Die köstlichsten Städte Russlands: Die Kaliningrader Fusionsküche

Das Handelszentrum "Fischdorf" in Kaliningrad

Das Handelszentrum "Fischdorf" in Kaliningrad

Ruslan Schamukow
Die engen Verbindungen zu Europa haben in der Bernsteinstadt einen besonderen kulinarischen Stil geprägt. In ihrer russisch-europäischen Fusionsküche treffen traditionelle Gerichte der Nachbarländer auf eine neue Lesart alter Rezepte und interessante Experimente.

Der kulinarisch aufregendste Morgen in Kaliningrad beginnt in einem „Croissant“-Café". Die gemütlichen Cafés und Konditoreien dieser Kette gibt es in jedem Stadtbezirk. Ein Blick auf die breit gefächerte Speisekarte stimmt die Besucher sofort ein auf ein kulinarisches Abenteuer.

Die Vielfalt europäischer Frühstückskulturen ist hier komplett vertreten: das Dänische mit belegten Broten, Kartoffeln und Salat, das Holländische mit schwach gesalzenem Lachs auf gerösteten Baguettescheiben, mit frischem Gemüse und Wachteleiern, das Englische – Spiegelei mit Bacon, gegrillte Würstchen und Speck. Und das ist bei Weitem nicht alles. Es lohnt sich, für ein zweites oder drittes Frühstück zu bleiben! Zumal das Vergnügen kaum mehr als zehn Euro kostet. Zu jeder Variante wird frisches hausgebackenes Brot serviert.

Das schweizerische Frühstück im „Croissant“-Café". Foto: Pressebild

Die Salate sind ebenfalls multinational: der italienische mit aromatischem Rucola, der skandinavische und norwegische auf der Grundlage von Fisch nach der Art von La Réunion, mit Hühnerfilet, Avocado, Bacon und Blauschimmelkäse. Sehr zu empfehlen sind auch die herzhaften Piroggen, Törtchen, Tartifletten und Quiches mit Fleisch- oder Gemüsefüllung. Mit einem Besuch ist es bei diesem Café sicher nicht getan. Wichtig ist, noch ein wenig Platz für eines der köstlichen Desserts im Magen zu reservieren – und sei es nur für ein paar bunte und im Mund zergehende runde Macaron-Gebäckstücke.

 

„Die Kartoffel ist allem der Kopf“

Im Europa-Handelskomplex im Zentrum der Stadt hat in einer ruhigen Ecke das kleine Restaurant mit litauischer Küche „Brikas“ eröffnet. Zu einem Mittagessen gehört hier unbedingt eine kalte litauische Borschtsch und eine Auswahl aus den unendlichen Variationen von Kartoffelgerichten: echte litauische Zeppeline mit verschiedenen Füllungen, die Luftschiffen aus Kartoffelmasse ähneln, die rötlichen Kartoffelwürstchen Wedere, runde Pfannkuchen aus Kartoffeln, eine beeindruckende Kartoffel-Babka mit Hühnerschenkel. Von den Getränken sind der Kwas aus Kartoffeln, Getreide oder Moosbeeren und hausgemachte Beerensäfte zu empfehlen.

Litauische Zeppeline. Foto: Pressebild

Ein weiteres lohnenswertes kulinarisches Ausflugsziel ist die tschechische Kneipe „U Gascheka“. Auf der Speisekarte stehen einige nationale Salate, die meisten von ihnen kombinieren Schinken und Apfel auf eine sehr interessante Weise. Als ersten Gang kann man tschechische Kohlsuppe mit hausgemachter Wurst oder eine dickflüssig pürierte Suppe auf Kartoffel- oder Pilzbasis in einem Brotnäpfchen wählen.

Das Hauptgericht besteht aus viel Fleisch und Kartoffeln. Das können ein tschechisches Rindergulasch mit Knödeln, Switschkowa – überbackenes Rindfleisch mit saurer Sahne –, verschiedene Sorten Aufläufe oder große Knödel mit Fleisch- oder Fischfüllung als eigenständige Mahlzeit sein. Erfreulich sind die große Auswahl an tschechischem Bier und die zahlreichen fantasievollen Vorspeisen dazu. Ein Mittagessen aus drei Gängen ist für etwa 20 Euro zu haben. Und solange das Fleisch gebraten wird und die Soßen köcheln, kann man sich den knurrenden Magen mit den lustigen Zitaten aus dem Werk des tschechischen Schriftstellers Jaroslaw Gaschek vertreiben, die an den Wänden des Restaurants zu lesen sind.

 

Zur Tante auf eine Wurst

Im historischen Stadtzentrum, 15 Minuten von der Kneiphof-Insel und nicht weit von dem zerstörten Königsberger Schloss entfernt, kann man sich in einem Restaurant mit deutscher Küche stärken – zu Gast bei „Tante Fischer“. Das Lokal wurde zum Gedenken an die Inhaberin des schon Anfang des 19. Jahrhunderts bekannten Königsberger Wirtshauses „Woltsche Uschtschelje“ (zu Deutsch „Wolfsschlucht“) benannt.

Fleischgerichte bei "Tante Fischer". Foto: Pressebild

Hier schlägt das Herz der Fleischesser! Den Magen aufwärmen kann mit einer herzhaften Vorspeise, einer Käsesuppe mit Speck und Wurststücken, zur Einstimmung lohnt es sich, von der traditionellen deutschen Quiche zu kosten, die mit Fleisch, Huhn oder Fisch sowie herzhaftem Lauch zubereitet wird und knusprig überbacken ist. Das Hauptgericht sollten in jedem Fall die klassischen deutschen Würste aus eigener Herstellung sein, serviert mit Soßen, warmem Sauerkraut oder Kartoffeln. Es gibt auch noch herzhaftere Gerichte, etwa Hamburger Hühnchen, bayerische Schweinshaxe mit deftiger Soße und die berühmten Königsberger Klopse.

Zu den Fleischgerichten werden hausgemachte Beerensäfte und Kwas, Biercocktails spezieller Brauereien oder frisch gezapftes Bier serviert. Die Zubereitung der Gerichte erfolgt bei „Tante Fischer“ mit deutscher Gründlichkeit. Richten Sie sich also darauf ein, auf die Bestellung gebührlich lange zu warten. Die Preise sind etwas höher als der Durchschnitt in der Stadt, dafür übertreffen die Portionen selbst höchste Erwartungen.

 

Meeresfrische und feurige Hitze

Die Eigenheiten der baltischen Küche lassen sich auch in den kleineren Küstenstädtchen des Kaliningrader Gebietes erforschen. Auf dem zentralen Platz von Swetlogorsk, direkt vor einem der Strandzugänge, befindet sich ein Restaurant mit dem Namen „Poljandija“. Hier lockt die Hälfte der Speisen mit ihren polnischen Namen. Nach einer Abkühlung in der Ostsee kommt eine heiße und herzhafte Mahlzeit sehr gelegen – etwa eine polnische Suppe aus Rindermagen oder eine Schurek, eine Suppe mit Ei, Wurstscheiben und Gewürzen, die in einem Napf aus Brot mit Sonnenblumenkernen serviert wird.

Polnische Schurek-Suppe. Foto: Natalja Makartschuk

Und obwohl die Polen gehaltvolle Suppen lieben, die oft den einzigen Gang eines Mittag- oder Abendessens bilden, sollte man doch die Möglichkeit eines zweiten Gangs in Betracht ziehen. Unter den warmen Speisen gibt es eine große Auswahl an Bouletten und Karkowki – gegrilltes Kotelett –, nicht zu vergessen natürlich das Symbol der baltischen Küche Bigos, ein Schmoreintopf aus Kohl, Fleisch und gedörrten Pflaumen.

Ein gesondertes Kapitel der Speisekarte ist den Gerichten gewidmet, die über offenem Feuer zubereitet werden und die besonders gut an der frischen Meeresluft schmecken. Hier werden polnische Würstchen zum polnischen oder litauischen Bier serviert. Das häuslich-bescheidene Ambiente des Lokals in dem kleinen Häuschen am Meer passt ideal zu einer stimmungsvollen Mahlzeit. Die Preise sind mit denen in Kaliningrad vergleichbar. Ein kräftiges Mittagessen bekommt man für 15 bis 20 Euro.

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