Kommunismus und Kultur: Wie russische Einwanderer die USA beeinflusst haben

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Einige der russischen Neuankömmlinge verbreiteten durch ihre revolutionären Ideen Angst und Schrecken. Andere begeisterten die Amerikaner mit der reichen russischen Kultur.

Russische Einwanderer zog es schon früh in die USA. Bei der ersten Volkszählung dort im Jahr 1790 waren es mehr als 10 000. 

Jede soziale oder politische Umwälzung im russischen Reich löste eine massive Auswanderungswelle aus. Die USA galten von jeher als Ziel für diejenigen, die auf der Suche nach Freiheit und einem besseren Leben waren. Die Polen verließen ihr Land nach der Niederschlagung der polnischen Aufstände und auch Juden, Armenier und natürlich die Russen zog es nach Übersee, ganz gleich, ob es Bauern waren, Intellektuelle oder die verfolgten Angehörigen religiöser Minderheiten.  

Von 1820 bis 1870 wanderten lediglich 7 500 Russen in die USA ein. Danach stieg ihre Zahl sprunghaft an. Bei der US-Volkszählung 1920 wurden 392 049 in Russland geborene US-Bürger ermittelt.

Als Russland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend mit Unruhen und Gewalt zu kämpfen hatte, wanderten immer mehr Menschen aus politischen Gründen in die USA aus. Den Kopf voller revolutionärer Ideen, spielten die russischen Einwanderer gemeinsam mit Gleichgesinnten aus Deutschland und Italien eine große Rolle bei der Verbreitung radikalen, anarchistischen und linken Gedankengutes in den USA. Die aus Litauen, damals Teil des russischen Reichs, stammenden Emma Goldman und Alexander Berkman waren die bedeutendsten anarchistischen Ideologen ihrer Zeit. 

Die Niederlage der russischen Revolutionäre 1905 führte noch mehr ihrer Vertreter in die USA. 1908 wurde in New York eine der größten und einflussreichsten politischen Vereinigungen russischer Einwanderer gegründet - die Union der russischen Arbeiter (Union of Russian Workers), die aktiv den Anarchismus propagierte. 

In den späten 1910er Jahren war diese radikale, von Russen geprägte Bewegung in den USA so stark, dass im Land die „Rote Angst” umging. Die Amerikaner fürchteten Aufstände vergleichbar der bolschewistischen Revolution von 1917.  

Infolgedessen ordnete die Regierung landesweit Massenverhaftungen von „Anarcho-Kommunisten“ an. Diese sogenannten Palmer Raids (zu Deutsch: Palmer-Razzien) wurden von 1919/ 1920 von Generalstaatsanwalt A. Mitchell Palmer und seinem damaligen Assistenten Edgar Hoover, der später der erste FBI-Direktor werden sollte, organisiert. Einer der russischen Einwanderer, der Schriftsteller Iwan Okunzow, schrieb in seiner Veröffentlichung „Russian Immigrants into North and South America “ (zu Deutsch: Russische Einwanderer in Nord- und Südamerika): „Nach den Palmer Raids wurde das Leben für die Russen unerträglich schwer. Jedem Russen wurde mit Argwohn begegnet, ganz gleich, welche politischen Ansichten er vertrat. Grundlos wurden Russen aus den Fabriken entlassen.” 

Tausende wurden zudem deportiert. Am 21. Dezember 1919 verließ das Passagierschiff „USAT Buford” mit 249 Radikalen an Bord den Hafen von New York in Richtung Sowjetrussland. Es war ein US-amerikanisches „Weihnachtsgeschenk für Lenin und Trotzki“. Auf der „sowjetischen Arche” wie die Presse das Schiff nannte, befanden sich auch Goldman und Berkman.

USAT Buford

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Doch es waren nicht nur radikale Revolutionäre, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die USA auswanderten. Zahlreiche Künstler, Dichter, Autoren und Wissenschaftler mussten nach der Revolution von 1917 ihre Heimat verlassen und ließen sich in Nordamerika nieder. Diese sogenannten weißen Emigranten haben die geringschätzende Meinung der US-Amerikaner über Russen sehr verändert. 

Die 1920er Jahre waren die Hochzeit der russischen Kultur in den USA. Prominente russische Kulturschaffende, die Amerika als ihre neue Heimat gewählt hatten, etwa der berühmte Komponist Sergei Rachmaninow oder der Maler Nicholas Roerich, organisierten erfolgreiche Ballett-, Opern- und Theateraufführungen sowie Kunstausstellungen.

Sergei Rachmaninow

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