Kann der IS mit russischen Waffen geschlagen werden?

Die Vororten von Damaskus werden als ideales Gebiet für einen großflächigen Gegenangriff auf den Islamischen Staat in der Region um Palmyra angesehen.

Die Vororten von Damaskus werden als ideales Gebiet für einen großflächigen Gegenangriff auf den Islamischen Staat in der Region um Palmyra angesehen.

Reuters; RBTH
Wie könnte es gelingen, den Islamischen Staat (IS) zu stoppen? Russland hat laut Medienberichten in den vergangenen Wochen Waffensysteme nach Syrien verlagert. Kampfflugzeuge sollen zum Einsatz kommen, um die Logistikstützpunkte des IS zu zerstören.

Der Islamische Staat stützt sich bislang auf ein starkes und schier unanfechtbares Versorgungsnetzwerk sowie auf große finanzielle Reserven, die vorwiegend aus dem Schwarzhandel mit Öl stammen. Durch das rasche Vordringen in die nördliche und nordwestliche Region Syriens und des Iraks haben sich die Nachschubwege jedoch deutlich verlängert. Gerade deshalb sind derzeit Logistikstützpunkte, große Treibstofflager, nahe an der Front gelegene Instandsetzungsbasen sowie Kolonnen, die Treibstoffe und Munition an die Front schaffen, zu wichtigen strategischen Zielen im Kampf gegen den IS geworden.

Um einen erfolgreichen Sturmangriff gegen den IS auszuführen, würde die syrische Regierung eine Fliegerstaffel aus zwölf Einheiten, die mit Frontbombern des Typs Suchoi Su-24 ausgestattet sind, sowie eine weitere Staffel in derselben Größe, ausgestattet mit Erdkampfflugzeugen des Typs Suchoi Su-25, benötigen. Berichten zufolge sollen der syrischen Regierung vor kurzem eben diese Kampfflugzeuge übergeben worden sein, sodass man nun über die nötigen Luftstreitkräfte für einen erfolgreichen Schlag gegen den IS verfüge.

Durch den Einsatz der Fliegerstaffel wäre es somit in nur wenigen Wochen möglich, die Versorgung für die IS-Truppen an der Front erheblich einzuschränken.

Landeeinsatz in Damaskus

Die Kämpfe in den dichtbesiedelten östlichen Vororten von Damaskus haben letzten Monat Züge eines Vernichtungskrieges angenommen, vor allem als Regierungstruppen versuchten, einen erfolglosen Gegenangriff auf den IS auszuführen. Dabei wird gerade dieses Gebiet als ideal für einen großflächigen Gegenangriff auf den Islamischen Staat in der Region um Palmyra angesehen. Ein solcher Angriff hätte dabei das Potenzial, eine Wende im Kriegsverlauf gegen den IS in Syrien herbeizuführen. Derzeit sind in diesem Gebiet jedoch die stärksten IS-Truppen stationiert, sodass ein Angriff der Regierungstruppen nur im Falle einer deutlichen Truppenüberzahl möglich wäre. Einen taktischen Vorteil würde dabei der Einsatz von modernen russischen T-90-Panzern bringen, die womöglich in dieser Region zusammengezogen werden.

Doch auch angesichts einer solchen Übermacht wird es nicht möglich sein, organisiert und vor allem schnell die vom IS besetzte Stadt Palmyra anzugreifen. Denn zwischen Damaskus und Palmyra liegen lediglich Wüste und einige Straßen mit strategisch wichtigen Kreuzungen. Der einzige Stützpunkt in diesem Gebiet ist die Oasenstadt Karjatain. Aus diesem Grund bietet die Region lediglich für einen Landeeinsatz ideale Voraussetzungen. Bei diesem könnte man die in den Vorstädten um Damaskus konzentrierten Streitkräfte einkreisen und außer Gefecht setzen. Eine solche Operation wäre aber eben nur dann ausführbar, wenn ausreichend Mittel wie etwa Transportflugzeuge, Hubschrauber und spezielle, gepanzerte Einheiten zur Verfügung stünden.

Hohe Verluste möglich

Der Luftwaffenstützpunkt Kweiris nahe der Stadt Aleppo soll bereits seit fast drei Jahren blockiert sein, wobei bis vor kurzem dessen Garnison irgendwie noch versorgt werden konnte. Es besteht nun Grund zur Annahme, dass man es mittels verstärkter Lufteinsätze und des Aufmarschs modernerer Panzereinheiten endlich schaffen könnte, die Luftwaffenbasis zu befreien. Dies würde wiederum bedeuten, dass man auch den Versuch starten könnte, die Einheiten des IS von diesem Teil der Front in die Wüste zurückzudrängen.

Die strategisch wichtige Strecke zwischen Damaskus und Homs soll außerdem an zwei Stellen blockiert sein. Doch während man den ersten problematischen Streckenabschnitt, der etwa drei Kilometer lang ist, noch umgehen kann, soll es beim zweiten Abschnitt dem IS gelungen sein, einige Anhöhen einzunehmen. Die Einheiten des IS von dort zu verdrängen, ohne dabei Artillerie und Kampfhubschrauber einzusetzen, wäre somit nicht nur sehr schwer, sondern auch mit hohen Verlusten verbunden.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wsgljad

Fjodor Lukjanow: Der IS hat die politische Landschaft in Syrien verändert

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland