Vier geheime Liebschaften der russischen Zaren

Die Affäre von Matilda Kschessinskaja mit Nikolaus II. ist jüngst mit Lars Eidinger (auf dem Bild) in der Rolle des letzten russischen Zaren verfilmt worden.

Die Affäre von Matilda Kschessinskaja mit Nikolaus II. ist jüngst mit Lars Eidinger (auf dem Bild) in der Rolle des letzten russischen Zaren verfilmt worden.

kinopoisk.ru
Am 3. April feierte das Filmdrama „Matilda“ von Alexej Utschitel beim internationalen Serien-Wettbewerb in Cannes seine Premiere. Das Drama handelt von der Beziehung des Zaren Nikolaus II. und der berühmten Ballerina Matilda Kschessinskaja. Doch dies ist nicht die einzige Liebesgeschichte in der Geschichte der russischen Zaren.

1. Paul I. und Anna Lopuchina

Foto: Vladimir Borovikovsky, Stepan ShchukinFoto: Vladimir Borovikovsky, Stepan Shchukin

Der Sohn von Katharina II. war Großmeister des Souveränen Malteserordens und verstand sich als echter Ritter. Und als solcher brauchte er eine Herzensdame. Seine Wahl fiel 1798 auf die damals zwanzigjährige Fürstin Anna Lopuchina. Eine Zeitgenossin beschrieb sie wenig freundlich: „Lopuchina hat ein hübsches Gesicht, ist aber klein gewachsen, schlecht gebaut, hat einen eingefallenen Busen und keine Manieren.“

Doch Paul vergötterte sie. Lopuchina schwärmte vom Walzer, also hob der Zar das Walzerverbot in seinem Palast auf. Er benannte Schiffe nach ihr und führte eine karmesinrote Uniform für Offiziere ein – die Lieblingsfarbe von Anna. Seinen Michailowski-Palast ließ er hell-ziegelrot streichen, inspiriert von den Handschuhen seiner Liebsten.

Als die Fürstin ihm gestand, sie liebe einen anderen, benahm er sich ritterlich und arrangierte ihre Hochzeit mit dem Auserkorenen, dem Prinzen Pawel Gagarin. Doch ob das das Ende ihrer Affäre war? Bis zum Tode Pauls im März 1801 führte eine Geheimtreppe im Michailowski-Palast in Anna Lopuchinas Appartement.

2. Alexander I. und Maria Naryschkina  

Foto: Stepan ShchukinFoto: Stepan Shchukin

Maria Naryschkina, die aus einer polnischen Adelsfamilie stammte, gewann das Herz von Alexander I. „Ihre vollkommene Schönheit war unglaublich“, schrieb der bekannte Chronist Filipp Vigel. Ihre idealen Gesichtszüge und makellose Figur hätten ihre stets schlichten Kleider noch unterstrichen, heißt es.

Naryschkina trug keinen Schmuck und erschien bei höfischen Tanzabenden immer in einem schlichten weißen Kleid. Als Mätresse des Zaren erhob sie nie Ansprüche auf eine Ehe, mischte sich nicht in die Politik ein und nutzte auch ihre Position nicht aus, um reich zu werden. Alexander gab sich kaum Mühe, die Beziehung geheim zu halten, und eröffnete Bälle stets mit einer Polonaise mit Maria.

Nach 13 Jahren endete die Liebschaft 1814. Auf wessen Initiative, ist unklar. Genauso unklar ist die Vaterschaft von Naryschkinas fünf Kindern. Es heißt, auf die Frage des Zaren nach dem Wohlergehen der Kinder soll Naryschkinas Gatte, der Oberjägermeister Dmitri Naryschkin, geantwortet haben: „Welche Kinder meinen Sie, Ihre Majestät? Meine oder Ihre?“

3. Alexander II. und Jekaterina Dolgorukowa

Foto: ArchivbildFoto: Archivbild

Zar Alexander II. war 28 Jahre älter als seine Geliebte. Er lernte Katja während eines Besuchs bei ihrem Vater kennen, da war sie noch ein kleines Mädchen. Als Achtzehnjährige traf er sie im Sankt Petersburger Sommergarten wieder und verliebte sich bis über die Ohren. Von da an gingen sie öfter gemeinsam spazieren und trafen sich heimlich. Ab 1878 durfte die Fürstin beim Zaren im Winterpalast wohnen. Seitdem war das Paar unzertrennlich.

Als seine Gattin 1880 starb, ließ sich der Zar nur einen Monat später mit Jekaterina trauen. Er gab ihr den Titel der Durchlaucht Fürstin Jurjewskaja und legitimierte ihre drei Kinder als die seinen. Doch das Eheglück währte nicht lang: Am 1. März 1881 verstarb der schwer verletzte Zar nach einem Bombenattentat in den Armen seiner jungen Frau. Die Fürstin, erst 33 Jahre alt, heiratete nie wieder.

1959 wurde die Liebesgeschichte in Frankreich verfilmt. Die Hauptrolle der Fürstin in dem Film „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ spielte Romy Schneider.

4. Nikolaus II. und Matilda Kschessinskaja

Foto: Archivbild/RIA NowostiFoto: Archivbild/RIA Nowosti

Die Liebesbeziehung setzte ungewollt der Vater des Thronfolgers in Gang, als er die Absolventin der Choreografieschule bei einem Gala-Essen neben den Sohn setzte. Der 22-jährige Nikolaus, der bis dahin noch keine Liebesaffäre geführt hatte, war sogleich gänzlich hingerissen. „Die kleine Kschessinskaja liegt mir am Herzen …“, gestand er seinem Tagebuch. Und im Journal der 18-jährigen Ballerina heißt es: „Ich verliebte mich in den Thronfolger bei unserem ersten Treffen (…). Das Gefühl überschwemmte mich, ich konnte nur an ihn denken“.

Nikolaus kaufte Kschessinskaja eine Stadtvilla in Sankt Petersburg, wo sie sich ungestört treffen konnten. Die Liebesbeziehung währte vier Jahre bis zur Heirat des Zaren im Jahr 1894. Danach gingen sie getrennte Wege: Der letzte Zar ging in schrecklichen Umbrüchen unter, während Matilda sich als brillante Ballerina und  Salonlöwin behauptete, gleichzeitig ein Liebesverhältnis mit zwei Großfürsten führte und nach Paris zog, wo sie 1971 starb – neun Monate vor ihrem 100. Geburtstag.

Die Affu00e4re von Matilda Kschessinskaja mit dem letzten russischen Zaren ist ju00fcngst mit Lars Eidinger (auf dem Titelbild) in der Rolle des Nikolaus II. verfilmt worden. In u201eMatildau201c von Regisseur Alexej Utschitel gibt es noch eine zweite deutsche Besetzung: Eidingers Schauspielkollegin Luise Wolfram spielt die Zarengattin Alexandra Fjodorowna.

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