KMU-Förderung: Russland will ausländische Investoren locken

7. Dezember 2016 Alexej Lossan, Kira Jegorowa
Ein neuer Gesetzentwurf will kleine und mittlere Unternehmen mit fremdländischer Beteiligung in Russland fördern. So hofft die russische Regierung, Investitionen und Neugründungen im Land anzukurbeln. Wirtschaftsexperten halten das für eine gute Idee.
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Die Regierung hofft auf Investitionen und Neugründungen. Quelle:Denis Abramov/TASS

Klein- und mittelständische Unternehmen, die zu mehr als 49 Prozent im nichtrussischen Ausland gehalten werden, können möglicherweise künftig in Russland eine staatliche Unterstützung beantragen. Diese Maßnahme sieht ein Gesetzentwurf vor, der durch das russische Ministerium für Wirtschaftsentwicklung (MWE) ausgearbeitet wurde, wie das Wirtschaftsblatt „Kommersant“ berichtet.

Motor für Unternehmensgründungen

Die Autoren des neuen Gesetzes gehen davon aus, dass diese Maßnahme zusätzliche Investitionen ins Land bringen wird und „neue Fertigungsketten schafft“. Die Vergünstigungen sehen unter anderem den Abkauf von Räumen, eine steuerliche Vorzugsbehandlung, günstige Kredite und die Befreiung von Routinekontrollen vor.

Kleine und mittelständische Unternehmen sind in Russland klar definiert. Zu den kleinen Unternehmen zählen laut Ministerium Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern und einem Umsatz von bis zu 800 Millionen Rubel (14,5 Millionen Euro). Als mittlere Unternehmen gelten Firmen mit 101 bis 200 Angestellten und einem Höchstumsatz von zwei Milliarden Rubel (29 Millionen Euro).

„(Der Gesetzentwurf) würde einen starken Auftrieb für das Klein- und mittelständische Unternehmertum bedeuten. Ich bin überzeugt, dass er die Wirtschaft ankurbeln wird und sich neue Unternehmen gründen werden“, glaubt Emil Martirosjan vom Institut für Unternehmertum und Geschäftsführung der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst.

Eine Maßnahme für die Kleinen

Laut Angaben des MWE gibt es in Russland 103 000 kleinere Unternehmen mit fremdländischer Beteiligung: 13 800 mit einer ausländischen Beteiligung von höchstens 49 Prozent, 15 500 mit einer ausländischen Beteiligung zwischen 49 und 75 Prozent und 73 900 mit einer ausländischen Beteiligung von mehr als 75 Prozent. Damit könnten in etwa 90 000 Unternehmen von dem neuen Gesetzentwurf profitieren.

Makroökonomisch betrachtet könne der Vorschlag des MWE durch das Stimulieren von Investitionen tatsächlich eine bedeutende Rolle spielen, glaubt Timur Nigmatullin, Analyst bei der Unternehmensgruppe Finam. „Wenn man sich die Investitionen in das Anlagekapital anschaut, so sind diese in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen. 2015 fielen sie in inflationsbereinigten Rubelpreisen um 8,4 Prozent, bis Ende des dritten Quartals 2016 nochmals um 4,3 Prozent“, bemerkte er.

Vor allem Agrarunternehmen seien die potenziellen Hauptnutznießer dieses Förderprogramms, meint Nigmatullin. Im ersten Halbjahr 2016 stieg das Bruttoinlandsprodukt in diesem Bereich um 1,5 Prozent bei einem gleichzeitigen Rückgang des realen BIP des Landes um 0,9 Prozent.

Für Großunternehmen aus dem Ausland, wie den Lebensmittelproduzenten Nestlé oder die Groß- und Einzelhandelskette Metro, sei diese Maßnahme hingegen weniger interessant, erklärte Georgij Wastschenko, Leiter der Operationsverwaltung für den russischen Markt der Investmentgesellschaft Freedom Finance. Denn deren Bedürfnisse seien global ausgerichtet. So befänden sie sich zwar im Dialog mit dem Staat, doch diese Unternehmen bestünden in erster Linie auf Änderungen im Bereich der Zoll- und Steuerverwaltung. So käme die Unterstützung des Staates vor allem den kleineren Unternehmen zugute, etwa jenen mit fremdländischem Kapital aus Fernost, fügte der Ökonom hinzu.

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