Kasaner Kathedrale: Die Hofkirche der Romanows

Die Kathedrale sorgt für italienischen Flair in der Hauptstadt des Nordens - Sankt Petersburg.

Die Kathedrale sorgt für italienischen Flair in der Hauptstadt des Nordens - Sankt Petersburg.

Lori / Legion-Media
Die Kasaner Kathedrale, die 1811 nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom erbaut wurde, ist eines der Wahrzeichen Sankt Petersburgs. RBTH hat zehn historische Fakten rund um eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt des Nordens zusammengetragen.

1. Der Baumeister: Andrei Woronichin

Kaiser Paul I. veranlasste den Bau der Kasaner Kathedrale an Stelle der Geburtskirche der Heiligen Maria Mutter Gottes. Zur Auswahl eines passenden Architekten schrieb der Kaiser einen Wettbewerb aus, an dem der italienische Bauherr Pietro Gonzaga, der schottische Architekt Charles Cameron und der französische Baumeister Jean-François Thomas de Thomon teilnahmen. Paul I. hatte den Auftrag bereits an Charles Cameron vergeben, als Graf Alexander Stroganow ihm die Arbeit des jungen Architekten Andrei Woronichin empfahl, der nicht an der Ausschreibung des Zaren teilgenommen hatte. Das Bauwerk des jungen Architekten beeindruckte Kaiser Paul I. jedoch so, dass er Woronichin zum leitenden Architekten seines Bauvorhabens ernannte.

2. Inspiriert von den Kathedralen in Rom und Florenz

In der Kasaner Kathedrale fanden alle Hochzeiten der Mitglieder der Zarenfamilie statt. Foto: Lori / Legion-Media In der Kasaner Kathedrale fanden alle Hochzeiten der Mitglieder der Zarenfamilie statt. Foto: Lori / Legion-Media

Paul I. hatte das Anliegen, dass die Kathedrale der Peterskirche in Rom nachempfunden werden sollte. Daher plante Woronichin einen imposanten Säulengang, der an jenen italienischer Kirchen erinnerte. Insgesamt wurden 96 Säulen errichtet, die dem Newski-Prospekt wie Flügel entgegenragen. Ursprünglich dachte der Architekt auch für die Südseite der Kathedrale einen Säulengang an, doch diese Idee wurde später wieder verworfen. Die Nordtore der Kathedrale wurden aus Bronze nach dem Vorbild der „Paradiestür“ am Baptisterium der Kathedrale von Florenz, die von Lorenzo Ghiberti geschaffen wurde, gegossen. Woronichins Zeitgenossen kritisierten den Architekten für diese Entlehnung und beschimpften ihn als Nachahmer.

3. Ein Museum für Naturstein

Der Innenraum der Kasaner Kathedrale. Foto: Lori / Legion-MediaDer Innenraum der Kasaner Kathedrale. Foto: Lori / Legion-Media

Die Kazanskij Sobor wird auch als Museum für russischen Naturstein bezeichnet. Als wesentliches Dekormaterial wurde Kalktuff verwendet, der um Sankt Petersburg abgebaut wurde. Das Gestein erinnert an das italienische Baumaterial Travertin, aus dem die Peterskirche erbaut wurde. Kalktuff lässt sich zudem aufgrund seiner porösen Struktur leicht bearbeiten und wurde daher zur Umkleidung der Außenwände der Kathedrale sowie zur Gestaltung der Kapitelle, des Fries- und Fensterrahmenwerks verwendet. Zur Gestaltung des Innenraums der Kathedrale verwendete Woronichin karelischen Marmor sowie örtliches Porphyrgestein und Jaspis. Das Innere der Kathedrale zieren zudem 56 Säulen aus rosafarbenem Granit mit vergoldeten Kapitellen.

4. Gedenken an den Russlandfeldzug im Jahr 1812

Das Denkmal für den russischen Generalfeldmarschall Michael Andreas Barclay de Tolly wurde 1837 auf Initiative des Zaren Alexander I. im Gedenken an Russlands Siege im Napoleon-Krieg vor der Kasaner Kathedrale eingeweiht. Foto: Lori / Legion-MediaDas Denkmal für den russischen Generalfeldmarschall Michael Andreas Barclay de Tolly wurde 1837 auf Initiative des Zaren Alexander I. im Gedenken an Russlands Siege im Napoleon-Krieg vor der Kasaner Kathedrale eingeweiht. Foto: Lori / Legion-Media

Die Einweihung der Kathedrale fand ein Jahr vor Beginn des Russlandfeldzugs im Jahr 1812 statt. Der kommandierende Feldmarschall Michail Kutusow besuchte vor seinem Einzug an die Front die Messe in der Kathedrale. Auch nach dem Sieg über Napoleon war die Kazanskij Sobor ein bedeutendes Denkmal, denn alle Kriegstrophäen wurden in die Kathedrale gebracht – Militärbanner und Feldzeichen, Schlüssel eroberter Städte und sogar der Marschallstab des französischen Feldherren Louis-Nicolas d’Avoût.

5. Die Hofkirche der Romanows

Die Ikone der Gottesmutter von Kasan war Schutzheilige der Romanow-Dynastie. Foto: Sergey Pyatakov / RIA Novosti Die Ikone der Gottesmutter von Kasan war Schutzheilige der Romanow-Dynastie. Foto: Sergey Pyatakov / RIA Novosti

Die Geburtskirche der Heiligen Maria Mutter Gottes war die Hofkirche des Hause Romanow. Die Kirche beherbergte auch die Ikone der Gottesmutter von Kasan, welche die Schutzheilige der Dynastie war. Als die Kasaner Kathedrale eingeweiht wurde, wurde ihr neben den Heiligtümern der ehemaligen Kirche auch die Rolle als Hofkirche vererbt. So fanden hier alle Hochzeiten der Mitglieder der Zarenfamilie sowie der Dankesgottesdienst nach dem gescheiterten Attentat auf Kaiser Alexander II. und das 300-jährige Bestehen des Hauses Romanow in der Kathedrale statt.

6. Die Kathedrale als Wohltätigkeitszentrum

Für die Kasaner-Kathedrale wurden 96 Säulen errichtet, die dem Newski-Prospekt wie Flügel entgegenragen. Foto: Lori / Legion-MediaFür die Kasaner-Kathedrale wurden 96 Säulen errichtet, die dem Newski-Prospekt wie Flügel entgegenragen. Foto: Lori / Legion-Media

Im 19. Jahrhundert gab es in der Kathedrale eine Sonntagsschule für Erwachsene und es erschien sogar eine eigene Kirchenzeitung. Die Kathedrale war zudem als Wohltätigkeitszentrum bekannt. Während des Ersten Weltkriegs wurden hier Lebensmittel und warme Kleider für die Front gesammelt. Zudem eröffnete in der Kazanskij Sobor eines der ersten Lazarette in Russland, welches über Spenden- und Kirchengelder finanziert wurde. Dieses befand sich außerdem unter dem Schutz der Kaiserin Alexandra Fjodorowna.

7. Ein Museum für die Geschichte der Religion

Das Grab von Fürst Alexander Newski, im 16. Jahrhundert von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen, wurde zu Sowjetzeiten geöffnet und seine Gebeine anschließend auf dem Dachboden der Kathedrale für lange Zeit im Geheimen verwahrt. Foto: Karl Bulla / RIA NovostiDas Grab von Fürst Alexander Newski, im 16. Jahrhundert von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen, wurde zu Sowjetzeiten geöffnet und seine Gebeine anschließend auf dem Dachboden der Kathedrale für lange Zeit im Geheimen verwahrt. Foto: Karl Bulla / RIA Novosti

1929 schlossen die Bolschewiken die Kathedrale und übergaben sie drei Jahre später der Russischen Akademie der Wissenschaften. Auf der Kuppel der Kathedrale wurde anstelle des Kreuzes eine vergoldete Kugel mit Turmspitze befestigt, sämtliche Devotionalien gingen an Museen über. Die Kathedrale selbst wurde in ein Museum für Religionsgeschichte umfunktioniert, dessen Exponate von der Entstehung und Entwicklung des Christentums, des Islams und östlicher Religionen erzählten.

8. Heilige Gebeine auf dem Dachboden

Die feierliche Übergabe der Relikte des Heiligen Seraphim von Sarow an die Russisch-Orthodoxe Kirche in der Kasaner Kathedrale. Im Hintergrund (rechts) zu sehen ist Alexij II., Patriarch von Moskau und der ganzen Rus. Foto: Sergei Kompanichenko / RIA NovostiDie feierliche Übergabe der Relikte des Heiligen Seraphim von Sarow an die Russisch-Orthodoxe Kirche in der Kasaner Kathedrale. Im Hintergrund (rechts) zu sehen ist Alexij II., Patriarch von Moskau und der ganzen Rus. Foto: Sergei Kompanichenko / RIA Novosti

Auf dem Dachboden der Kazanskij Sobor wurden über 20 Jahre lang die Gebeine von Heiligen aufbewahrt, die in der Kathedrale begraben worden waren. Mitarbeiter des Museums hatten die Gebeine des Heiligen Fürsten Alexander Newski, des Heiligen Sosima von Solowik und anderen während der Sowjetzeit dort versteckt. Erst 1991 wurden diese wieder an ihre Ruhestätte in der Kathedrale zurückgebracht.

Dossier: Die Geheimnisse der Romanow-Familie

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