Besuchen Sie das schönste Museum in der Region Moskau (FOTOS)

Geschichte
JEKATERINA SINELSCHTSCHIKOWA
Ohne Schnörkel und Pathos, in unschuldigem Weiß, präsentiert sich ein neues Museum zum Gedenken an eine sowjetische Partisanin des Zweiten Weltkriegs. Diese Architektur gefällt jedoch nicht jedem.

Medien und Blogger haben den Soja-Kriegsdenkmalkomplex im Dorf Petrischtschewo in der Nähe von Moskau als das „schönste“ Museum bezeichnet: Seit Mai 2020 steht ein minimalistisches schneeweißes Gebäude an der Stelle, an der die junge Partisanin Soja Kosmodemjanskaja hingerichtet wurde. Sie wurde später von den sowjetischen Behörden zur Märtyrerin stilisiert. 

Wer war Soja? 

Die sowjetische Rote Armee setzte im Zweiten Weltkrieg nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder in vollem Umfang ein. Zehntausende Minderjährige schlossen sich den Reihen des Widerstands an, den sogenannten Geheimdienst- und Sabotageeinheiten.

Nach der erfolgreichen Sprengung einer Straße wurde eine Gruppe von Jungen und Mädchen, darunter die achtzehnjährige Soja, die Tochter einer sowjetischen Lehrerfamilie, zu einem neuen Kampfeinsatz in ein Gebiet in der Nähe von Moskau gebracht. Zehn Dörfer sollten angezündet werden, und das innerhalb von fünf bis sieben Tagen. Der Befehl zur Bildung von Brandstiftungsteams war von Josef Stalin unterzeichnet worden. Er wollte nicht, dass die Deutschen die Möglichkeit bekamen, sich in warmen Häusern in besetzten Dörfern und Städten niederzulassen. Sie sollten im Freien erfrieren.  

Die Gruppe zündete erfolgreich mehrere Gebäude im Dorf Petrischtschewo an, aber als sie versuchte, einen weiteren Brand zu legen, wurde Soja gefangen genommen. Augenzeugenberichten zufolge wurde sie entkleidet und mit Gürteln ausgepeitscht. Nur in Unterwäsche musste sie bei den eisigen Temperaturen die Straße entlang marschieren.  Ihre Füße erfroren. Sie wurde in diesem Zustand bis zum nächsten Morgen in einem Haus im Dorf gefangen gehalten und dann mit einem Brett mit der deutschen und russischen Inschrift „Brandstifter“ um den Hals aufgehängt. Einen ganzen Monat hing sie an ihrem Galgen. Im Dezember zogen betrunkene deutsche Soldaten dem Leichnam die restlichen Kleider aus und schnitten Soja eine Brust ab. Erst danach konnte sie außerhalb des Dorfes bestattet werden. 

Das ist das, was man mit Sicherheit über die Geschichte von Soja Kosmodemjanskaja weiß. Im Februar 1942 war sie die erste Frau, die posthum den Titel einer Heldin der Sowjetunion erhielt. Die Behörden sahen in ihrer Geschichte ein enormes ideologisches Potenzial, um den Kampfgeist der Roten Armee zu stärken. Diese Märtyrerin unter den Partisanen als Beispiel für das Heldentum des sowjetischen Volkes wurde schnell zu einer Ikone erhoben und ihr Schicksal weithin bekannt gemacht. Jeder in der Sowjetunion kannte Sojas Geschichte.  

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„Wir wurden für den Stil kritisiert.“

Das neue Museum befindet sich 200 Meter von dem Ort entfernt, an dem Soja ursprünglich begraben wurde. Die acht Teile des Museums sind durch ein auf Säulen gesetztes Vordach verbunden, und während der Besucher sich zwischen den Exponaten bewegt, kann er auf das Dorf und offene Felder blicken.  

Ein schneeweißes Museum inmitten offener Felder - es ist kein zufälliger Entwurf, sondern eine bewusste Entscheidung der Architekten.

„Wir wurden für unseren gewählten Stil kritisiert. Uns wurde gesagt, dass Architektur dieser Art diesen tragischen Kriegsereignissen nicht gerecht werde. Aber wir sind anderer Ansicht und wollen gar nicht, dass das Gebäude diese Geschehnisse widerspiegelt. Aus unserer Sicht steht das Museum für Sojas alleinige Geschichte. Es sollen keine weiteren Aspekte hinzukommen“, sagt der Architekt Andrei Adamowitsch.

Wenn Sie aus dem Raum kommen, der einzig Soja Kosmodemjanskaja gewidmet ist, sehen Sie auf der einen Seite den Ort der Hinrichtung und auf der anderen das Haus, in dem sie gefoltert wurde.

Insgesamt gibt es im Museum sechs interaktive Ausstellungsräume, und nicht alles darin hat einen direkten Bezug zu Soja. Die Exponate erzählen vor allem die Geschichte ihrer Generation, die in so jungen Jahren in den Krieg ziehen musste. Ein Raum mit einer Rekonstruktion eines Klassenzimmers enthält Aufzeichnungen einer militärischen Ankündigung und von Projektilen im Flug, in einem Raum werden die winterlichen Temperaturen nachgeahmt und ein Film erzählt von der Schlacht um Moskau. Die Leinwand ist hinter einem lebensgroßen Modell eines Panzers angebracht. 

In einem Raum, der einer Armeekantine nachempfunden ist, werden Briefe von der Front gezeigt und Tonaufzeichnungen von Sojas Verwandten und Zeitgenossen abgespielt.  

Im minimalistischen Café des Museums gibt es neben Latte und Muffins auch ein Mittagessen im Stil einer Feldküche der 1940er Jahre: Karotten-Tee und Kulesch (eine sämige Fleischsuppe).

Der Minimalismus und die schnörkellose Umgebung zieht nicht nur Fans von Soja und Geschichtsinteressierte an, sondern auch Fotografen und Blogger. Seit der Eröffnung des Soja-Museums fanden hier schon mehrfach Mode-Shootings statt. 

Wohlgemerkt, das Kulturministerium der Region Moskau sieht in dieser Art von Aufmerksamkeit nichts Falsches. „Es war nicht unsere Absicht, die Modewelt oder ein anderes entsprechendes Publikum anzuziehen. Aber die Tatsache, dass das Gebäude offenbar sehr attraktiv wirkt und Leute hierherkommen, um Fotos zu machen, ist auch eine gute Sache“, sagte (rus) die Ministerin Jelena Charlamowa.