Zeigt das Anti-Tabak-Gesetz Wirkung?

Die Zahl der Raucher ist so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Die Zahl der Raucher ist so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Vladimir Astapkovich/RIA Novosti
Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen drei Jahren deutlich zurückgegangen. Liegt das an der Effizienz des 2013 eingeführten Anti-Tabak-Gesetzes oder macht die Wirtschaftskrise das Laster unerschwinglich?

„Inzwischen rauchen wir wirklich weniger“, erzählt Alexei, der in Moskau als Finanzanalyst arbeitet. „In meinem Freundeskreis rauchen eigentlich fast alle. Haben wir uns früher in einer Bar getroffen, waren die Schachteln im Handumdrehen leer. Jetzt müssen wir für jede Zigarette raus auf die Straße. Dazu sind wir aber oft zu faul. Das Gesetz funktioniert“, sagt er.

Zum Rauchen auf die Straße müssen Alexei und seine Freunde – wie auch Millionen andere Raucher in Russland – seit 2013. So will es das damals verabschiedete „Anti-Tabak-Gesetz“. Die seit drei Jahren geltende Norm schränkt die Freiräume der Raucher rigoros ein: Sie dürfen nur noch auf der Straße und in der eigenen Wohnung rauchen. Zudem ist seitdem jedwede Zigarettenwerbung verboten. Und: Die Tabaksteuern sind kontinuierlich gestiegen – von 1 000 Rubel pro Kilo (umgerechnet rund 13 Euro) 2013 auf 2 000 Rubel (26 Euro) 2016.

Deutlich weniger Raucher

Laut einer vom Allrussischen Meinungsforschungszentrum WZIOM in diesem Jahr durchgeführten Umfrage ist der Anteil der Raucher in der russischen Bevölkerung drei Jahre nach der Einführung des Anti-Tabak-Gesetzes so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr. Heute rauchen 31 Prozent der Russen – 2013 waren es 41 Prozent. Und davon gab ein Drittel an, weniger zu rauchen als vor wenigen Jahren.

„Heute gibt es mehr Menschen, die eine halbe Schachtel oder weniger pro Tag verbrauchen – statt einer ganzen wie früher“, sagt Marina Tschernowa, Leiterin des Programms für gesellschaftliche Gesundheit beim Internationalen Verband der Verbraucherschützer. Sie hält das Anti-Tabak-Gesetz für sehr effektiv: „Es ist eines der stärksten der Welt“, wie sie RBTH erklärt, es setze die Rahmenkonvention der Welthandelsorganisation zum Kampf gegen Tabakkonsum vollständig um.

Erfolg an dieser Entwicklung hat vor allem der wirtschaftliche Ansatz des Gesetzes: Mit der steigenden Tabaksteuer werde der Tabakkonsum für viele Jahr für Jahr weniger erschwinglich. Das freut auch den Fiskus: „Die Mehreinnahmen fließen direkt in den Staatshaushalt“, sagt die Expertin. „2015 hat der Staat im Vergleich zum Vorjahr 21 Prozent mehr Tabaksteuer eingenommen“, erklärt sie.

Die sinkenden Einkommen vieler Russen infolge der Wirtschaftskrise verstärken die Wirkung steigender Preise. Welcher dieser Faktoren die Bevölkerung mehr zum Verzicht auf das Rauchen bewegt, lässt sich laut Tschernowa nur schwer bestimmen. „Die restriktiven Regierungsmaßnahmen und der Einkommensrückgang wirken hier zusammen“, meint die Gesundheitsexpertin, die noch mehr fordert: „Auch wenn das momentane Tempo hilft, das Rauchen zu bekämpfen, sollten die Steuern noch schneller steigen“, meint Tschernowa.

Der Co-Vorsitzende der Vereinigung zum Schutz der Raucherrechte, Alexander Drus, stimmt der Gesundheitsexpertin in einem Punkt zu: Der wahre Grund für die rückläufigen Raucherzahlen sei nicht zu ermitteln. „Schwer zu sagen, ob die Leute wegen des Gesetzes oder wegen der Verarmung weniger rauchen. Ich rauche so weiter wie bisher“, sagte Drus RBTH.

Raucher sind unzufrieden

Die Vereinigung, der Drus vorsitzt, wurde gleich nach der Verabschiedung des Anti-Tabak-Gesetzes gegründet. Das Gesetz sei diskriminierend und verletze die Rechte der Raucher, meinen die Mitglieder der Vereinigung. Sie forderten mehrmals eine Gesetzesänderung, doch vergebens – die Regierung bleibt bei ihrer Maßnahme.

„Die Zigarettenpreise steigen ständig, wohin aber die Steuergelder fließen, bleibt unklar“, beklagt Drus. Der Lobbyist hält das Gesetz für den falschen Ansatz: „Es wäre wünschenswert, dass die Einnahmen für Anti-Tabak-Kampagnen und die Gesundheitsfürsorge der Raucher verwendet werden. Denn viele Raucher sind abhängig. Man muss ihnen helfen, statt ihre Rechte einzuschränken“, betont er. Ein Kompromiss sei möglich, sind Drus und seine Mitstreiter überzeugt. Man könne spezielle Raucherrestaurants und Raucherwagons in den Fernzügen einführen, „damit die Raucher rauchen können, ohne die Nichtraucher zu stören“, schlagen sie vor.

Bislang sieht es jedoch nicht danach aus, dass die Regierung zu solchen Kompromissen bereit ist. Im Gegenteil: Immer wieder diskutiert die Duma weitere Verschärfungen der Raucherregeln. Die Parlamentarier erwägen unter anderem, das Rauchen in Anwesenheit von Kindern, den nächtlichen Zigarettenverkauf und die Herstellung von Slim-Zigaretten zu verbieten. Bislang ist keine dieser Initiativen angenommen worden. Den Kampf gegen den Tabak aufgeben will die Regierung jedoch gewiss nicht.

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