Alle Mann an Bord: Fünf bekannte Museumsschiffe in Russland

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Einige Schiffe sind auch nach dem Ende ihres Einsatzes im Dienst – als Museum. RBTH stellt fünf legendäre russische Schiffe vor, die heute für Besucher geöffnet sind.

1. Panzerkreuzer „Aurora“ (Sankt Petersburg)

 Das Schiff gilt unter der Bezeichnung Panzerkreuzer Aurora als Symbol der Oktoberrevolution. Foto: Lori/Legion-Media Das Schiff gilt unter der Bezeichnung Panzerkreuzer Aurora als Symbol der Oktoberrevolution. Foto: Lori/Legion-Media

Dieses berühmte Schiff gehörte zu den ersten Panzerdeckkreuzern, die in Russland gebaut wurden. Traditionsgemäß benannte der Monarch persönlich die Kriegsschiffe seiner Flotte. Nikolai II. konnte aus elf Varianten wählen und hat sich letztendlich für „Aurora“ entschieden. Interessanterweise ist die „Aurora“ das einzige Schiff der Kaiserlich Russischen Marine, das nach der Revolution nicht umbenannt wurde. 1905 wurde der Kreuzer im Russisch-Japanischen Krieg an der Seeschlacht bei Tsushima eingesetzt. 1917 gab sie mit einem Platzpatronenschuss das Signal für den Sturm auf das Winterpalais – der Beginn der Oktoberrevolution und der Machtübernahme der Sowjets. Im Juli dieses Jahres kehrte die „Aurora“ nach zweijähriger Restaurierung an die Petrow-Promenade in Sankt Petersburg zurück: Die neue Ausstellung beleuchtet unter anderem den Einsatz des Schiffes im Russisch-Japanischen Krieg und in den beiden Weltkriegen.     

2. Passagierschiff „Swjatitel’ Nikolai“ („Der heilige Nikolaus“, Krasnojarsk, 4 150 Kilometer östlich von Moskau)

Nach der Revolution durchlebte das Schiff viele Namensänderungen: „Krasnoarmeez“ („Rotarmist“), „Friedrich Engels“ und „Tuba“. Foto: Lori/Legion-MediaNach der Revolution durchlebte das Schiff viele Namensänderungen: „Krasnoarmeez“ („Rotarmist“), „Friedrich Engels“ und „Tuba“. Foto: Lori/Legion-Media

Alexander Sibirjakow, Besitzer von Goldminen, Fabriken und Reedereien, träumte von einer direkten Wasserroute in Sibirien und nahm auch selbst an Entdeckungsreisen teil. Eines seiner Schiffe war die „Swjatitel’ Nikolai“: Es hatte zur Jahrhundertwende den Ruf, das schnellste Schiff für den Binnenverkehr zu sein. Für die erste und zweite Klasse waren 14 Kabinen vorgesehen, die Passagiere der dritten Klasse wurden auf dem Deck untergebracht. Zwei Mal transportierte das Schiff hochrangige Gäste: 1891 reiste der zukünftige Zar Nikolai II. auf dem Schiff von Japan nach Krasnojarsk und 1897 wurde Wladimir Lenin mit diesem Schiff ins Exil gebracht. Nach der Revolution durchlebte das Schiff viele Namensänderungen: „Krasnoarmeez“ („Rotarmist“), „Friedrich Engels“ und „Tuba“ – diesen Namen trug es als Öltankschiff. Seit den Siebzigerjahren dient die „Swjatitel Nikolai“ als Museumsschiff.  

3. Eisbrecher „Angara“ (Irkutsk, 5 190 Kilometer östlich von Moskau)

Die „Angara“ war bis zum Anfang der sechziger Jahre im Einsatz. Foto: Lori/Legion-MediaDie „Angara“ war bis zum Anfang der sechziger Jahre im Einsatz. Foto: Lori/Legion-Media

Der älteste Eisbrecher der Welt wurde erstmals im Jahr 1900 eingesetzt. Gebaut wurde das Schiff in der Werft Sir W. G. Armstrong Whitworth & Co Ltd in New Castle im Auftrag des Komitees zum Bau der sibirischen Eisenbahn. Während der Gleisarbeiten wurden Wagons mit einem Dampfschiff transportiert, dessen Weg der Eisbrecher freimachte. Die „Angara“ war bis zum Anfang der sechziger Jahre im Einsatz. 1990 wurde das Schiff im Wasserspeicher Irkutsk, nicht weit vom Ort Solnetschnoje, aufbewahrt. Letztes Jahr eröffnete das Heimatmuseum des Verwaltungsgebiets eine Ausstellung im Schiff, die seiner Geschichte sowie der Schifffahrt auf dem Baikalsee gewidmet ist.     

4. Expeditionsschiff „Witjaz“ („Hüne“, Kaliningrad, 1 130 Kilometer westlich von Moskau)

In 1949 wurde „Witjaz“ in Wismar zum Forschungsschiff umgerüstet. Foto: Lori/Legion-MediaIn 1949 wurde „Witjaz“ in Wismar zum Forschungsschiff umgerüstet. Foto: Lori/Legion-Media

Im Laufe seiner Geschichte wechselte dieses Schiff vier Mal seinen Namen. Zunächst hieß es „Mars“, bevor es nach dem Zweiten Weltkrieg von Großbritannien an die Sowjetunion überging und 1949 in „Witjaz“ umbenannt wurde. Das Schiff wurde im Rahmen von wissenschaftlichen Expeditionen im Ochotskischen, Schwarzen und Japanischen Meer sowie im Atlantik, Pazifik und im Indischen Ozean eingesetzt. Unter anderem wurde mit der „Witjaz“ die maximale Tiefe des Marianengrabens gemessen. 1994 ging das Schiff an der Peter-der Große-Promenade in Kaliningrad in den Ruhestand, oder zumindest fast: Seine Entdeckungsfahrten sowie die Geschichte der Reederei leben in einer Ausstellung fort. Es gibt zudem eine Sonderausstellung über Bernstein.

5. Eisbrecher „Krasin“ (Sankt Petersburg)

Das Schiff wurde durch die Rettung von Überlebenden der Nobile-Nordpol-Expedition und das Bergen des mit über 1.800 Menschen an Bord in Seenot geratenen deutschen Passagierschiffs Monte Cervantes bekannt. Foto: Lori/Legion-MediaDas Schiff wurde durch die Rettung von Überlebenden der Nobile-Nordpol-Expedition und das Bergen des mit über 1.800 Menschen an Bord in Seenot geratenen deutschen Passagierschiffs Monte Cervantes bekannt. Foto: Lori/Legion-Media

Die Werft Sir W. G. Armstrong Whitworth & Co Ltd baute für die russische Marine noch einen weiteren Eisbrecher, der „Swjatogor“ getauft wurde. Im Herbst 1917 wurde er in die Flottille des Nordpolarmeers aufgenommen, aber schon ein paar Jahre später entführt britische Intervenienten das Schiff. Die sowjetische Regierung kaufte den Eisbrecher von Großbritannien ab und benannte ihn nach ihrem Handelsbeauftragten Leonid Krasin, der maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt gewesen war. Ende der zwanziger Jahre rettete die „Swjatogor-Krasin“ die Mitglieder der „Umberto-Nobiles-Expedition“, deren Luftschiff „Italija“ abgestürzt war. Der Eisbrecher wurde an der Leutnant-Schmidt-Promenade in Sankt Petersburg aufbewahrt und dient seit den neunziger Jahren als Museum.

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