Zehn Gründe, warum Puschkin cool ist

Ein Graffiti an einer Hauswand in der Puschkin-Straße 69 in Charkiw (Ukraine). Der große russische Dichter zielt hier nicht auf Dantes, sondern auf Hollywood-Helden wie Superman, Darth Vader und Arnold Schwarzenegger, die auf der Wand gegenüber abgebildet sind.

Ein Graffiti an einer Hauswand in der Puschkin-Straße 69 in Charkiw (Ukraine). Der große russische Dichter zielt hier nicht auf Dantes, sondern auf Hollywood-Helden wie Superman, Darth Vader und Arnold Schwarzenegger, die auf der Wand gegenüber abgebildet sind.

V. Vizu / wikimedia.org
Am 6. Juni feiert Russland den Geburtstag des großen russischen Dichters Alexander Puschkin (1799-1837) und den Tag der russischen Sprache. RBTH erklärt, wieso jeder Puschkin kennen sollte und warum sein Werk für die russische Literatur so wichtig ist.

1. Er schuf die moderne russische Sprache

Ausgerechnet Alexander Puschkin gilt als der Schöpfer der modernen russischen Sprache. Er beendete die Epoche, in der Kaisern Oden gewidmet wurden, und überwand den Graben zwischen geschwollener literarischer Ausdrucksweise und lebendiger Alltagssprache. Seine Werke sind in der Sprache geschrieben, die Russen auch heute noch sprechen und schreiben.

2. Er ist Rekordhalter, was die Vielfalt der literarischen Werke angeht

Sein literarisches Werk ist unglaublich breit gefächert: klassische Oden, romantische und bürgerliche Dichtung, Liebeslyrik, Versromane, historische Dramen, realistische Prosa, Erzählungen, Märchen, Reisenotizen – diese Auflistung beschreibt nur einen Teil von Puschkins Schaffen.

3. Er gab die Themen vor

Er gab die wichtigsten Motive für die Dichter des 19. und 20. Jahrhunderts vor: Die Leiden des kleinen Menschen, die Konfrontation eines außergewöhnlichen Helden und der Gesellschaft, die Qual der Wahl zwischen dem eigenen Glück und der Pflicht sowie die Rebellion eines Einzelgängers gegen die Gesellschaft wurden zum ersten Mal von Puschkin aufgegriffen. Sie bildeten die Grundlage für die Werke weiterer bedeutender russischer Schriftsteller und Dichter wie Dostojewski, Tolstoi, Tschechow und Bunin.

4. Er beschrieb enzyklopädisch den russischen Alltag

Eugen Onegin. Das Bild von Elena Samokisch-Sudkowskaja. Quelle: wikimedia.orgEugen Onegin. Das Bild von Elena Samokisch-Sudkowskaja. Quelle: wikimedia.org

Eines der wichtigsten Werke Puschkins ist der Versroman „Eugen Onegin“. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er als „die Enzyklopädie des russischen Lebens“ bezeichnet, da der russische Alltag und die russische Kultur von Puschkin geradezu allumfassend beschrieben wurden. Dank zahlreicher Aufführungen in der Oper, im Ballett und im Theater ist der weltweit renommierte Roman allgegenwärtig. Das Werk wurde über mehrere Jahre geschrieben (1823 bis 1831) und veränderte und entwickelte sich mit Puschkin und der Zeit.

5. Er machte komplexe Dinge einfach

Ein weiterer Grund für Puschkins Erfolg ist die scheinbare Schlichtheit seiner Werke. Die feinen Formulierungen erwecken den Eindruck, dass sie Ergebnis reiner Inspiration seien, jedoch reicht ein kurzer Blick auf Puschkins Entwürfe, um festzustellen, dass jede Zeile ein Ergebnis harter Arbeit war. Mit wenigen Wörtern entwarf Puschkin lebendige Bilder, die die Kraft besitzen, die Vorstellung des Lesers zu prägen.

6. Er war ein kühner Witzbold

Selbstportrait von Puschkin. Bild: wikimedia.orgSelbstportrait von Puschkin aus dem Jahre 1829. Bild: Vostock-Photo

Nach seinem Tod wurde Puschkin als ein Heiliger der russischen Literatur gepriesen. Als Mensch war er aber alles andere als ein ernster Autor und Literaturprophet. Er hatte einen scharfen Sinn für Humor, schmückte seine Verse mit obszönen Ausdrücken und scheute sich nicht davor, spöttische Epigramme über hochrangige Beamte zu verfassen. Das führte zu Duellen und Konflikten mit den Machthabenden.

7. Er litt für die Wahrheit

Für einige Jahre wurde Puschkin wegen seiner „Ode an die Freiheit“ mit den Zeilen „Selbstmächt’ger Bösewicht und Sünder / Ich hasse Dich und Deine Brut – / Dein Untergang, der Deiner Kinder / Entflammt mein Aug’ zu froher Glut“ ins Exil geschickt. Zuerst verbannte Zar Alexander I. ihn in Russlands Süden, später wurde er auf seinem Landgut Michailowskoje unter Hausarrest gestellt.

Puschkin war mit vielen Dekabristen – Revolutionären, die eine Verfassung und Freiheiten für die Bürger forderten – bekannt und hätte sicherlich an der Petersburger Revolution im Jahr 1825 teilgenommen, wäre er nicht verbannt worden. Ein Sturz des Zaren lag ihm allerdings nie am Herzen. Wichtig waren ihm lediglich die Freiheit und die Privatsphäre eines jeden Einzelnen und der Kampf gegen die Zensur. „Die Welt enthält kein Glück, doch gibt es Ruh und Frieden“ – es war Puschkin, der das ewige Bestreben des russischen Volks in Worte fasste.

8. Er hinterließ atemberaubende Liebeslyrik

Tatiana weist Onegin ab. Eine Szene aus dem Roman "Eugen Onegin", gezeichnet von Elena Samokisch-Sudkowskaja. Quelle: wikimedia.orgTatiana weist Onegin ab. Eine Szene aus dem Roman "Eugen Onegin", gezeichnet von Elena Samokisch-Sudkowskaja. Quelle: wikimedia.org

Puschkin war ein Frauenverehrer und wusste weibliche Schönheit zu schätzen. Er galt als ein Don Juan seiner Zeit und ist der Autor eines der wichtigsten Liebesgedichte in der Geschichte der russischen Literatur: „Ich liebte Sie: Vielleicht ist dieses Feuer / In meinem Herzen noch nicht ganz verglüht.“ Im Versroman „Eugen Onegin“ formulierte Puschkin die wohl wichtigste russische Flirtregel: „Je weniger ein Weib wir lieben, je mehr liebt sie – so ist’s Gesetz.“

9. Er wurde von anderen Dichtern und Schriftstellern geehrt

Viele Dichter und Schriftsteller würdigten Puschkin als einen großen Dichter. Dostojewski feierte 1880 Puschkin auf einer Versammlung der Freunde der russischen Literatur mit einer langen Rede. Eine seiner Wertschätzungen lautete: „Sein besonderer Geniestreich, den ich ansonsten bei keinem anderen kenne, ist seine globale Aufgeschlossenheit und die Begabung für eine perfekte Reinkarnation in Genies anderer Nationen“. Und der Autor des Romans „Väter und Söhne“, Iwan Turgenjew, ehrte den Dichter in einer Rede bei der Eröffnung des Puschkin-Denkmals in Moskau: „Sein Wesen und alle Merkmale seiner Dichtung stimmen mit dem Wesen und den Merkmalen des russischen Volks überein.“

10. Er wurde zur Kultfigur in der Sowjetunion

Auch in der UdSSR wurde Puschkin über alles geschätzt. In jeder Schulklasse und in vielen Wohnungen war ein Bild mit Puschkins Porträt von Tropinin oder Kiprenski zu finden. Schon 1937 gab es zahlreiche Veranstaltungen anlässlich seines 100. Todestages. Zu seinem 150. Jubiläum wurden Zigaretten „Zur Erinnerung an Puschkin“, Streichhölzer namens „Puschkin“, Briefmarken, Geschirr, Seife, Parfüm und alle möglichen Artikel mit seinem Konterfei produziert. Puschkin wurde so endgültig zum Symbol einer Nation.

Deutsche Puschkin-Gesellschaft: Einen Klassiker lebendig halten

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