Russlands Botschafter in Österreich: „2017 werden Träume wahr“

16. Dezember 2016 Andrei Zolotov, Jr.
Im zweiten Teil des großen Interviews mit Russlands Botschafter in Österreich, Dmitrij Ljubinskij, spricht der Diplomat über das anstehende russisch-österreichische Tourismusjahr. Für den Botschafter wird mit der Umsetzung ein Traum wahr.
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Der Botschafter Dmitrij Ljubinskij spricht über das kommende Tourismusjahr der beiden Länder. Quelle:Pressebild

RBTH: Während der Zeremonie zur Bekanntgabe des russisch-österreichischen Tourismusjahres 2017 haben Sie gesagt: „Träume werden wahr“. Warum haben Sie das als Ihren Traum bezeichnet?

Ljubinskij: Als ich vor einem Jahr zum Botschafter in Österreich ernannt wurde, habe ich mir selbstverständlich Gedanken gemacht, wo es positive Ansätze gibt, die es uns angesichts heutiger keineswegs einfacher Beziehungen zwischen Russland und der EU ermöglichen würden, unser bilaterales Verhältnis zu entwickeln. Es gab mehrere Ideen. Eine davon: das Jahr des Tourismus. Und es gab bereits positive Beispiele, wo dies gut geklappt hat – mit Italien etwa. Außerdem ist der Tourismus zwischen Russland und Österreich ein naheliegendes Thema und lässt sich leicht mit weiteren Themen verknüpfen: Kultur, Sport, Extremreisen und vielem mehr.

In meinen ersten Gesprächen in Österreich habe ich auszuloten versucht, wie die Partner diese Idee aufnehmen würden. Schon vor einem Jahr stieß ich auf große Begeisterung – auf der Bundes- wie auf der Landesebene in Österreich. Kontakte zwischen den österreichischen Bundesländern und den russischen Regionen zu aktivieren, war ebenfalls eines meiner zentralen Ziele. Man begegnete mir nicht nur mit vollem Verständnis, sondern auch mit aktiver Unterstützung. Letztlich haben wir mit unseren Partnern in weniger als einem Jahr ein sehr solides Programm auf die Beine gestellt.

Was ist das Ziel dieses wirklich großen Programmes?

Es gibt drei Ziele. Erstens: Angesichts der EU-Sanktionen und der Rubelabwertung sind die Touristenströme aus Russland nach Österreich eingebrochen – um rund 20 Prozent pro Jahr. Für die österreichische Wirtschaft, für die kleinen und mittelständischen Betriebe, ist das ein großer Verlust – besonders für die kleineren Hotels im Westen des Landes, in Tirol, die sich traditionell an russischen Urlaubern orientiert haben. Selbst für die Hauptstadt ist es ein wesentlicher Faktor, obwohl die Touristenströme nach Wien eigentlich nicht nachlassen. Denn die russischen Hauptstadtbesucher erholen sich nicht nur und besichtigen die Sehenswürdigkeiten, sondern gehen auch in die Wiener Geschäfte. Das ist ein wesentlicher Faktor, wie mir der regierende Bürgermeister bestätigt hat.

Das zweite Ziel hängt mit den Interessen russischer Reiseveranstalter zusammen. Der österreichische Urlauber ist sehr aktiv. Wo aber fahren die Österreicher hin? Moskau, Sankt Petersburg, bestenfalls eine Schiffsreise zwischen den beiden Metropolen – damit endet Russland für die Österreicher in der Regel. Wir wollen eine ganz einfache Idee vermitteln: Russland ist riesig, Russland ist spannend. Neben den seit Langem berühmten Routen wie der Transsib gibt es noch den Baikalsee, die Altai-Region, den Nordkaukasus, den Fernen Osten. Und wir wären froh, überall dort österreichische Touristen zu begrüßen.

Ziel Nummer 3 – vielleicht ist es aber auch das primäre Ziel: die Entwicklung touristischer Infrastruktur in Russland. Hier stimmen unsere Interessen vollends überein. Wir wollen unsere Urlaubsorte entwickeln und die österreichischen Partner sind in diesem Gebiet sehr erfahren. Der Nordkaukasus ist nur ein Beispiel. Hier wollen wir moderne Anlagen bauen, die Urlaub, Erholung, Gesundheit und Bildung kombinieren würden. Wir haben bereits österreichische Partner gefunden, für die das von Interesse ist. Die Entwicklung der Fremdenverkehrsinfrastruktur im Nordkaukasus ist für uns ein prioritärer Bereich. Darüber wird seit einigen Monaten bereits substanziell verhandelt, zumal viele österreichische Firmen große Erfahrung in Russland haben. Nehmen wir die Olympischen Spiele in Sotschi als Beispiel: Ein guter Teil der Infrastruktur ist von österreichischen Unternehmen konzipiert und errichtet worden – ob Skilifts, Hotels oder medizinische Einrichtungen. Ich glaube, hier eröffnen sich bedeutende Möglichkeiten, die man weiterentwickeln sollte.

Welche Highlights im Programm würden Sie hervorheben?

Wir haben das Programm von Anfang an nicht als ein geschlossenes Dokument konzipiert. Wir haben einige Punkte definiert, die für beide Seiten sehr wichtig sind: feierliche Eröffnungszeremonie, Teilnahme an Tourismusmessen. Sehr wichtig sind B2B-Treffen, die wir nicht in den Hauptstädten beider Länder, sondern in den Regionen organisieren wollen, damit neue Kontakte entstehen können. Auf Bitten unserer österreichischen Kollegen werden wir auch weniger konservative Events veranstalten, wie etwa die Präsentation der russischen Küche in den Regionen Österreich. Ich denke, das ist eine schöne Grundlage für neue Kontakte. Ein wichtiges Ereignis: die Eröffnung der offiziellen Tourismusvertretung unseres Landes „Visit Russia“ am 16. Dezember in Wien. Wir hoffen, dies wird die Umsetzung des Programms fördern.

Sind Visaerleichterungen zu erwarten?

Hier sind wir an die multilateralen Verpflichtungen zwischen Russland und der EU gebunden. Pünktlich zum Tourismusjahr ist aber ein Entschluss herbeigeeilt, wonach jeder österreichische Urlauber, der Russland besuchen möchte, ein Halbjahresvisum mit doppelter Einreiseerlaubnis bekommt. Somit können Touristen aus Österreich innerhalb eines Halbjahres zwei Mal nach Russland einreisen.

Sie sagen, das Programm sei kein geschlossenes Dokument. Was muss eine Region oder ein Unternehmen aus Russland tun, um daran teilzunehmen?

Da ist nichts Kompliziertes dabei. Die Teilnehmer müssen ihr Vorhaben abstecken. Momentan geht die Verantwortlichkeit für Tourismus vom russischen Kultusministerium wieder an das Sportministerium über – eine Umstrukturierungsmaßnahme der russischen Regierung. Ich hoffe, das wird die Umsetzung unserer Projekte nicht erschweren. Am einfachsten ist es, sich an Russlands Botschaft in Wien zu wenden.

Was bringt das Kulturprogramm des Tourismusjahres mit sich?

Das Tourismusjahr wird aktiv von Kulturveranstaltungen begleitet. Und wir werden unsere Regionen darin größtmöglich involvieren. Am 12. Januar wird das Jahr feierlich in Wien eröffnet. Die Zeremonie mit einem klassischen Konzert findet im Schloss Hofburg statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird auch eine Tourismusausstellung in Wien eröffnet – ein großes Event, an dem hoffentlich viele russische Regionen teilnehmen werden. Abgeschlossen wird das Jahr mit einer ähnlichen Zeremonie in Sankt Petersburg. Dass wir die Stadt an der Newa dafür gewählt haben, ist kein Zufall: Sie ist einer der beliebtesten russischen Orte österreichischer Touristen. Zwischen den Zeremonien wird es weitere Veranstaltungen geben.

Zudem werden neue „Kultur-Routen“ für Touristen vorgestellt: eine Reise durch Museen und Anwesen von Malern und Komponisten zum Beispiel.

Ja, in unserem Programm gibt es viele touristische Routen, die mit Kultur verbunden sind – vor allem in unserem Land. Wir sind gerne bereit, solche Initiativen zu unterstützen. Ich denke, dass die bereits erstellten Pläne künftig erweitert werden.

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