Rich Russian Kids: Man ist, was man hat

Wie die "goldenen" Kinder der russischen Elite – Geschäftsleute und Staatsbeamte – die Krise erleben.

Wie die "goldenen" Kinder der russischen Elite – Geschäftsleute und Staatsbeamte – die Krise erleben.

Shutterstock/Legion Media
Das Instagram-Projekt zeigt die etwas andere Lebensart russischer Oligarchen-Sprösslinge.

Wirtschaftskrise, Rubel-Absturz, Sanktionen – für die Mehrheit der Russen ist das ein Thema. Für die Mehrheit eben, nicht für alle. Das Instagram-Projekt Rich Russian Kids – RRK – zeigt in Bildern und Videos, wie die Kinder der russischen Elite – Geschäftsleute und Staatsbeamte – die Krise erleben.

"Und hier ist dein Lohn für ein paar Monate."

Netzwerken?

Im Gespräch mit RBTH wollte der Gründer des Accounts anonym bleiben. Auch er ist Angehöriger der russischen „goldenen Jugend“. Den Großteil seines Lebens habe er im Ausland verbracht, die meisten Menschen auf den Fotos und Videos kenne er persönlich, sagt er.

"Will denn keiner was dazu verdienen?"

"Und wie verbringst du deinen Morgen in Moskau?"

„In Russland geht man mit Oligarchen-Kindern anders um. Hier leben die jungen Leute nicht so wie ihre Gleichaltrigen im Ausland: Das, was sie in Moskau dürfen, wäre für sie in den USA und in Europa einfach tabu. In unserem Land passt sich das Gesetz eher den Interessen einflussreicher Leute an, als andersrum“, sagt der Projektgründer. Ungestraft durch den Gegenverkehr am Stau vorbeizufahren etwa, sei für sie Routine.

"Wenn der Stau wiedermal deine Fahrbahn blockiert."

"Jeder geht auf seine Weise mit dem Haustier spazieren. Du zum Beispiel läufst zwischen Wohnblocks mit deinem Hund herum."

„Das eigentliche Ziel des Projekts ist es, Kontakte zu knüpfen. Ich zeige junge Leute mit Möglichkeiten, von denen andere in Moskau und überhaupt in Russland nur träumen. Studenten haben immer viele interessante Ideen und Projekte, aber auch Angst, sich an Investoren oder Banken zu wenden, um die Ideen zu finanzieren“, sagt der RRK-Gründer. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die aus seinem Projekt hervorgegangen ist, fiel ihm jedoch nicht ein.

Oder protzen?

Für die reichen Kinder jedoch ist die Teilnahme am Projekt nichts als PR. Wertvolle Bekanntschaften schließen sie woanders.

Ein Teil der von RBTH befragten Frauen aus der Zielgruppe des Projekts erklärte, sie hätten mit den reichen Kindern nichts zu tun. Ihr Luxusleben hätten sie ihren Männern zu verdanken.

"Leben wie in deinen schönsten Träumen."

Eine der jungen Frauen, die am Projekt teilnehmen, ist Alexandra Malinskaja. Geboren wurde sie in der Familie eines erfolgreichen Geschäftsmanns. Von klein auf kennt sie das schöne Leben nicht vom Hörensagen: Sie bereist die Welt, besucht Privatschulen in Europa. Inzwischen ist sie 18, macht gerade ihren Schulabschluss und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung am Moskauer Staatsinstitut für Internationale Beziehungen, der Eliteschmiede des Landes, vor.

Ist sie mal spät dran, rast mit ihrem persönlichen Chauffeur und Blaulicht am Moskauer Stau vorbei. In Russland verbringt sie selten länger als ein halbes Jahr. Den russischen Winter überdauert sie im Ausland. Einmal im Monat ans Meer oder zum Skifahren in die Berge zu flüchten, ist für sie ein absolutes Muss.

"Kannst du ein „Nein“ vertragen?"

Sein Leben sei, so der 19-jährige Alexander ironisch, langweilig und unscheinbar. Auf seinen Fotos tauchen Yachten, Flugzeuge und teure Autos auf. Den Großteil seines Lebens verbrachte er im Ausland, besuchte Schulen in Italien und Frankreich. Letztendlich habe er seine Heimat und seine Freunde vermisst und sei deswegen zurückgekehrt. Jetzt studiert er öffentliches Management.

"Wenn du auf deiner Datsche bist, segeln wir durch die Weltmeere."

Danil genießt es, Selfies mit einflussreichen Leuten zu posten, die seine Familie so kennt. Putin etwa.

"Ein Abend im engsten Freundeskreis."

"Grüße von mir und Onkel Sergej." 

Er führe ein bescheidenes Leben und stelle sein Reichtum nicht zur Schau, sagt Danil: „Ich studiere Management an der Lomonossow-Uni. Viele meiner Kommilitonen, die mich nicht mal gut kennen, behaupten ich sei geschmiert [privilegiert – Anm. d. Red.] Sie sind neidisch auf meinen Status und meinen, ich hätte es leicht. Dabei bin ich erst 19 und arbeite schon – anders als sie. Und bereite mich auf mein zweites Studium vor“, sagt der junge Mann.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland

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