Böser Bär und gruseliger Krake: Wie historische Satire-Karten Russland zeigten

David Rumsey cartography associates
Karikaturisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts stellten die europäischen Länder oft als Tiere dar. Was glauben Sie, wer vertrat wohl meistens Russland?

Diese Landkarte, die nach dem Krimkrieg 1864 in Belgien gezeichnet wurde, zeigt  Russland als einen gefesselten Bären. Die Koalition aus dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien und Sardinien hatte den russischen "Bären" besiegt: Russland verlor einen Teil seiner Gebiete und seine Schwarzmeerflotte wurde verboten.

Zwischen diesen ausdrucksstarken Gesichtern, deren Konturen ungefähr den damaligen europäischen Staatsgrenzen entsprechen, wird Russland einmal nicht als Aggressor dargestellt, sondern als intelligenter und gelehrter Gentleman. Ein seltenes Bild, das wohl auf Russlands wachsende kulturelle Selbstdarstellung als Land der Literatur, Musik und Kunst verweisen sollte.

Diese humoristische Karte aus dem Jahr 1882 zeigt die europäischen Länder als wilde Tiere in einem engen Gehege. Russland ist – wen überrascht’s? – natürlich wieder ein Bär.

Am Vorabend des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde Preußen als unsympathischer Dicker dargestellt, während der böse dreinschauende Russe offenbar nur den großen Korb auf seinem Rücken füllen will. England führt als alte Hexe „ihren“ Hund Irland an der Leine. Die stets neutrale Schweiz ist für ihre Nachbarn ein Haus ohne Türen und Fenster.

Diese englische Karte aus dem Jahr 1900 zeigt Russland als gruseliger Krake mit dem Kopf des letzten russischen Zaren Nikolai II., der seine Tentakel in Richtung China, Persien, Polen und Skandinavien ausstreckt.

Mit dem Ersten Weltkrieg veränderte sich natürlich auch das Bild Russlands in den Karikaturen: Auf dieser Karte zerreißen sich die Staaten als wütende bellende Hunde. Dackel Deutschland steht dabei im Zentrum. Russland hat keine Hunderolle, ist aber hier nicht nur ein aggressiver Bär, sondern auch eine Dampfwalze, die mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Europa rast.

Diese Karte aus dem Jahr 1914 zeigt einmal mehr einen furchteinflößenden russischen Bären, der diesmal einen österreichischen Clown in einer Klaue hält, neben einem deutschen Adler und einer Französin mit Bajonett.

Im Jahr 1868 erschien eine Karikaturenserie, deren einzelnen Teile jeweils eines der europäischen Länder mit typischen Merkmale zeigte und dazu ein kurzes, witziges Gedicht enthielt: Russland ist natürlich auch hier als ein Bär dargestellt, der eng mit einem orthodoxen Priester verbunden ist.  

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Wenn wir an den Ersten Weltkrieg denken, sehen wie endlos graue Tage in dreckigen Schützengräben, schwere Artillerie und selbstmörderische Attacken auf Maschinengewehrnester. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit: Selbst an der Front wurden Feiertage begangen und Spaß gemacht.

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