Dies könnten die letzten derzeit aktiven Reiseblogger der Welt sein

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WIKTORIA RJABIKOWA
Anstatt zu Hause mit der Angst zu leben, an COVID-19 zu erkranken, mieteten zwei beliebte russische Reiseblogger eine Yacht und eine Privatinsel in Indonesien. Da könnte man neidisch werden.

Reisevorbereitungen

Bereits im Februar 2020 überlegte sich der Instagram-Blogger und Fotograf Sergei Kabankow, eine Yacht zu mieten und in See zu stechen, um dem Coronavirus zu entkommen. Damals war er mit Freunden auf Bali gewesen. Über seine Pläne sprach er erstmals in einem Interview (rus) mit Gazeta.ru.

Als sich das Virus ausbreitete, handelte er schnell und setzte seinen Plan in die Realität um.  Zusammen mit dem Instagram-Model Anyuta Rai bereitete er sich auf die dreimonatige Quarantäne vor.

„Die Aussicht, monatelang zu Hause zu bleiben, hat mich nicht sonderlich angesprochen. Wir haben eine große Gemeinschaft auf Bali und daher beschlossen wir, dass es besser wäre, zusammen auf einer Yacht zu sein, als sich selbst zu isolieren. Online haben wir Lebensmittel, Masken, Antiseptika usw. gekauft, da diese Anfang März nicht mehr in Apotheken erhältlich waren. Die Situation wurde nicht besser, da es auf Bali keine Coronavirus-Tests gab und viele Touristen aus China nach Bali kommen“, sagt Kabankow.

Die Blogger mieteten eine Yacht und eine kleine Privatinsel in Indonesien, sagt Kabankow, und stellten auch ein Team von 14 Personen zusammen, darunter einen Sanitäter. Trotzdem forderte Kabankov die Leser auf, nicht dasselbe zu tun, sondern zu Hause zu bleiben, da auch seine Mutter, die kürzlich aus Kolumbien zurückgekehrt war, im Verdacht stehe, das Virus zu haben.

„Leute, die ich kenne, haben mich für verrückt gehalten. Aber ich habe es einfach ignoriert. Jetzt schreiben dieselben Leute, dass sie unsere Insel besuchen wollen. Da wurde mir klar, wie gut es war, alles genauso organisiert zu haben. Wenn wir nur ein paar Tage später angefangen hätten, hätten wir das Zeitfenster verpasst “, schreibt der Blogger auf Instagram.

Paradies gefunden und anfängliche Schwierigkeiten

Kabankow, Anna und das Team machten sich Anfang März auf den Weg und verbrachten die ersten zwei Wochen auf ihrer gemieteten Privatinsel. Abends kommt das gesamte Team zusammen, um die allgemeine Situation zu besprechen und Pläne zu machen, was als nächstes zu tun sei. Dies hilft, so Sergei, Konflikte zu vermeiden. Vor seiner Abreise hat sich Sergei für einen Fernlehrgang in Psychologie angemeldet und lernt auf der Insel sogar weiter.

Seine Inselbegleiterin Anyuta Rei teilt ebenfalls ihre Eindrücke und veröffentlicht Geschichten über ihren Alltag. „Im aquamarinblauen Wasser taucht man in eine völlig andere Dimension, so ruhig und schön, als ob die Zeit stillsteht. Vor allem gibt es hier keine Quarantäne, keine schlechten Nachrichten vom Planeten Erde, keine Sorgen und nur sehr wenig menschlichen Einfluss. Ich habe mich bereits an den Geschmack von Salz auf meinen Lippen gewöhnt, an wirres, lockiges Haar, knirschenden Sand in der Farbe von Zuckerstaub, an das Aufwachen mit den ersten Strahlen rosiger Morgendämmerung und Vogelgezwitscher, an das Beobachten orangefarbener Sonnenuntergänge und das Unterhalten mit den Schildkröten“, schreibt Anyuta. 

Laut Sergei kann man schrecklichen Momenten dennoch nicht entkommen. Zum Beispiel wurde ein Teammitglied von einer giftigen Qualle gestochen. Aber zum Glück hatte der Sanitäter die richtigen Antibiotika und Werkzeuge dabei, um das Gift zu entfernen.

Versteckte Gefahr

Am 15. April brach das gesamte Team auf, um andere Inseln zu erkunden. Sergei sagt, dass sie ursprünglich vorhatten, zu einer benachbarten Insel zu fahren. Aber am Tag vor der Abreise kam die Einwanderungspolizei mit einem Boot und teilte mit, die Insel sei für Touristen geschlossen.

„Wir orientierten uns weiter nach Osten und stellten eine Liste mit Orten auf. Leider weigerte man sich fast überall, uns aufzunehmen. In einem kleinen Dorf waren die Anwohner bereit, uns zu empfangen. Wir entschieden uns jedoch dagegen und setzten die Reise an Bord der Yacht fort“, sagt Sergei.                                     

Am 24. April bloggte er, dass das gesamte Team für einen Coronavirus-Test zurück in den Hafen von Bali bestellt wurde. Es folgten zwei Wochen Quarantäne an Bord der Yacht. Das Team durfte weder an Land gehen noch zu irgendwelchen Inseln segeln. 

Am Ende konnten die Reisenden eine abgelegene Insel mit einem Hotel finden, das sich bereit erklärte, sie unterzubringen. „Sie haben uns im Grunde deshalb aufgenommen, weil wir ihnen helfen zu überleben. Ansonsten hätte das Hotel schließen und alle Mitarbeiter entlassen müssen. Die Einheimischen würden ohne Arbeit sein und damit ohne Einkommen. Die örtlichen Behörden kamen, um unsere Temperatur zu messen und uns Papiere auszustellen. Aus denen Papieren geht hervor, dass wir uns hier selbst isolieren dürfen“, erklärt Sergei. 

Sergei weiß noch nicht, wie lange die Selbstisolation des Teams auf der Insel andauern wird oder ob sie ihre Reisen auf der Yacht fortsetzen können. Eines ist aber sicher, die Quarantäne auf einer tropischen Insel ist gar nicht so schlecht. „Angesichts der aktuellen Ereignisse auf der Welt können wir uns über unsere Situation nicht beschweren“, ist sich der Blogger sicher.

Damit liegt er nicht falsch.