Neue Behandlung: Leben wir bald alle bis 150?

21. Oktober 2016 Aram Ter-Gasarjan
Der Biophysiker Alexej Karnauchow will mithilfe von Gentechnik und seinem Knochenmark den Alterungsprozess stoppen. Mitte Oktober schloss er den ersten Teil seines Experiments zur Verlängerung der Lebenserwartung erfolgreich ab. Er selbst ist dabei das Testobjekt.
Scientist wants to live to 150
Der Biophysiker forscht an einer Methode, das Altern aufzuhalten. Quelle:Panthermedia / Vostock-photo

Alexej Karnauchow. Foto: Facebook.comAlexej Karnauchow. Foto: Facebook.comDer Wissenschaftler Alexej Karnauchow ist führender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zellbiophysik der Russischen Akademie der Wissenschaften. Karnauchow ist 55 Jahre alt und will noch 100 Jahre leben. Die von ihm entwickelte Behandlung sieht den Einsatz von Knochenmarkzellen zur Beendigung des Alterungsprozesses vor. Der Wissenschaftler hat keine Zweifel am Erfolg seiner Idee.  

Mitte Oktober unterzog sich Karnauchow einer komplizierten OP, um seinen Traum zu verwirklichen. Ihm wurden etwa 100 Milliliter seines Knochenmarks entnommen, die in Reagenzgläser verteilt und eingefroren wurden. In ein paar Jahren werden ihm seine eigenen Zellen wieder eingespritzt. Bis dahin lagern sie in einer Cryobank. 

„Für mein Alter fühle ich mich gut nach der schwierigen OP“, sagt Karnauchow im Interview mit RBTH.

Verjüngung durch eigene Zellen

Karnauchow vermutet, dass man älteren Menschen für die Verlängerung ihrer Lebenserwartung eigene, durch verschiedene Faktoren noch nicht so stark beschädigte Zellen implantieren müsse. Das würde reichen, um zum Beispiel jemanden zu retten, der einer tödlichen Strahlendosis ausgesetzt war.

Die Behandlung hilft jedoch nicht dabei, wieder jung zu werden. In der Zukunft werde er der fünfzigjährige Mann von heute bleiben, glaubt der Wissenschaftler. Eigene Zellen künstlich zu verjüngen sei sehr gefährlich.

„Künstlich aktivierte Zellen mit vielen genetischen Fehlern können schädlich sein und zum Beispiel einen Tumor verursachen. Wenn wir aber jemandem frische Stammzellen mit einer reduzierten Fehleranzahl einspritzen, dann können diese Zellen ihren Platz im Körper quasi selbst finden und so viel genetisches Material wie nötig produzieren. Dadurch wird sich der Gesundheitszustand eines älteren Menschen verbessern“, erklärt Karnauchow. 

Lebenserwartung bei Mäusen deutlich gestiegen

Die ersten Tests begannen vor etwa zehn Jahren. 2013 konnte man erste konkrete Ergebnisse verzeichnen: Die durchschnittliche Lebenserwartung von Versuchsmäusen stieg um 34 Prozent.

„Das Ergebnis war äußert interessant: Die Mäuse blieben länger geschlechtsreif. Wenn man es mit dem menschlichen Alter gleichsetzt, dann konnten die Mäuse noch mit 60 Jahren Kinder zu Welt bringen“, sagt der Wissenschaftler. „Die Mäuse waren aktiver und sahen auch jünger aus – ihr Pelz war flauschig und glänzend. Dabei haben wir keine besonderen Bedingungen geschaffen. Die Mäuse wohnten im Vivarium und kriegten Nachwuchs wie andere Mäuse aus der Kontrollgruppe.“

2015 begann Karnauchow gemeinsam mit Kollegen der Moskauer Medizinischen Setschenow-Akademie ein Projekt, das die Auswirkung der neuen Technologie auf die maximale Lebenserwartung der Versuchsmäuse beschreiben soll. Das Experiment läuft zwar noch, aber erste Ergebnisse zeigen, dass die Lebenserwartung in jedem Fall um mindestens 30 Prozent steigt. Die Methode sei harmlos und könne bereits allen Freiwilligen angeboten werden, sagt der Wissenschaftler abschließend.

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