Jahr 2003 in Samara das Opfer einer Wurfattacke radikaler Linker. Zwei junge Männer schmissen Tomaten, als Sjuganow auf der Bühne stand. Anschließend warfen sie noch mit Flugblättern der Nationalbolschewistischen Partei um sich, die 2007 als extremistisch eingestuft und verboten wurde. Der Zorn der jungen Männer richtete sich unter anderem gegen den exklusiven Kleidungsstil Sjuganows. Allein seine Schuhe würden „mehr kosten, als ein Lehrer im Monat verdient“, hieß es in den Flugblättern. Doch Sjuganow ging weitgehend unbefleckt aus der Angelegenheit hervor. Nach damaligen Berichten der Zeitung „Samara Kommersant“ stellte sich ein aufmerksamer Leibwächter den roten Wurfgeschossen in den Weg, sodass lediglich das Sakko des Parteivorsitzenden ein paar Spritzer abbekam. Die Angreifer wurden von einigen älteren KP-Mitgliedern überwältigt. 

3. Wladimir Schirinowski

Die Tatwaffe: Sauerkraut

Wer hat’s geworfen: eine ukrainische Journalistin

Foto: Grigoriy Vasilenko/RIA Novosti

Ein Jahr, bevor die Ukraine-Krise offensichtlich wurde, trat der russische Politiker Wladimir Schirinowski bei einer Veranstaltung in Kiew auf. Schirinowski, Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei Russlands und bekannt für radikale Positionen, wollte die Ukrainer von den Vorteilen einer Allianz mit Russland überzeugen. Das kam nicht bei jedem gut an: Eine Journalistin unterbrach seinen Vortrag jäh und beschimpfte ihn als „ukrainophob“. „Raus mit den Chauvinisten aus der Ukraine!“, rief sie und verlieh ihrer Forderung Nachdruck mit einer Portion Sauerkaut, die sie in Richtung Schirinowskis warf. Das fand offenbar nicht den Geschmack des Russen, denn er stellte nun seinerseits Forderungen, nämlich die, dass die junge Frau aus dem Saal geführt werden sollte. Für ihn typisch kommentierte er die Aktion laut der Zeitung „RBK“ mit markigen Worten: „Sie ist dumm, ich liebe niemanden und muss auch niemanden lieben.“

4. Alexej Nawalny

Die Tatwaffe: Eier

Wer hat’s geworfen: Unbekannte oder „regierungstreue Aktivisten“ (Nawalny)

Foto: AP

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny reiste im Sommer vergangenen Jahres nach Nowosibirsk, um für die Demokratische Koalition, einem Verband von außerparlamentarischen Oppositionsparteien, zu werben. Doch Nawalny wurde nicht von allen begeistert empfangen. Bei einer Pressekonferenz einer örtlichen Journalistenvereinigung flogen plötzlich Eier, der Klassiker der Wurfgeschosse. Die Werfer, gleich mehrere Personen, machten sich aus dem Staub. Nawalny nahm es gelassen und kommentierte: „In dieser Stadt muss mit den Lebensmitteln ja alles in Ordnung sein, wenn man sie auf die Straße wirft.“ Für den Politiker handelte es sich um eine Attacke örtlicher Aktivisten der Partei Einiges Russland.

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