Geschichte Tag für Tag: 5. November

Unser täglicher Geschichtsrückblick zeigt Ihnen, was am heutigen Tag in der Geschichte Russlands und der Welt vor sich ging.

1934: Sowjetisches Luftschiff wird flügge

Nach den weltweiten Erfolgen großer Luftschiffe wie des „Graf Zeppelin“, wollte auch die Sowjetunion nicht zurückbleiben. In Absprache mit dem italienischen Benito Mussolini lud Stalin dann den italienischen Luftschiff-Konstrukteur Umberto Nobile ein.

Aufgrund mangelnder Ausrüstung und passender Arbeitsräume konnte Nobile erst 1933 mit den Arbeiten beginnen. Gemeinsam mit sowjetischen Arbeitern baute er dann im August 1934 ein halbstarres Luftschiff mit einem Volumen von 9150 Kubikmetern. Leider wurde es kurze Zeit später durch ein Feuer in der Werkshalle zerstört.

Der Nachfolger W6 aber absolvierte dann schon am 5. November 1935 seine Jungfernfahrt. Die W6 wurde nach der Gesellschaft zur Förderung der Verteidigung, des Flugwesens und der Chemie „Ossoawiachim“ genannt.

Größtes sowjetisches Luftschiff W-6

Einige technische Daten:

-  Länge 105 m

- Durchmesser 18-20 m

- Volumen 19 400 m³

- Nutzlast 8500-9640 kg

- Eigenmasse 12 t

- Startgewicht 21,3 t

- Gondellänge 15,12 m

- Maximalgeschwindigkeit 93 – 115 km/h

Ausgelegt war das Luftschiff für eine 15-köpfige Besatzung.

Nobiles sowjetische Luftschiffe von 1931 bis 1936 waren für den Passagiertransport vorgesehen.

Eine Rekordfahrt ließ die W6 eine von angeblich rund 5000 Kilometer zurücklegen. Am Nachmittag des 5. Februar 1938 aber fuhr das Schiff in seinen Untergang. Eine Gruppe Arktisforscher hatte in der Nähe des Nordpols die Eisdriftstation Nordpol-1 bezogen, die jedoch die grönländische Ostküste entlang trieb. Als dort das Eis begann aufzubrechen, setzte die Besatzung einen Hilferuf ab. Die  UdSSR-W6 wurde ausgesandt, um die Forscher aufzunehmen. Von Murmansk aus wollten die Luftschiffer dann in Richtung Grönland aufbrechen.

Aber: Das Schiff kollidierte in der Nähe von Kandalakscha mit dem 440 Meter hohen Berg Neblo. Nach offiziellen Angaben war auf „vorrevolutionären“ Karten an der Unglücksstelle eine Senke eingezeichnet gewesen. 13 Personen in der Kabine kamen um, drei weitere wurden verletzt.

Das Grab der Luftschiffer befindet sich auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau. Seit 1968 gibt es auch auf dem Neblo ein von Schülern und der lokalen Verwaltung ein errichtetes Denkmal neben den noch vorhandenen Trümmern.

Das Unglück besiegelte das Ende der russischen Luftschifffahrt.

1925: Britischer “Superagent” Sidney Reilly hingerichtet

Sidney Reilly (geboren 1873 in Odessa als Sigmund Rosenblum) wagte sich einst als erster „Superspion” des 20. Jahrhunderts in den Dunstkreis der bolschewikischen Regierung der frühen Sowjetunion. Dafür allerdings wurde er am 5. November 1925 vom sowjetischen Geheimdienst hingerichtet.

In London war Reilly vom britischen Geheimdienst MI6 angeworben worden. Dank seiner Sprachkenntnisse und Allgemeinwissen über Russland wurde er direkt nach der Revolution 1918 in die Sowjetunion entsandt, um undercover an den lettischen Wachen vorbei in den Kreml und eine Sitzung des Moskaurates im Bolschoi-Theater zu kommen und dort mehrere Schlüsselfiguren der sowjetischen Regierung zu töten, darunter auch den Revolutionsführer Wladimir Lenin selbst. Rilleys Vorbereitungen dazu wurden allerdings durch das Attentat von Fanny Kaplan auf Lenin durchkreuzt.

Der „rote Terror“ wurde danach nur noch stärker. Und obwohl Rilley nach Finnland fliehen konnte, wurde er vom „Vertrauen“, einer gefälschten, angeblich anti-kommunistischen Organisation, wieder nach Russland gelockt. Dort wurde er vom Inlandsgeheimdienst NKWD festgenommen und in der Moskauer Lubjanka inhaftiert und verhört. Die Verhörbänder beweisen, dass der Geheimdienst Reillys Angebot, von nun an für den Sowjetstaat zu arbeiten, bald angenommen hätte. Aber Stalin persönlich ließ ihn hinrichten.

Reilly wurde später zum Helden zahlreicher Filme und Fernsehserien, womöglich gar zur Inspiration für Ian Flemings Figur James Bond.

1828: Deutschstämmige Zarin gestorben

In Pawlowsk stirbt Sophie Dorothee Auguste Luise von Württemberg, die zweite Ehefrau des russischen Kaisers Paul I. (regierte 1796–1801). Zwei ihrer Kinder wurden ebenfalls Kaiser.

Sophie Dorothee stammte aus der Ehe des Herzog Friedrich Eugens von Württemberg mit Friederike Dorothea Sophia von Brandenburg-Schwedt.

Als Katharina die Große 1772 für ihren Sohn, den russischen Thronfolger Paul, eine Braut suchte, setzte sie – ähnlich ihrer eigenen Geschichte – auf ein deutsches Fürstenhaus. Die Wahl fiel zunächst auf Wilhelmina Luisa von Hessen-Darmstadt, die in Russland den Namen Natalja Alexejewna annahm, aber bereits am 26. April 1776 starb.

Sophie Dorothee Auguste Luise von Württemberg folgte und nahm in ihrer neuen Heimat den neuen Namen Maria Fjodorowna an.

Wladimir Borowikowski: Sophie Dorothee von Württemberg bzw. Kaiserin Maria Fjodorowna von Russland

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