Wiederkehr: Kann Palmyra diesmal gehalten werden?

6. März 2017 Nikolaj Litowkin
Syrische Regierungstruppen, unterstützt von russischen Luftstreitkräften, haben die syrische Stadt Palmyra erneut vom Islamischen Staat zurückerobert. Nun soll die Stadt besser gegen einen Angriff der Terrororganisation geschützt werden. Noch einmal wolle man die Stadt nicht aufgeben.

Oleg Blokhin/Anna News
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Am vergangenen Donnerstag berichtete Russlands Verteidigungsminister Sergey Schoigu dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Rückeroberung der syrischen Staft Palmyras und die Wiederherstellung der Kontrolle durch die syrische Armee.

Medien hatten zuvor berichtet, dass die syrische Armee bereits einige Stunden vor dem Angriff auf die Stadt den Berg Al-Tar in der Umgebung unter seine Kontrolle gebracht habe. Von dort sollten Artillerieeinheiten die Truppen bei der Eroberung der Stadt decken.

Die Truppen des syrischen Präsidenten Assad stürmten die Stadt aus mehreren Richtungen, der Angriff wurde jedoch durch vom IS gelegten Minenfeldern zunächst gestoppt. Spezialeinsatztruppen räumten die Minen und öffneten so die wichtigsten Strecken für das Vorrücken von Infanterie und Technik.

Laut der Presseagentur „Fars News“ erlitten die Truppen des Islamischen Staates bei dem Angriff schwere Verluste und mussten die Stadt in östliche Richtung verlassen.

Wie kann Palmyra nun verteidigt werden?

Wiktor Murachowski, ein Oberst der Reserve und Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal Otetschestwa” (Arsenal der Heimat), gibt zu verstehen, dass die syrische Armee mit der Eroberung der Berghöhen in unmittelbarer Umgebung Palmyras einen wichtigen strategischen Vorteil erlangt habe: Die dort stationierten Artillerieeinheiten würden die Kontrolle über einen acht Kilometer großen Radius ermöglichen.

„Die Armee hat einen wichtigen Stützpunkt hinzugewonnen und eine Linie erobert, die eine Gegenoffensive des IS auf den Luftstützpunkt T4 der syrischen Luftstreitkräfte in der Umgebung Palmyras verhindern dürfte. Das ermöglicht die Verteidigung der zurückeroberten Regionen und eine neue Offensive auf Deir ez-Zor, wo die Terrormiliz die dort verbliebenen syrischen Truppen eingekesselt hat”, sagt der Experte.     

Nach der ersten Rückeroberung Palmyras im März 2016 verteidigte eine Bürgerwehr die Stadt. Die meisten kampfbereiten Truppen wurden in die Vororte Aleppos verlegt.

Das russische Verteidigungsministerium werde den syrischen Truppen demnächst weitere Militäreinheiten und Militärtechnik zur Verfügung stellen, um Palmyra zu verteidigen, glaubt Igor Korotschenko, Chefredakteur der Zeitschrift „Nazionalnaja Oborona” (Nationale Verteidigung). 

“Um die Stadt zu halten, braucht man keine großen Truppenkontingente. Russland wird weitere Aufklärungsanlagen in die Region verlegen, um die Umgebung zu erkunden“, sagt der Experte. „Außerdem werden wir beim Aufbau der Stellungen und Befestigungen um die Stadt unterstützen, um so eine erneute Offensive der Terrormiliz zu verhindern. So haben sie es letztes Jahr gemacht, als die Terroristen Palmyra unbemerkt erobern konnten.“

Laut Leonid Iwaschow, Generaloberst a. D. und Präsident des internationalen Zentrums für geopolitische Analyse, würden die Terroristen des IS nach der Niederlage in Palmyra wohl Anschläge verüben: Selbstmordattentäter könnten in jene Wohngebiete der Stadt geschickt werden, in die die Zivilbevölkerung zurückkehrt. 

„Es wird eine verstärkte Kontrolle des Militärs nötig sein. Diese soll schließlich nicht nur die Militärstützpunkte sondern auch die Zivilbevölkerung in der Stadt schützen”, betont Iwaschow.

Palmyra ist befreit – was folgt nun?

Zum nächsten Einsatzort für unter anderem auch die russischen Luftstreitkräfte könnte die Provinz Idlib werden. Dorthin hatten sich mehr als 30 000 Kämpfer mit ihren Familien durch die humanitären Korridore aus Aleppo zurückgezogen, so die Experten.

„Die syrische Armee wird mit unserer Unterstützung versuchen, die Terroristen einzukesseln, indem sie den westlichen Teil von Aleppo und die nördlichen Teile von Hama und Latakien erobert”, vermutet Wladimir Jewseew, Militärexperte und stellvertretende Leiter des Instituts für GUS-Länder, im Gespräch mit RBTH.

Die Kämpfe würden sich dabei bis zum Sommer hinziehen, bevor russische und syrische Truppen an die Ostfront verlegt werden könnten – nach ar-Raqqa und Deir ez-Zor.

„Ich hoffe, dass wir in diesem Zusammenhang enger mit den USA zusammenarbeiten werden, und der Krieg in Syrien nicht mehr länger als ein Jahr dauern wird”, fügt Jewseew hinzu.  

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