In Russland entlarvt: Die Geschichte dreier Hochstapler

Auch wenn Russen Ausländern gegenüber immer eine gewisse Distanz wahrten, so begegneten sie ihnen dennoch stets mit großem Respekt. Es ist nicht völlig überraschend, dass einige Ausländer dies zu ihrem Vorteil ausnutzten und versuchten, die Russen über den Tisch zu ziehen.

1 Roman Maddox (Medoks): Der Hochstapler, der sich den Zorn gleich zweier Zaren zuzog

Der charismatische Roman Maddox (Medoks), ein intelligenter Mann mit geschliffenen Manieren, hatte es drauf, sich einmal als hochrangiger Offizier auszugeben, und ein andermal war er jemand, der tief in die Abgründe der russischen Unterwelt eingetaucht war. Ausgestattet mit hoher Überzeugungskraft, erreichte er, dass viele Menschen ihm vertrauten und so schaffte er es auch, dass gleich zwei russische Herrscher auf seine Tricks hereinfielen.

Maddox wurde in Russland als Sohn einer deutschen Mutter und eines englischen Vaters geboren. Michael Maddox war Mitbegründer des Petrowski-Theaters, des ersten Opernhauses in Moskau mit festem Spielort und Vorgänger des Bolschoi-Theaters.

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Maddox Junior hingegen war kein so erfolgreicher und angesehener Mitbürger. Im Gegenteil, er wurde von seiner Familie wegen seines unmoralischen Lebensstils verstoßen. Aufgewachsen in einem verschwenderischen Umfeld und durch dieses verdorben, wollte der junge Maddox keiner geordneten Arbeit nachgehen und war vielmehr damit beschäftigt, sich mit unlauteren Mitteln zu bereichern.

Im Jahr 1812 erwarb Maddox die Uniform eines zaristischen Wachoffiziers. Denn, während des Krieges mit Napoleon galt jeder, der in den persönlichen Regimenten des Zaren diente, als dessen Vertrauter und wurde gefürchtet. Maddox‘ gefälschte Papiere behaupteten, dass er vom Kriegsministerium in die Kaukasus-Region geschickt worden war, um Freiwillige für den Kampf gegen die Franzosen zu rekrutieren.

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Ohne die Identität des Offiziers gründlich zu überprüfen, liehen ihm die Kaukasus-Behörden die fantastische Summe von 10 000 Rubeln, um seine Miliz zusammenzustellen. Im Februar des Jahres 1813 wurde sein Betrug jedoch aufgedeckt. Maddox wurde daraufhin verhaftet und nach Sankt Petersburg geschickt.

Zar Alexander I. war darüber so wütend, dass Maddox in die Peter-und-Paul-Festung gebracht wurde, in der er 14 Jahre einsaß. Im Jahre 1827, kurz nach der Besteigung des Thrones, wandelte Zar Nikolai I. seine Strafe in Verbannung um und Maddox wurde nach Irkutsk, Sibirien, verbracht, wo auch viele Teilnehmer der Dekabristen-Revolte des Jahres 1825 ihre Strafe verbüßten.

Maddox war sich bewusst, wie sehr Nikolai I. die Dekabristen hasste. Eines Tages entdeckte er schließlich „zufällig“ eine neue Geheimgesellschaft unter den Rebellen und informierte den Zaren. Als eine Untersuchung angeordnet wurde, präsentierte er die „Beweise“, einschließlich einer Mitgliedskarte für die neue Geheimgesellschaft. Maddox wurde auf Befehl des Zaren schnell nach Sankt Petersburg gebracht und lebte während der Ermittlungen in Moskau und Sankt Petersburg ein gehobenes Leben.

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Die Untersuchung enthüllte jedoch bald, dass die „Geheimgesellschaft“, einschließlich der erstellten Mitgliedskarte, von Maddox vollständig erfunden worden war. Dieses Mal wurde Maddox zu 22 Jahren Haft im Gefängnis der Schlüsselburg-Festung am Ladogasee verurteilt. Er saß seine gesamte Haftstrafe ab, starb jedoch kurz nach seiner Entlassung im Jahr 1856.

2 Cagliostro: Verspottet in einem Stück von Katharina der Großen

Graf Cagliostro

Bevor Giuseppe Balsamo nach Russland kam, war er als „Graf Cagliostro“ bereits in Europa weit bekannt. Er lebte das gepflegte Leben eines berühmten Hofmagiers, psychischen Heilers und Alchimisten. Nachdem er einige Jahre in London verbracht hatte, machte er sich auf den Weg nach Russland, in der Hoffnung, dort reichere und mächtigere Narren zu finden.

Cagliostro hatte zwar grobe Manieren, schrieb und sprach mit vulgären Vokabeln, besaß jedoch, wie sich ein Zeitgenosse in Russland erinnert, „die außerordentliche Fähigkeit, die Aufmerksamkeit der Zuhörer stundenlang aufrechtzuhalten.“

Im Jahr 1779 kam Cagliostro schließlich nach Sankt Petersburg und stellte sich als Arzt vor. In der Hoffnung, sich einen Namen zu machen, nahm er alle Patienten, ob arm oder reich, auf. Cagliostro führte auch „Geistersitzungen“ durch und versprach, die Goldstücke der Menschen zu vervielfältigen. Diesen Streich spielte er sogar dem mächtigen Grafen Potjomkin, dem Liebhaber von Katharina der Großen und wichtigstem Staatsbeamten jener Zeit. Potjomkin hatte zu der Zeit eine Affäre mit Cagliostros Frau Lorenza Seraphina.

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Die Seifenblase von Cagliostros angeblichen “magischen Fähigkeiten” platzte, als er versprach, den todkranken, gerade erst geborenen Sohn des wohlhabenden und einflussreichen Fürsten Gagarin zu heilen. Cagliostro nahm das Baby für zwei Wochen zu sich nach Hause um danach der glücklichen Mutter ein gesundes Kind zurückzubringen. Das Problem bestand allerdings darin, dass es sich dabei um ein anderes Baby handelte. Die Fürstin Gagarina berichtete ihren Freunden über diesen Schwindel und irgendwie kam auch der Zarin diese Nachricht zu Ohren.

Daraufhin verurteilte der Ärzterat Cagliostro wegen übler Täuschung und Verunglimpfung des Arzt-Berufes. Zudem wurde Katharina sehr eifersüchtig, als sie über die Affäre zwischen Potjomkin und Cagliostros Frau erfuhr. Der Italiener wurde umgehend des Landes verwiesen. Etwa fünf Jahre später machte Katharina Cagliostro zur zentralen Figur in der beliebten und erfolgreichen Kömödie “Der Betrüger”.

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3 Daniel Home: Der “schwebende” Betrüger

Daniel Home

Der Amerikaner mit schottischen Wurzeln Daniel Home, veranstaltete seit seinem 18. Lebensjahr Geistershows und Zaubervorstellungen. Sein berühmtestes Kunststück war jedoch das Schweben. Obwohl er mehrfach von amerikanischen Ärzten und Wissenschaftlerin untersucht wurde, musste er dennoch jedes Mal vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen werden.

Im Juli 1858 gab Home in Sankt Petersburg eine Vorstellung in Gegenwart von Zar Alexander II. Der Tisch schwebte, um den Raum herum erklangen geisterhafte Stimmen. Der Herrscher war begeistert und es folgten weitere Vorstellungen. Wie viele von Homes’ Gönnern bezahlte auch die Zarenfamilie nicht mit Geld für dessen Vorstellungen, sondern honorierte diese mit großzügigen Geschenken, wie teurem Schmuck.

Es gab neben dem Geld noch etwas, was Home nach Russland zog - die Frauen. Seine erste Ehe mit einer Russin fand durch deren viel zu frühen Tod im Jahre 1862 ein jähes Ende. Im Jahre 1871 heiratete er erneut eine Russin, die wohlhabende Julia Gloumeline. Kurz danach beendete er seine Vorstellungen, wofür sein Familienleben sicher nicht der wichtigste Grund war.

Im Jahre 1871 wurde auf Initiative von Sankt Petersburger Wissenschaftlern eine Kommission zusammengerufen, die Homes psychisches Verhalten untersuchen sollte. Vor dieser gelang es ihm nicht, auch nur ein einziges seiner Experimente erfolgreich durchzuführen. Nach seiner Rückkehr nach London bezichtigten ihn Sankt Petersburger Zeitungen des Betrugs. Da es keine Berichte über Vorstellungen von Home nach 1871 gibt, ist unklar, ob die Ereignisse in Russland seine Karriere zerstört haben oder ob seine neue Frau in der Lage war, ihn finanziell so zu unterstützen, dass er keine Auftritte mehr machen musste. Offiziell beendete er seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Er starb 15 Jahre später in Paris.  

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