Machtkämpfe im Politbüro: Wie es nach Stalins Tod weiterging

Josef Stalin Soviet propaganda poster showing a much loved Stalin with a montage of adoring supporters. Circa 1940-45

Josef Stalin Soviet propaganda poster showing a much loved Stalin with a montage of adoring supporters. Circa 1940-45

Global Look Press
Als der berüchtigte Staats- und Parteichef Josef Stalin 1952 starb, hinterließ er ein Machtvakuum. Neben seinem Nachfolger Chruschtschow bemühten sich auch zwei andere Kandidaten um die Herrschaft in der Sowjetunion. Nicht alle kamen glimpflich davon…

Solange Josef Stalin lebte, traute sich niemand seine Autorität infrage zu stellen. / Global Look PressSolange Josef Stalin lebte, traute sich niemand seine Autorität infrage zu stellen. / Global Look Press

Josef Stalin regierte so lange wie kein anderer kommunistischer Führer der UdSSR. Nach Lenins Tod 1924 stach er alle Parteirivalen aus und blieb bis zu seinem Tod durch Schlaganfall am 5. März 1953 Staatschef der Sowjetunion. Solange er lebte, traute sich niemand Stalins Autorität infrage zu stellen – jeder erinnerte sich an das Schicksal jener, die beim Diktator in Ungnade fielen.

Sobald Stalin aber starb, begann der Kampf um die Nachfolge. Da niemand in der sowjetischen Führungsriege mächtig genug war, die gesamte Macht zu erlangen, schmiedeten die drei mächtigsten Männer des Landes eine Allianz. Jeder durfte ein Machtinstrument kontrollieren.

Regierungschef wurde Stalins ehemaliger Stellvertreter Georgi Malenkow, der sich fortan Premierminister der Sowjetunion nannte. Der ehemalige Staats- und Parteichef der ukrainischen Sowjetrepublik, Nikita Chruschtschow, wurde Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

Lawrenti Beria, Chef des Inlandsgeheimdienstes NKWD und enger Vertrauter Stalins, behielt seine Position. Beria war für seine führende Rolle bei den stalinistischen Säuberungen berücksichtigt, weswegen Malenkow und Chruschtschow ihn am meisten fürchteten. Sie entschieden sich, Beria loszuwerden, ehe er sie loswerden konnte.

Lawrenti Beria / APLawrenti Beria / AP

Berias Position im Juni 1953 war stark, aber Chruschtschow und Malenkow griffen unerwartet an. Auf einer Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei bezeichneten alle hochrangigen Parteimitglieder Beria als „Architekten der Säuberungen“, was wahr war und als „Britischen Spion“, was eine Lüge war. Zusätzlich stellten sie es so dar, als ob nicht Stalin sondern Beria der Hauptschuldige an den Repressionen gewesen sei. Wie schon seine beiden Vorgänger im Amt des NKWD-Chefs wurde auch Beria hingerichtet – ohne eine Chance gehabt zu haben, sich zu verteidigen.

Nachdem Beria aus dem Weg geräumt war, stritten sich Chruschtschow und Malenkow gegenseitig um die Macht. In dem Buch „Chruschtschows Tauwetter“ schreibt der Historiker Alexander Pischikow, dass Malenkow den Kampf vor allem aufgrund seines fehlenden Charismas und seiner im Vergleich zu Chruschtschow relativen Inaktivität verlor. Im Jahre 1955 entfernte ihn das Zentralkomitee aus der Position des Premierministers.

Georgi Malenkow  / Global Look PressGeorgi Malenkow / Global Look Press

Doch Malenkow gab nicht auf. Er verbündete sich mit zwei anderen Vertrauten Stalins, nämlich den ehemaligen Ministern Lasar Kaganowitsch und Wjatscheslaw Molotow, der hauptsächlich durch die Unterzeichnung des Nichtangriffspakts mit Nazideutschland bekannt geworden war. Auf einer Regierungssitzung im Jahre 1957 versuchten die drei eine Abstimmung über die Absetzung Chruschtschows zu erreichen, was ihnen auch beinahe gelungen wäre, denn Anlass zu Kritik gaben Chruschtschow und seine Pläne schließlich genug. So hatte dieser vollmundig versprochen, die Vereinigten Staaten von Amerika als weltweit führender Produzent von Milch und Fleisch zu überholen.

Niemand wusch seine Hände in Unschuld

Chruschtschow organisierte aber, dass die Abstimmung über ihn auf einer weiteren Sitzung des Zentralkomitees im Juni 1957 stattfand. Dort lenkte er die Diskussion auf die Verbrechen der Stalinzeit und gab der alten Garde um Malenkow die Schuld an Repression und Blutvergießen. Unterstützt wurde er dabei von zahlreichen jüngeren Parteimitgliedern, darunter auch Leonid Breschnew, der später selbst einmal Staats- und Parteichef werden sollte.

Nikita Chruschtschow / RIA NovostiNikita Chruschtschow / RIA Novosti

Natürlich hatte die Gruppe in gewisser Weise Recht – Malenkow, Molotow und Kaganowitsch waren als Teil des stalinistischen Regimes in viele Morde und Verbrechen involviert. Jedoch war Chruschtschow, wie auch von seinen Gegnern angemerkt wurde, keineswegs unschuldig. Als Kaganowitsch ihn beispielsweise fragte, ob er in der Ukraine nicht auch Hinrichtungen befohlen hätte, schwieg er einfach.

Schließlich gewann Chruschtschow den Kampf um die Macht und regierte bis 1964, als ihn die Gruppe um Breschnew, die ihn 1957 noch unterstützt hatte, stürzte. Anders als zu Stalins Zeiten wurden gestürzte Parteigranden und Politiker jedoch nicht mehr hingerichtet oder eingesperrt, so dass sowohl Chruschtschow selbst, als auch Malenkow, Molotow und Kaganowitsch noch einige Jahre als mehr oder wenige unpolitische Rentner weiterleben durften. Seit seinem Sturz lebte Chruschtschow in seiner Datscha bei Moskau. Dort starb er am 11. September 1971 im Alter von 77 Jahren an Herzversagen.

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