Survival Guide: Wie man in Russland die Maifeiertage überlebt

Kebabs in Moscow parks

Kebabs in Moscow parks

Anton Novoderezhkin/TASS
Am 1. Mai beginnt in Russland ein wahrer Feiertags-Marathon. Das geschäftliche Leben kommt für zehn Tage beinahe vollständig zum Erliegen. Damit Ihnen nicht langweilig wird, verraten wir Ihnen hier zehn Tipps, wie auch Sie diese Zeit genießen können.

1. In Russland bezeichnet man den 1. Mai, der sowohl Tag des Frühlings als auch der Arbeit ist, und die beiden darauffolgenden freien Tage am 2. und 3. Mai als „die ersten Maifeiertage“. Die „zweiten Maifeiertage“ folgen am Tag des Sieges am 9. Mai und den zwei freien Tagen davor. Früher wurde an den Tagen, die dazwischenliegen, ebenfalls nicht gearbeitet. Das machte ganze zehn freie Tage am Stück.

2. Traditionell nehmen die meisten Russen auch heute noch Urlaub in dieser Zeit. Wenn Sie in Russland arbeiten, sollten Sie sich beeilen, damit Ihre Kollegen Ihnen nicht zuvorkommen. Andernfalls werden Sie es sein, der sich im Büro zu Tode langweilt. Das Versenden von E-Mails oder die Organisation von wichtigen Treffen in den ersten Maitagen ist völlig sinnlos. Eine Antwort werden Sie vor dem 10. Mai ohnehin nicht erhalten.

3. Die meisten Russen bevorzugen es, die ersten wirklich warmen Tage außerhalb der Großstädte zu verbringen. Von den Straßen verschwinden deshalb nicht nur die Menschen, sondern auch die Autos. Die Maifeiertage gehören zu den wenigen Tagen, an denen auf Moskaus Straßen ein Vorwärtskommen möglich ist. Sie werden tatsächlich fahren können, und müssen nicht wie sonst im Stau stehen.

TassFoto: Tass

4. Die meisten Russen verbringen die Maifeiertage gerne auf der Datscha im Grünen, um zum Beispiel Schaschlik zu braten – Barbecue auf russische Art. Das ist ein richtiges Ritual. Zunächst wird das Fleisch geschnitten und mariniert. Dann wird es auf den Spießen platziert und erst dann gebraten. Ein Kohlegrill ist dabei Pflicht. Schaschlik vorzubereiten ist für jeden russischen Mann eine Frage der Ehre. Jeder hat sein eigenes Geheimrezept für die Marinade, das unter keinen Umständen verraten wird.

5. Das Wichtigste auf einer Datscha ist der Gemüsegarten. Jeder stolze Russe besitzt einen Gemüsegarten, in dem er selbst Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln anbaut. Dabei will man(n) stets den Nachbarn übertreffen. Die ersten Sonnenstrahlen Anfang Mai bieten sich an, um das Beet nach dem langen Winter wieder in Ordnung zu bringen. Dabei ist in der Regel die ganze Familie im Einsatz. Der Vater gräbt um, die Kinder jäten und die Oma gibt das Kommando, ist sie doch die unumstrittene Herrscherin über den Garten. Wundern Sie sich also nicht, wenn auch Ihnen eine Schaufel in die Hand gedrückt wird. Dafür können Sie später hausgemachte Essiggurken oder eingemachtes Obst kosten.

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6. Ein weiteres Muss an den Maifeiertagen ist ein Besuch in einer russischen Banja. Es ist falsch, zu glauben, dass dieser Spaß nur im Winter aktuell ist. Auch wenn das Thermometer +20 Grad zeigt, sollten Sie bereit sein, mindestens 15 Minuten in der Banja zu schwitzen. Anschließend übergießen Sie sich mit kaltem Wasser oder hüpfen nackt in den Swimmingpool oder einfach in den nächstgelegenen Teich. Das wiederholen sie dann – nicht einmal, nicht zweimal, sondern mindestens fünfmal.

7. Manchmal schlagen die Russen mit Birken- oder Eichenästen gegenseitig aufeinander ein. Machen Sie sich also keine Sorgen, wenn Ihnen jemand auf den Rücken haut. Das ist kein Zeichen der Aggression, sondern bloß Fürsorge für Ihre Gesundheit. Die Russen glauben, dass sich die Schläge gut auf diese auswirken.

Foto: Lori/Legion MediaFoto: Lori/Legion Media

8. Nach den Schlägen geht es zurück in die Banja. Auch wenn sie eher ein schamhafter Mensch sind und Ihnen die Vorstellung, mit Nackten auf engstem Raum zusammenzusitzen, unangenehm ist, sollten Sie keinesfalls darauf verzichten. Die Banja ist der Ort in Russland, an dem wichtige Entscheidungen getroffen werden, unter anderem auch geschäftliche. Von einem russischen Geschäftspartner eine Einladung in die Banja zu erhalten, ist vergleichbar mit einer Einladung eines Europäers in einen exklusiven Golf-Club.

9. Seien Sie nicht traurig, wenn Sie nicht das Glück hatten, die Maifeiertage auf einer Datscha verbringen zu können. Auch in der Stadt lässt sich was erleben. Sie sollten allerdings beachten, dass sie Ihre gewohnten Wege manchmal nicht mehr gehen können. Vor dem Tag des Sieges wird in vielen Städten die Parade geprobt. Zentrale Straßen werden deshalb gesperrt. Sie sollten die Nachrichten verfolgen, um ihre Route zu planen. Sie haben womöglich bemerkt, dass auf den zentralen Straßen ein gelber Streifen auftaucht? Sie wollten alles richtig machen und haben sich wie aus der Heimat gewohnt dort eingeordnet? Falsche Entscheidung! Das ist bloß der Streifen, der die Fahrbahn für die Panzer markiert.

10. Übrigens: Wenn Sie am Morgen des 9. Mai in Moskau wach werden und auf der Straße Panzer und am Himmel Kampfflugzeuge sehen, machen Sie sich keine Sorgen. So wird in Russland der Tag des Sieges gefeiert. Gehen Sie am Abend im Zentrum spazieren. Auf dem Roten Platz, dem Poklonnaja-Berg und den Sperlingsbergen sowie an anderen Orten finden in der Regel gegen 22 Uhr die schönsten Feuerwerke des Jahres statt.

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