Sofja Schuk und Co.: Aufschlag für den russischen Nachwuchs

Die 15-jährige Russin Sofja Schuk gewann dieses Jahr im Juniorenturnier von Wimbledon.

Die 15-jährige Russin Sofja Schuk gewann dieses Jahr im Juniorenturnier von Wimbledon.

Photoshot / Vostock-Photo
Der Sieg von Sofja Schuk im Juniorenturnier von Wimbledon hat den Blick auf die russischen Nachwuchssportlerinnen gelenkt. RBTH stellt drei junge Talente vor, die bereit sind, das Erbe von Maria Scharapowa anzutreten.

Sofja Schuk

Kaum eine bekannte russische Tennisspielerin kommt wohl um Vergleiche mit Maria Scharapowa herum, aber bei niemandem sind Parallelen so offenkundig wie im Fall von Sofja Schuk. Als die 15-jährige Russin vor einigen Wochen den Juniorentitel in Wimbledon gewann, zog sie die Aufmerksamkeit vieler Experten nicht nur aufgrund ihrer athletischen Statur und der beeindruckend gespielten beidhändigen Rückhand auf sich, sondern auch wegen ihrer äußeren Ähnlichkeit mit der Prima des russischen Tennis.

Ebenso wie Scharapowa hat Schuk schon sehr früh von sich reden gemacht: Mit neun Jahren gewann sie ihr erstes Juniorenturnier, mit zwölf wurde sie an der Tennisakademie der berühmten Belgierin Justine Henin aufgenommen. Danach folgten Verträge mit IMG, Reebok, Wilson und das Finale in den prestigeträchtigen amerikanischen Eddie Herr International Junior Tennis Championships. Mit 13 spielte das herausragende Talent bereits in WTA-Damenturnieren mit und war unter den Top 1000 der Weltrangliste vertreten.

Scharapowa holte ihren ersten Championtitel in einem Grand-Slam-Turnier mit 17 Jahren und gewann als erste Russin in Wimbledon. Sofja Schuk hat also noch ausreichend Zeit, um den Erfolg ihrer berühmten Landsfrau zu wiederholen. Umso mehr, da Schuk gemessen am Alter Scharapowa bereits überholt hat – Sofja kam im Alter von sechs Jahren relativ spät zum Tennis. Zuvor hatte sie sich zwei Jahre lang der rhythmischen Gymnastik gewidmet.

„Mir macht es Spaß zu gewinnen, aber keiner meiner Siege ist mit dem allerersten zu vergleichen“, erzählte Sofja Schuk dem russischen Magazin „ProSport“. Damals spielte sie ein Turnier in Twer, wie sie in einem Interview erzählt. „Ich gewann den ersten Satz, dann den zweiten, führte im dritten, aber danach habe ich mich hängen lassen und nicht einmal gemerkt, wie sich der Stand 5:3 für mich in ein 6:5 für meine Gegnerin verwandelt hat“, erinnert sie sich.

„Ich werde wahrscheinlich nie das Endspiel von diesem Match vergessen. Da kam alles zusammen: Aufschreie, Tränen, Talfahrten – und dennoch habe ich gewonnen. Wenn ich gefragt werde, wozu ich Tennis brauche, muss ich stets an diese Emotionen denken und auch daran, dass ich dank Tennis viel durch die Welt reisen kann. Für mich wäre es zu langweilig, immer nur an einem Ort zu sitzen. Ein ruhiges Leben ist nichts für mich.“ 

 

Anna Blinkowa

Foto: Imago/Legion Media

Sofja Schuks Gegenspielerin im Finale des Juniorenturniers in Wimbledon ist ebenfalls eine vielversprechende Russin: Anna Blinkowa. Wegen ihrer Niederlage steht sie im Schatten ihrer erfolgreicheren Landsfrau – zu Unrecht. Denn die 16-Jährige, die aus Pawlowski Posad im Moskauer Gebiet stammt, blickt bereits auf acht Siege in ITF-Juniorenturnieren zurück. Und im Viertelfinale in Wimbledon war es Blinkowa, die eines der spektakulärsten Spiele im Turnier geliefert und den entscheidenden Satz gegen die Amerikanerin Tornado Alicia Black mit einem 12:10 gewonnen hat.

Nach dem Finale erklärte Anna Blinkowa der Zeitung „Sport-Express“ ihre Niederlage damit, dass sie zuvor noch auf keinem so großen Tennisplatz wie dem Court No.1 in Wimbledon gespielt hätte. „Es war für mich ungewohnt: die tobenden Tribünen und der viele Freiraum. Ich hatte einfach kein Gespür für die Entfernung, als ich den Ball schlug (…) und es fehlte mir einfach an Geschwindigkeit.“

Im Gegensatz zu Sofja Schuk, die in Belgien lebt, trainiert Blinkowa in Moskau, auf den Tennisplätzen der Russischen Staatlichen Universität für Körperkultur. Als Nächstes stehen im Terminkalender der Sportlerin, die eine große Anhängerin von Serena Williams ist, die US Open Junior Championships. Vielleicht hat sie ja auf den Plätzen von Flushing Meadows mehr Glück, denn Anna Blinkowa bevorzugt Hartplätze. 

 

Anastasia Potapowa

Foto: OneGlobal Sports Management 

Die lange Liste von Erfolgen, die die 14-jährige Anastasia Potapowa vorzuweisen hat, lässt so manchen Experten verwundert die Stirn runzeln: Die aus Saratow an der Wolga stammende Tennisspielerin blickt auf Siege bei den Eddie Herr International Junior Championships und bei dem Junior Orange Bowl in der Kategorie bis zu 14 Jahren sowie bei einem der repräsentativsten Turniere für die kleinsten Junioren, im Les Petits As im französischen Tarbes, zurück. Zurzeit liegt Potapowa auf Rang 54 im ITF Junior Ranking. Deutliches Zeichen für die Leistungsfähigkeit dieser Sportlerin ist die Tatsache, dass unter den Top 100 kein anderes Mädchen aus dem Jahrgang 2001 zu finden ist.

Das für ihr Alter überaus selbstsichere Mädchen lässt sich in den Pausen zwischen den Turnieren von diversen russischen Magazinen interviewen, die ihr bereits den Ruhm einer Maria Scharapowa prophezeien. Das Jungtalent hat gegen Vergleiche mit dem Superstar nichts einzuwenden. „(Mir gefällt), wie sie spielt, ihr Stil, ihre Art, ihr Verhalten. Ihr sportlicher Stil ist ein schnelles offensives Tennis – das ist genau mein Tennis“, erklärte Potapowa in einem Interview mit championat.com.

Anastasia, die an der Tennisakademie von Alexander Ostrowski in Chimki bei Moskau trainiert, spielt besonders erfolgreich auf Sandplätzen. Ihre Trainerin Irina Doronina sieht jedoch einen anderen Entwicklungsweg für sie vor. „Obwohl Nastja von einem Sieg im Roland Garros träumt, passen zu ihrer Art des Tennisspiels besser Hartplätze für hohe Geschwindigkeiten“, zitiert „Sport-Express“ die Trainerin. „Merkwürdigerweise hat sie bislang den Großteil ihrer bedeutendsten Titel auf Sandplätzen gewonnen – aber im Kindes- und Juniorenalter hat das noch nicht viel zu sagen.“

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