Pugatschows Rebellion: Fünf Fakten zum größten Aufstand im Zarenreich

Pugatschows Gericht von Wassili Perow, 1879

Pugatschows Gericht von Wassili Perow, 1879

Global Look Press
Der Aufstand des Kosaken Jemeljan Pugatschow, der später aufgrund seines Ausmaßes als Bauernkrieg bezeichnet wurde, hielt das Riesenreich am Ende des 18. Jahrhunderts in Atem. Der Geist des Aufstandes von Pugatschow verfolgte das zaristische Russland bis zu seinem Ende im Jahre 1917. Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen zum Aufstand Pugatschows.
  1. Was macht den Aufstand Pugatschows so besonders?

Der Aufstand Pugatschows, der Ende September 1773 begann, erfasste große Gebiete zwischen Zentral-Russland und Sibirien. Ihm sollen sich bis zu über eine Million Menschen angeschlossen haben. Gegen die herrschende Elite jener Zeit erhoben sich ganze Nationalitäten wie die Tataren, die Baschkiren und viele andere, die gegen die Eingriffe in ihr traditionelles Leben protestierten. Eine Revolte dieses Ausmaßes hatte Russland bislang noch nicht erlebt.

Am Höhepunkt des Aufstandes verfügten die Rebellen über eine 100 000 Mann starke Truppe, die wie eine Armee aus verschieden Regimentern und Kommandeursstrukturen aufgebaut war. Auf dem Gipfel des Aufstandes befanden sich Pugatschows Truppen nur wenige Hundert Kilometer vor Moskau. Der Anführer des Aufstandes hatte einen Marsch Richtung Moskau in Erwägung gezogen und veranlasste damit die Herrschenden in den Straßen der Hauptstadt Kanonen aufzustellen.

Die Regierung von Katharina II. musste für ein schnelles Ende des Krieges mit der Türkei sorgen um Zehntausende von Soldaten und deren beste Kommandeure zur Niederschlagung der Rebellion zur Verfügung zu haben. Der Aufstand Pugatschows faszinierte den großen russischen Schriftsteller Alexander Puschkin so sehr, dass er zwei seiner Werke diesem Thema widmete.  

  1. Wer war Pugatschow?

Jemeljan Pugatschow, jener Mann, der das große Reich in seinen Grundfesten erschütterte, war ein gewöhnlicher Kosake aus der Don-Region. Er trat in die Armee ein und war, wie berichtet wird, ein mutiger Soldat, bevor er sich zur Flucht entschloss. Die Behörden wurden zwar des Deserteurs mehrfach habhaft, jedoch konnte er jedes Mal entkommen. Im September 1773 schließlich schloss sich Pugatschow einer zunächst kleineren Revolte der Ural-Kosaken an.

Zu jener Zeit genossen die Kosaken in Russland aufgrund ihrer Verpflichtung zum Wehrdienst einen besonderen Status. Allerdings wurden gerade einige ihrer Privilegien zurückgenommen. Aus Zorn über diese Beschlüsse der Regierung organisierten einige Ural-Kosaken eine Revolte. Pugatschow, der begann, sich selbst als Zar Peter III. zu bezeichnen, wurde zur einenden Figur der unzufriedenen Kosaken.

  1. Warum war der Aufstand so erfolgreich?

Der Aufstand dauerte mehr als ein Jahr. Anfänglich unterschätzt, zwang er die Regierenden später, umfangreiche Kräfte zu mobilisieren. Das allerdings konnte die Unruhen nur geringfügig stoppen.

Pugatschow-Aufstand in Sibirien von Nikolai Karasin

Ungeachtet der Tatsache, dass Pugatschows Armee die meisten Kämpfe gegen die Regierungstruppen verlor, schlossen sich ihr immer mehr Freiwillige, meist Bauern, an.

Im 18. Jahrhundert hatte sich die Situation der Bauern im Zuge der Verschärfung der Leibeigenschaft zunehmend verschlechtert. Der Historiker Wassili Semjowskij ist der Auffassung, dass die Bauern in der Bewegung Pugatschows ihre Ziele klar verkörpert sahen – sie wollten individuelle Freiheit und Land.

  1. Was war Pugatschows Programm?

Die Ziele der Bewegung Pugatschows wurden von ihm im Juli 1774 in einem Manifest niedergeschrieben, das Historiker als den Höhepunkt des Aufstandes bezeichnen. Unter dem Namen Peter III. verkündete Pugatschow das Ende der Abhängigkeit der Bauern von ihren Landbesitzern und damit deren Freiheit. Die Bauern erhielten auch das Recht auf Besitz des Landes, das sie bewirtschafteten. Gleichzeitig befreite er sie von Steuern und Abgaben. In seinem Manifest stellte Pugatschow die Bauern auf eine Ebene mit den Kosaken.

Das war allerdings nur Teil eins der berühmten Schrift. Im zweiten Teil rief er seine Unterstützer dazu auf, alle Adlige die sich ihnen widersetzten, “zu fangen, zu töten und aufzuhängen“. Pugatschows Anhänger befolgten diese Forderung und viele Adlige im Gebiet des Aufstandes verloren ihr Leben. In einer Region wurden 348 von 1 425 Adligen getötet. Die Rebellen praktizierten grausame Methoden im Umgang mit dem Feind. Sobald sie eine der Festungen eingenommen hatten, enthaupteten sie deren Kommandanten, zerstückelten dessen Frau und vergewaltigten und töteten dessen Tochter.

  1. Wie gingen die Machthaber mit den Aufständischen um?

Die Regierungstruppen verhielten sich gegenüber den Aufständischen ähnlich grausam. Im Zuge der Unterdrückung der Rebellion töteten sie Tausende Menschen. Vielen weiteren wurde auf dem Gesicht das Siegel “Dieb” eingebrannt und anschließend wurden sie zu harten Gefängnisstrafen nach Sibirien verbannt.

Pugatschow wurde in einem engen hölzernen Käfig nach Moskau verbracht.

Nach der endgültigen Niederlage im August 1774 gelang Pugatschow mit einigen seiner Weggefährten die Flucht. Kurz danach jedoch wurde er verraten und den Regierungstruppen übergeben. In einem engen hölzernen Käfig wurde er nach Moskau verbracht. Der verantwortliche Offizier für die Überführung Pugatschows nach Moskau war der berühmte Kommandeur Alexander Suworow.

In Moskau wurde Pugatschow enthauptet. Als er zum Galgen geführt wurde, verhielt er sich gefasst und mutig. Er verbeugte sich und bat die Menschen um Vergebung.

Die Machthaber bemühten sich, seinen Namen aus der Geschichte zu streichen. Sein Haus wurde niedergebrannt, sein Dorf erhielt einen neuen Namen. Sogar der Fluss an dem die Rebellion begann, wurde von Jaik in Ural umbenannt.

Wie der bekannte russische liberale Gelehrte Peter Struwe schrieb, ebnete Pugatschow mit seinem Aufstand den Weg zur Abschaffung der Leibeigenschaft, die Zar Alexander II. fast 100 Jahre später im Jahre 1861 vollzog.

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