Die Vorgeschichte der Länder, die zusammen heute als Russland bekannt sind, ist dunkel und voller Unsicherheiten. Vor dem 6. Jahrhundert n. Chr. gibt es keine Aufzeichnungen oder Quellen über die Geschichte dieser Gebiete. Somit stammen alle Informationen aus archäologischen Artefakten oder mündlichen Überlieferungen, die stark umstritten sind. In diesem Artikel stellen wir harte Fakten und Hypothesen zusammen.
Das Arier-Volk der Jamnaja-Kultur (4. bis 3. Jahrtausend v. Chr.)
Getty Images
Die Indoeuropäer waren weder eine Rasse noch eine ethnische Gruppe - sie waren Menschen mit proto-indoeuropäische Sprachen. Das ist alles, was wir mit Sicherheit über sie wissen - und diese Tatsache wurde von Sprachwissenschaftlern nachgewiesen. Im 4. bis 3. Jahrtausend v. Chr. lebten die Indoeuropäer in der pontisch-kaspischen Steppe.
Archäologische Funde zeigen, dass diese Menschen der archäologischen Kultur der Jamnaja angehörten, die auch als Grubengrabkultur oder Ockergräberkultur bekannt ist. Dies bedeutet, dass sie ihre Toten in Gruben unter Grabhügeln (Kurganen) in Rückenlage und mit gebeugten Knien begruben. Die Leichen wurden mit Ocker bestreut. In diesen Gräbern wurden Überreste von domestizierten Kühen, Pferden und Schweinen sowie Teile von antiken Karren gefunden, die auf das Jahr 3200 v. Chr. datiert werden.
Nach den sprachlichen Zeugnissen zu urteilen, gehörten diese Menschen der Arier-Kultur an und waren indo-iranischen Ursprungs. Sie waren in Südosteuropa beheimatet, wovon die Tatsache zeugt, dass ihre Sprache Begriffe für Löwe, Affe und Leopard enthielt. Wissenschaftler glauben, dass die pontische Steppe der Ort war, an dem sich die Indo-Iraner (Arier) im dritten Jahrtausend v. Chr. in zwei verschiedene Zweige aufspalteten.
XVodolazx (CC BY-SA 3.0)
Der erste Zweig, die Indo-Arier, wanderte später östlich des Kaspischen Meeres und erreichte schließlich Indien und die westlichen Teile des heutigen China. Der zweite Zweig, die Iraner, wanderten südlich und westlich des Kaspischen Meeres und bildeten später ihren ethnischen Staat - Iran (Persien). Das Wort „Iran“ taucht erstmals als airyānąm im Avestischen (einer frühen iranischen Sprache) auf und bedeutet wörtlich „das Land der Arier“.
Schnurkeramik- bzw. Streitaxtkultur ( 2. Jahrtausend v. Chr.)
Lon Scot
Die Schnurkeramik-Kultur des 2. Jahrtausends v. Chr. besiedelte einen großen Raum in Europa vom Rhein bis zur Wolga. Ihre Sitten und Gebräuche haben ihre Wurzeln in der Jamnaja-Kultur, und ihre Bewohner gelten als Vorläufer der baltischen und slawischen Stämme. Die Schnurkeramikkultur zeichnete sich durch zwei Hauptmerkmale aus: Die Männer wurden mit einer Streitaxt begraben, und es wurden verschiedene Arten von Schnurkeramik verwendet.
Aslar73
Diese proto-europäische Kultur brachte viele Subkulturen regionalen Ursprungs hervor. Diese Menschen jagten und domestizierten Waldtiere und führten oft Kriege gegeneinander. Auf den Feldern, außerhalb der Grabstätten, wurden zahlreiche Streitäxte gefunden, was auf militärische Auseinandersetzungen hindeutet.
Uralische Völker (6. bis 4. Jahrtausend v. Chr.)
Alexander Rjumin/TASS
Völlig unabhängig von den indoeuropäischen Völkern tauchten irgendwo im Uralgebirge im 6. bis 4. Jahrtausend v. Chr. Menschen auf, die die alte uralische Sprache (Proto-Uralisch) sprachen. Ihre Sprache hatte Wörter für Fichte, Kiefer, Tanne, sibirische Zeder, Rentier, Zobel, Marder - die offensichtlich ihre Umgebung beschrieben.
Diese Menschen waren Fischer und Jäger. Sie benutzten Netze und Dämme, aber auch Pfeil und Bogen. Sie hatten noch nicht gelernt, Tiere zu zähmen, hielten aber Hunde. Als Transportmittel benutzten sie Boote und Skier sowie Schlitten für den Transport ihrer Beute.
Die Menschen, die Proto-Uralisch sprachen, spalteten sich später in finno-ugrische und samojedische Völker auf. Diese Stämme bewohnten das zentrale und östliche Zentralrussland sowie das Gebiet östlich des Uralgebirges. Im 2. bis 1. Jahrtausend v. Chr. begannen sie, mit den balto-slawischen Stämmen Mitteleuropas zu kommunizieren.
Skythen (1. Jahrhundert v. Chr.)
Janmad (CC BY 3.0)
Die Skythen waren ein antikes Nomadenvolk, das im 7. bis 3. Jahrhundert v. Chr. die pontische Steppe beherrschte. Sie zeichneten sich durch die Art der Bestattung ihrer Krieger aus, die den so genannten skythischen Dreiklang - Waffen, Pferdezaumzeug und Schmuck - umfasste.
Der Name der Skythen bedeutet grob übersetzt „Schützen“. Sie werden in schriftlichen historischen Aufzeichnungen des Nahen Ostens und des antiken Griechenlands häufig erwähnt, vor allem bei Herodot. Im 7. Jahrhundert v. Chr. fielen die Skythen in Medina, Syrien und Palästina ein und „dominierten“ laut Herodot den Nahen Osten. Ihre Heimat blieb jedoch in der pontischen Steppenregion. Neben militärischen Eroberungen trieben sie mit der hellenischen Welt regen Handel mit Vieh, Brot, Pelzen, Schmuck und Luxusartikeln sowie Sklaven.
Dmitrij Wan'kewitsch (CC BY-SA 3.0)
Die Skythen bildeten eine Ansammlung von Stämmen, die von Königen regiert wurden. Eine ihrer Hauptstädte befand sich in der Oblast Saporischschja in der heutigen Ukraine. Eine weitere spätere Hauptstadt, die skythische Neapolis, befand sich auf der Halbinsel Krim, in der Nähe des heutigen Simferopol.
VoidWanderer (CC BY-SA 4.0)
Dieses späte skythische Königreich bestand bis zum 3. bis 4. Jahrhundert n. Chr. und wurde von den Goten zerstört. Schließlich lösten sich die Skythen während der Barbareninvasionen des 4. bis 6. nachchristlichen Jahrhunderts auf.