Filme zwischen Stalin und Hollywood: Wie der sowjetische Regisseur Eisenstein Kinogeschichte schrieb

Sergei Eisensteins Stummfilme über die Russische Revolution von 1917 brachten ihm weltweite Anerkennung ein. Der sowjetische Regisseur gilt als "Vater des Filmschnitts" bis heute als Pionier des modernen Kinos. Diese fünf Argumente erklären Ihnen, warum!

1 “Panzerkreuzer Potemkin” - einer der besten Filme aller Zeiten

“Panzerkreuzer Potemkin” (1925)

Eisensteins Drama über die Meuterei der Matrosen gegen ihre Offiziere an Bord des Panzerkreuzers Potjomkin im Jahre 1905 in Odessa gilt als Klassiker des internationalen Kinos. Die berühmte Treppenszene, bei der die zaristische Armee auf die versammelte Menschenmenge an der Hafenmole schießt, wurde in „Die Unberührbaren“, „Die nackte Kanone 33⅓“ und anderen Streifen aufgegriffen. Seit dem Jahr 1950 befindet sich „Panzerkreuzer Potemkin“ ununterbrochen auf der Liste der besten Filme aller Zeiten. Im Jahre 2010 wurde der Streifen zum drittbesten nichtenglischsprachigen Film aller Zeiten gekürt.

Der Film war der zweite Teil von Eisensteins “Revolutions-Trilogie”, der erste war “Streik” und der dritte “Oktober“.

>>>Der Panzerkreuzer Potemkin: Was der berühmte Film nicht erzählt

2 Eisenstein - der “Vater des Filmschnitts”

Eisenstein gilt als Erfinder der “intellektuellen Montage” und der “Montage von ‚Attraktionen‘”. Mit seiner speziellen Technik des Filmschnitts schaffte er es, die schnelle Entwicklung von Ereignissen auf der Leinwand überzeugend widerzugeben. Dabei schnitt er zunächst alle Szenen in einzelne Fragmente auseinander, um sie danach wieder in der gewünschten Reihenfolge zusammenzufügen.

3 Eisenstein vs. Stalin

“Iwan der Schreckliche” (1944)

Eisensteins letztes Projekt, “Iwan der Schreckliche” (1944) war ein Auftragswerk von Stalin und sollte eigentlich eine Trilogie werden. Für den ersten Teil erhielt der Regisseur noch den renommierten Staatspreis der UdSSR, der zweite Teil jedoch sah sich heftiger Kritik Stalins ausgesetzt.

“Es ist ein abscheuliches Werk” sagte Stalin auf einem Treffen der Führung der Kommunistischen Partei im August 1946. Die Filmtrilogie beginnt mit den jungen Jahren von Iwans Herrschaft, bevor der Zar „schrecklich“ wurde. Der zweite Teil der Trilogie zeigt hingegen den wachsenden Widerstand des Hochadels, der Bojaren, und setzt sich mit der widersprüchlichsten Periode der Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen auseinander – dem Vorgehen der vom Zar eingesetzten Staatspolizei, der Oprichnina, gegen den Adel. Stalin betrachtete die „Opritschniki“ als eine fortschrittliche Kraft.

>>>Des Zaren dunkle Reiter: Wer waren die „Opritschniki“?

“Sie stellen die Opritschniki dem Ku Klux Klan gleich”, monierte Stalin. Der Film wurde überarbeitet und erst 1958 nach dem Tode des Regisseurs gezeigt. Der dritte Teil der Trilogie wurde nie vollendet, eine der fertiggestellten Szenen wurde 1988 gezeigt.

4 Eisenstein in Hollywood

Sergei Eisenstein in New York

Im Jahre 1929 unternahm Eisenstein gemeinsam mit dem Regisseur Grigorij Alexandrow und dem Kameramann Eduard Tisse eine Dienstreise nach Westeuropa und in die USA. Zudem hielt er Vorlesungen an Universitäten in London, Amsterdam, Brüssel und Hamburg; in Berlin gab er Radiointerviews. Im gleichen Jahr bereitete er für das amerikanische Studio Paramount Pictures ein Drehbuch für eine Verfilmung des Buches “Eine amerikanische Tragödie” von Theodore Dreiser vor, die dieses jedoch ablehnte. Einige Experten glauben, dass dies auf die zunehmende antikommunistische Stimmung in Amerika zu jener Zeit zurückzuführen war.

Im Dezember 1930 reiste Eisenstein nach Mexiko zu Dreharbeiten für seinen Film „Que viva Mexico!“ über die Geschichte und das neuzeitliche Leben in diesem Land. Der Film wurde zu Lebzeiten Eisensteins nicht vollendet, jedoch vom Regisseur Grigorij Alexandrow fertiggestellt und im Jahre 1979 gezeigt.

5 Eisenstein und seine Innovationen  

Eisenstein versuchte sich an der Produktion von Farbfilmen und begann damit, einige Szenen farbig zu gestalten. Er starb am 11. Februar 1948, noch bevor der Farbfilm seinen Siegeszug im Kino antrat. Allerdings arbeitete er an einem Artikel mit der Überschrift „Das Farbkino“.

Wissen Sie, wie Charlie Chaplin den Regisseur Grigorij Alexandrow überredete, einen Film über den Fluss Wolga zu drehen? Lesen Sie hier diese Geschichte.

>>>  Wie Charlie Chaplin den Sowjetregisseur Alexandrow zu einem Wolga-Film inspirierte

>>> Wie ein sowjetischer Filmemacher in Hollywood Spuren hinterließ

>>> Der Panzerkreuzer Potemkin: Was der berühmte Film nicht erzählt

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung ausschließlich unter Angabe der Quelle und aktiven Hyperlinks auf das Ausgangsmaterial gestattet.

Weiterlesen