Die größte EXPO im Russischen Reich (FOTOS)

Russia Beyond (Foto: Maxim Dmitriew; Gemeinfrei)
Im Jahr 1896 fand in Nischni Nowgorod, der wichtigsten Handelsstadt des Landes, die größte Industrie- und Kunstausstellung in der Geschichte des zaristischen Russlands statt. So sah sie aus.

Zentraler Pavillon der Ausstellung.

Einer der wichtigsten Handelsplätze des Russischen Reiches war die Messe von Nischni Nowgorod. Kaufleute aus dem ganzen Land kamen dorthin, ebenso wie riesige Karawanen aus Europa und Asien. Sie sah aus wie eine Stadt in der Stadt und nahm eine große Fläche am Zusammenfluss von Wolga und Oka ein.  

Das Hauptgebäude der Messe in Nischni Nowgorod.

In den späten 1890er Jahren begann die Popularität der Messe in Nischni Nowgorod zu sinken, so dass die Regierung des Landes beschloss, eine Großveranstaltung zu organisieren, die neue Investitionen anziehen sollte. Auf der Grundlage der Messe in Nischni Nowgorod wurde 1896 die XVI. Allrussische Industrie- und Kunstausstellung organisiert.  

Ausstellungshallen.

Es handelte sich um die größte Ausstellung in der Geschichte des Russischen Reiches, die von Zar Nikolaus II., der zwei Jahre zuvor den Thron bestiegen hatte, persönlich gefördert wurde. 

Ausstellungsfläche.

Die Ausstellung dauerte von Ende Mai bis Oktober 1896. Auf einer Gesamtfläche von 84 Hektar wurden mehr als hundert Gebäude und Ausstellungshallen errichtet, darunter für Berg- und Hüttenwesen, die Marine, das Industriewesen, Gartenbau, Obst- und Gemüseanbau, Kunstgewerbe, Handwerk, Spirituosen... und das ist nur ein Teil der Liste.

Ausstellungshalle für Gartenbau, Obst- und Gemüseanbau.

Der architektonische Gesamtplan der Ausstellung wurde von Alexander Pomeranzew ausgearbeitet. Er entwarf auch mehrere Gebäude, darunter die kaiserlichen Ausstellungshalle in Form eines geschnitzten Holz-Terems.

Kaiserlicher Ausstellungshalle im russischen Stil.

Eine der ersten Straßenbahnen des Zarenreichs wurde eigens für das Messegelände gebaut.

Ausstellungshallen und Straßenbahn der Messe.

Einer der Höhepunkte der Messe war die erste öffentliche Präsentation von Stahlgitterkonstruktionen des Ingenieurs Wladimir Schuchow – die erste Hyperboloidkonstruktion der Welt – der Schuchow-Turm.

Schuchow präsentierte auch die erste Stahlseilnetz-Konstruktion der Welt – diese wurde als separate Ausstellungshalle, der Schuchow-Rotunde, gebaut.

Schuchow-Rotunde.

Viele Privatunternehmen hatten ihre eigenen Ausstellungshalle – darunter die Gebrüder Jelissejew, berühmte Kaufleute, die ihre eigenen Dampfschiffe besaßen, sich an der Gründung der ersten russischen Aktienbank beteiligten und später Luxusmarkengeschäfte in Moskau und St. Petersburg eröffneten (letztere sind noch heute in Betrieb).

Ausstellungshalle der Jelissejew-Kaufleute.

Auch die Erdölgesellschaft der Gebrüder Nobel hatte eine eigene Ausstellungshalle, die dem Palast des Khans in Baku nachempfunden war. Ja, genau diese Adligen betrieben ein florierendes Erdölgeschäft in Baku (damals Teil des Russischen Reiches, heute Aserbaidschan) und unterhielten Lagerhäuser in verschiedenen Städten an der Wolga. 

Ausstellungshalle der Gebrüder Nobel.

Außerdem gab es auf der Messe eine eigene Abteilung für Zentralasien, um daran zu erinnern, dass die Messe in Nischni Nowgorod immer die wichtigste Handelsplattform für die Länder des Ostens war. Auf dem Messegelände gab es Strom und fließendes Wasser, aber auch einen Springbrunnen.

Zentralasiatische Ausstellungshalle und Springbrunnen.

Unglaubliche technische Innovationen wurden in der Maschinen-Ausstellungshalle präsentiert.

Maschinen-Ausstellungshalle von außen.
Im Inneren der Maschinen-Ausstellungshalle.

Der Höhepunkt der Messe war die Präsentation des ersten russischen Serienautos, das in Zusammenarbeit mit dem Jakowlew-Werk und der Fabrik des Erfinders Pjotr Freses entwickelt wurde. 

Das erste russische Auto.

Auch der Zar selbst nahm mit seiner Familie an der Ausstellung teil – drei Tage lang besichtigten sie die Ausstellungshallen. Für die erhabenen Gäste wurden auch allerlei Unterhaltungsmöglichkeiten, wie der Start eines Heißluftballons, organisiert.

Nikolaus II. und seine Familie beim Besuch des Ballonparks der Ausstellung.

Die gesamte Ausstellung umfasste ein umfangreiches Kultur- und Unterhaltungsprogramm mit Musik, Theater und Zirkus. 

Zirkus der Gebrüder Nikitin.

Michail Glinkas Oper Leben für den Zaren, in der der Star Fjodor Tschaljapin sang, wurde eigens für die Ausstellung inszeniert. 

Kunst-Ausstellungshalle.

Der „Produzent“ des Kunst-Ausstellungshalle war Sawwa Mamontow, ein Großunternehmer, Kunstmäzen und Kunstliebhaber, der auch viele Künstler einlud. Die Monumentalgemälde Die Prinzessin des Traums (das in der Öffentlichkeit einen Skandal auslöste) wurde von Michail Wrubel speziell für die Ausstellung gemalt.

Im Inneren der Kunst-Ausstellungshalle.

Nach vorsichtigen Schätzungen wurde die Ausstellung von etwa einer Million Menschen besucht, aber es hätte mindestens eine Woche gedauert, um alle Ausstellungshallen zu sehen. 

Die Spirituosenabteilung P. A. Smirnows .

Die Druckerei Scherer, Nabholz & Co. veröffentlichte nach der Ausstellung ein ganzes Album mit den Fotografien von Maxim Dmitrjew.

>>> Fabergé & Co.: Russische Marken aus der Zarenzeit und ihr Schicksal

>>> Fünf Fabriken der Zarenzeit, die es noch heute gibt

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Diese Webseite benutzt Cookies. Mehr Informationen finden Sie hier! Weiterlesen!

OK!