Eisbaden: Bereit? Dann los!

Konstantin Sawrazhin
Jedes Jahr am 19. Januar spielen sich verrückte Szenen in Russland ab: Wagemutige, „Walrösser“ genannt, stürzen sich durch Eislöcher in gefrorene Flüsse und Seen – eine Tradition, die immer populärer wird. RBTH erklärt, worauf es ankommt.

Dieses Ritual stammt von den alten Skythen, die auf diese Art und Weise versuchten, ihre Kinder abzuhärten. Mit der Zeit fand das Ritual seinen Weg nach Russland. Der Brauch wurde allmählich zu einer religiösen Tradition am russisch-orthodoxen Dreikönigsfest am 19. Januar.

Nach der Annahme des Christentums in Russland im Jahr 988 entwickelte sich das Dreikönigsfest zu einem der wichtigsten religiösen Feiertage Russlands. In die Eisschicht von Flüssen und Seen werden am Vorabend traditionell sogenannte Jordane gehackt – Eislöcher in Form eines Kreuzes, benannt nach dem Fluss Jordan, in dem sich Jesus Christus taufen ließ.

Früher fanden in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar festliche Züge zu den Jordanen statt, die von einem Priester angeführt wurden. Dieser weihte das Wasser im Eisloch, indem er dreimal das Kreuz ins Wasser tauchte und ein Gebet las. Ab diesem Zeitpunkt galt das Wasser im gesamten Gewässer und später auch in den Wasserleitungen 24 Stunden lang als heilig. In diesem Wasser wusch man sich, trank es und nahm die gefüllten Gefäße mit nach Hause, um Krankheiten zu behandeln und das Haus zu heiligen.

Der Brauch, in ein Eisloch mit Weihwasser zu tauchen, war zunächst nicht weit verbreitet. Es tauchten nur die, die am Mummenschanz der Heiligen Tage teilnahmen – zwölf Tage lang nach dem russisch-orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar. Nach einer heidnischen Tradition trugen sie Tiermasken und unterhielten das Volk mit Weihnachtsgesang. Am Dreikönigsfest mussten sie „das tierische Gesicht abwaschen“, indem sie ins eiskalte Weihwasser tauchten. Mit der Zeit verbreitete sich diese Tradition und man begann zu glauben, dass das dreifache Tauchen am Dreikönigsfest von den Sünden befreit, die man im Laufe des Jahres begangen hatte.

Spaß muss sein, aber Sicherheit geht vor

Für die meisten Teilnehmer ist das Tauchen am Dreikönigsfest zum Volkssport geworden. Man taucht nicht nur aus religiösen Gründen, sondern auch, um an seine Grenzen zu gehen, das Immunsystem abzuhärten, neue Erfahrungen zu sammeln oder einfach um Spaß zu haben.

Wer an diesem Volksfest teilnehmen will, braucht weder Russe noch russisch-orthodox sein. Das Wichtigste ist, dass man offen für neue Erfahrungen ist, gute Laune hat und einige wichtige Sicherheitsregeln befolgt:

1. Falls Sie an Herzerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Diabetes leiden oder Probleme mit dem Nervensystem haben, ersetzen Sie das Tauchen durch Waschen.

2. Bereiten Sie sich auf den Tauchgang im Voraus vor. Sie sollten zwei Tage lang kalt duschen und die Duschdauer allmählich verlängern.

3. Mitzunehmen sind Duschschlappen, ein Handtuch, eine Badehose sowie Wechselwäsche.

4. Beim ersten Tauchgang sollten Sie von erfahrenen Teilnehmern und Rettungsärzten betreut werden.

5. Bevor Sie tauchen, sollten Sie etwas Fettiges essen, zum Beispiel Schweinespeck. Übertreiben sollte man jedoch nicht.

6. Ziehen Sie sich warm an. Warme Socken, Handschuhe, Schal und Mütze würden nicht schaden.

7. Bevor Sie tauchen, sollten Sie ein paar Übungen machen, zum Beispiel zehn bis 15 Kniebeugen, damit Ihre Muskeln warm werden.

8. Steigen Sie langsam bis zur Brust ins Wasser. Dann halten Sie die Luft an, tauchen drei Mal und gehen schnell aus dem Wasser. Sie sollten beim ersten Mal nicht gleich schwimmen.

9. Anfänger sollten nicht länger als zehn Sekunden im Wasser bleiben. Wenn Sie aus dem Wasser kommen, sollten Sie Ihren Körper mit dem Handtuch trockenrubbeln und sich sofort anziehen. Legen Sie sich nicht in den Schnee – das ist ein Spaß für erfahrene Taucher.

10. Trinken Sie keinen hochprozentigen Alkohol, um warm zu werden. Das hilft ohnehin nicht. Trinken Sie lieber einen heißen Tee mit Honig.

In Moskau eröffnen zum Dreikönigsfest immer mehr Bäder mit speziell ausgestatteten Becken. In der Regel gibt es in der Nähe warme Umkleidekabinen. Badegäste werden außerdem von Rettungsärzten betreut. Dieses Jahr nahmen etwa zwei Millionen Menschen in ganz Russland am Dreikönigsfest teil.

Schönes katholisches Moskau

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