Das „Koltschak-Gold“: Auf der Suche nach dem Schatz des Russischen Reiches

„Flucht der Weißen Armee von Admiral Koltschak aus Sibirien“, Karikatur,1927, unbekannter Autor

„Flucht der Weißen Armee von Admiral Koltschak aus Sibirien“, Karikatur,1927, unbekannter Autor

Fai/Legion Media
Das Schicksal der Goldreserven des Russischen Reiches fasziniert immer noch viele Forscher. Noch immer suchen sie nach dem russischen Gold im heutigen Wert von etwa 3,2 Milliarden Euro. Aber gibt es das überhaupt oder jagen sie einem Geist hinterher?

Koltschaks Gold sollte auf der Jamal-Halbinsel gesucht werden, Karren mit Koltschaks Gold könnten in der Altai-Region gefunden worden sein, Koltschaks Gold wird im Baikalsee gesucht - das sind Schlagzeilen der Nachrichten aus den letzten Jahren über die Suche nach dem Gold des russischen Imperiums. Es wurde „Koltschaks Gold“, nach dem Anführer der weißen antibolschewistischen Bewegung in Sibirien während der Jahre des russischen Bürgerkriegs, Admiral Koltschak, benannt.

Die Goldreserve des russischen Reiches fielen im November 1918 in seine Hände, als er die demokratische Regierung stürzte und in Sibirien eine diktatorische Herrschaft aufstellte, die von den „Triple Entente“-Verbündeten unterstützt wurde. Aufgrund der Bedrohung der Stadt von deutscher Seite wurde das Gold im Ersten Weltkrieg aus der damaligen Hauptstadt Petrograd (heute Sankt Petersburg) evakuiert.

>>>Admiral Koltschak: Russischer Patriot oder britischer Spion?

In Drachmen und Pesos

„Die dem Admiral zur Verfügung stehende Gesamtmenge an Gold wurde auf 645,4 Millionen Rubel* (etwa 147,2 Millionen Euro) geschätzt. Physisch wog das Gold, das hauptsächlich aus Münzen und Barren zusammen mit einer kleinen Menge Rohlinge bestand, annähernd 490 Tonnen“, behauptet der russische Historiker Oleg Budnizki. Außer russischen kaiserlichen Goldrubeln gab es Münzen aus 14 anderen Ländern, darunter deutsche Mark, griechische Drachmen, britischer Sovereign, amerikanische Dollar, französische Franken, japanische Yen und sogar chilenische Pesos.

Admiral Koltschak verlor jedoch seinen Kampf und wurde Anfang 1920 in der sibirischen Stadt Irkutsk seinen politischen Gegnern übergeben. Auf der Flucht vor der sowjetischen Offensive wurde er von Vertretern fremder Länder betrogen, die zuvor seinen Kampf gegen die Bolschewiki unterstützten. Die tschechoslowakischen Legionäre (ehemalige Kriegsgefangene aus Österreich, die zuerst ihre Bajonette gegen Wien und Berlin erhoben, sich dann aber in den russischen Bürgerkrieg einmischten) übergaben ihn zusammen mit dem Großteil der alten Goldreserven, um ihre problemlose Ausreise aus Russland zu gewährleisten.

Koltschak wurde erschossen und die Bolschewiki erhielten rund 410 Millionen Goldubel* (etwa 94 Millionen Euro). Die Frage, die viele Forscher nun für über ein Jahrhundert verwirrt, ist, was mit dem restlichen Gold geschah, das ungefähr 235 Millionen Euro wert war? Wo soll man danach suchen?

>>>Schicksalsjahr 1917: Wer trägt die Schuld am russischen Bürgerkrieg?

In der Tschechischen Republik?

Es gab anhaltende Gerüchte, dass ein Teil des Goldes von den Tschechoslowaken gestohlen wurde. Wladimir Nowitzki, Ex-Finanzminister während Koltschaks Regierung, behauptete, dass diese etwa 63 Millionen Goldrubel* (etwa 14,4 Millionen Euro) entwendet hätten. Es wird argumentiert, dass, nachdem die Legionäre nach Hause zurückgekehrt sind, sie eine Bank gegründet haben (auf Russisch), aber es scheint keine Beweise zu geben, die eine tschechoslowakische Bank mit „Koltschaks Gold“ verbinden könnten.

Am Grund des Baikalsees?

Es gibt eine Theorie, dass der Zug mit dem von den Tschechoslowaken gestohlenen Gold Wladiwostok nie erreicht hat. Er entgleiste laut einigen Berichten (auf Russisch) entlang des Baikalsees durch eine Lawine, die von lokalen Bolschewiki provoziert wurde, und riesige Felsen stießen die Eisenbahnwagen in den See.

Diese Spekulationen wurden vor einigen Jahren bekräftigt, als im Baikalsee einige Waggons entdeckt wurden. Es gab Hinweise darauf, dass dies der Zug mit „Koltschaks Gold“ war. Die kleinen russischen Forschungs-U-Boote „Mir“ wurden verwendet, um das Wrack zu erkunden, es wurde jedoch nichts gefunden.

In Russlands Fernen Osten?

Gemäß einer anderen Version hat es der Zug mit dem Gold tatsächlich nach Wladiwostok geschafft, aber aus unbekannten Gründen konnte das Gold den Hafen nie verlassen. Es soll also immer noch am Grund des Solotoi Rog liegen. Als eine geomagnetische Untersuchung im Frühjahr 2017 eine Reihe versunkener Schiffe in der Bucht zeigte, begannen sofort die Gespräche über „Koltschaks Gold“. Es ist wahrscheinlich unnötig zu sagen, dass bisher nichts gefunden wurde.

Existiert das Gold überhaupt?

Der interessanteste Bericht wurde vom Historiker Oleg Budnizki veröffentlicht. Er behauptet, „Koltschaks Gold“ existiere seit den 1950er Jahren nicht mehr. Es wurde nicht gefunden, es wurde schlichtweg ausgegeben.

Die Sache ist, dass der Großteil der fehlenden 235 Millionen*, nämlich 195 Millionen Goldrubel* (etwa 54,4 beziehungsweise 44,8 Millionen Euro), vom Admiral ins Ausland geschickt wurde. Das Gold wurde in japanischen, britischen und amerikanischen Banken als Sicherheit für Kredite hinterlegt. Koltschak nutzte diese Kredite, um Waffen und Munition zu kaufen. Außerdem wurden 44 Millionen Goldrubel* (etwa 10,1 Millionen Euro) auf dem Weg nach Wladiwostok von einem anderen sibirischen Kriegsherrn, Ataman Semjonow, gestohlen. Er hat es wiederum ausgegeben, um den Kampf gegen die Bolschewiki zu finanzieren.

Das Gold in den Banken wurde größtenteils verkauft, um die Kredite zu decken. Was übrig blieb, gaben russische Emigranten für die dringende Aufgabe der Wiederansiedlung von Mitgliedern der Weißen Bewegung in Europa aus. Diese Gelder waren in den späten 1950er Jahren aufgebraucht, behauptet der Historiker.

*Ein zaristischer Goldrubel entspricht heutzutage etwa 16 Euro.

>>>Wie sammelt man Geld für eine Revolution? Lernen Sie von den Bolschewiki!

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen