18 Fakten und Geschichten zur Moskauer Metro

Die U-Bahn der russischen Hauptstadt feierte 80-jähriges Bestehen.

Die U-Bahn der russischen Hauptstadt feierte 80-jähriges Bestehen.

Lori / Legion-Media
Die Moskauer Metro ist nicht irgendeine U-Bahn – sie ist das wichtigste Fortbewegungsmittel der russischen Hauptstadt mit Stationen, die wahren Palästen gleichen. 2015 feierte sie ihr 80-jähriges Bestehen. RBTH präsentiert 18 Fakten und Legenden.

1. Die Moskauer Metro bewältigt eines der größten Fahrgastaufkommen der Welt: 2014 beförderten die Züge der Moskauer Untergrundbahn rund 2,4 Milliarden Menschen. In den 80 Jahren seit ihrer Eröffnung nutzten insgesamt mehr als 145 Milliarden Fahrgäste die U-Bahnen der russischen Hauptstadt.

2. Alle 90 Sekunden kommt in den Hauptverkehrszeiten ein Zug. Und darauf kann man sich verlassen: Laut Moskauer Transportbehörde ist die Moskauer U-Bahn zu 99,9 Prozent pünktlich – Weltrekord.

3. Die Moskauer Metro gilt als die schönste der Welt – von den etwa 200 Stationen sind 44 als Weltkulturerbe anerkannt.

4. Die ersten Vorschläge zum Bau einer U-Bahn in Moskau gab es schon 1875. Doch erst 1931, zu Zeiten der Sowjetunion, wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die ersten 13 Stationen wurden am 15. Mai 1935 in Betrieb genommen.

5. Zur Gestaltung der ersten Stationen sollen Steine aus dem Kreml von Serpuchow, der 1934 abgerissen wurde, verwendet worden sein. Dieser Kreml galt als herausragendes Beispiel der russischen Baukunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Auch Marmor der 1931 gesprengten Moskauer Christ-Erlöser-Kirche soll zum Einsatz gekommen sein.

6. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch in Moskau die Metro während Luftangriffen als Luftschutzkeller genutzt. Bis zu einer halben Million Menschen fanden hier Unterschlupf. Frauen und Kinder wurden dabei in Waggons untergebracht, die an den Bahnsteigen abgestellt waren.

7. Als die Luftangriffe auf die sowjetische Hauptstadt zunahmen, wurden in den U-Bahn-Stationen Läden und Friseursalons eingerichtet, in der Station Kurskaja gab es sogar eine Bibliothek. In der Station Majakowskaja fand am 6. November 1941, am Vorabend der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Oktoberrevolution, eine Sitzung des Moskauer Stadtrats statt, auf der Josef Stalin auftrat und die „unweigerliche Zerschlagung“ der Nazis ankündigte.

8. Selbst während des Krieges wurden die Arbeiten zum Bau der Metro nicht eingestellt und sieben neue Stationen fertiggestellt.

9. Die ersten 20 Jahre trug die Moskauer U-Bahn den Namen Lasar Kaganowitschs, eines sowjetischen Staatsfunktionärs, der den Bau der ersten U-Bahn-Linie geleitet hatte. 1955 wurde die Metro dann nach Wladimir Lenin benannt.

10. Es kursiert eine Legende über die Entstehung der Ringlinie der Moskauer Metro. Diese war in der ursprünglichen Projektplanung gar nicht vorgesehen. Auf einer der Sitzungen des Metro-Baukomitees soll angeblich Josef Stalin eine Tasse Kaffee auf dem Plan abgestellt haben, die dort einen kreisförmigen Fleck rund um das Stadtzentrum hinterließ. Stalin zeigte darauf und ordnete an, eine solche Linie zu bauen. Daher soll auf dem Streckenplan der Metro die Ringlinie auch in braun dargestellt sein.

11. Während der Rekonstruktionsarbeiten an der Station Kurskaja in den Jahren 2008 und 2009 wurde über einem der Eingänge die Originalaufschrift wiederhergestellt, die ein Fragment der sowjetischen Nationalhymne des Jahres 1944 enthält: „Uns erzog Stalin – zur Treue zum Volk, zu Arbeit und Heldentaten regte er uns an!“ Dagegen protestierten russische Menschenrechtler und riefen zum Boykott der Kurskaja-Station auf.  

12. Einige Stationen der Moskauer Metro wurden mehrfach umbenannt. Der Rekordhalter auf diesem Gebiet ist die in der Nähe des Kremls gelegene Station Alexandrowskij Sad (zu Deutsch: „Alexandergarten“). Die Station hieß zuvor  „Komintern“, „Imeni Kominterna“, „Uliza Kominterna“, von 1946 an trug sie den Namen „Kalininskaja“, bis sie schließlich 1990 für ein paar Tage in „Wosdwischenka“ umbenannt wurde, um dann ihre heutige Bezeichnung zu erhalten.

13. Auf den Radiallinien der Moskauer Metro werden die Stationsnamen in Richtung Zentrum von einer männlichen Stimme und bei der Fahrt vom Zentrum weg von einer  weiblichen Stimme angesagt. Auf der Ringlinie sind die Ansagen mit Männerstimme bei Fahrten in Uhrzeigerrichtung und mit Frauenstimme in der entgegengesetzten Richtung zu vernehmen. Das erleichtert Sehbehinderten die Orientierung in der U-Bahn.

14. In der Moskauer Metro gibt es sogar einen Springbrunnen. Dieser befindet sich im Übergang zwischen den Stationen Rimskaja und Plostschad Iljitscha.

15. Worobjowy Gory (zu Deutsch: „Sperlingsberge“) ist die erste U-Bahn-Station der Welt, die auf einer Brücke errichtet wurde und die einzige dieser Art der Moskauer Metro. Die Station wurde 1958 eröffnet, war jedoch von 1983 bis 2002 wegen  Reparaturarbeiten geschlossen.

16. Die Station Krapotkinskaja dient seit fünf Jahren jeweils in der Nacht des 15. Mai als Konzertsaal. Ihre Akustik gilt als hervorragend. Dort findet alljährlich eine Aufführung zum Geburtstag der Metro statt.

17. Leider kommt es auch vor, dass sich verzweifelte Menschen vor eine U-Bahn werfen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ein Sicherheitssystem aus Sensoren und Kameras soll zukünftig die Zugführer rechtzeitig vor Personen auf den Gleisen warnen. 

18. Seit einigen Jahren wird ein sehr ambitioniertes Programm zum Ausbau der Moskauer Metro realisiert. Bis zum Jahre 2020 soll das Streckennetz der Moskauer Untergrundbahn gegenüber 2011 auf das fast Anderthalbfache – auf 160 Kilometer – ausgeweitet werden. Über 60 neue Stationen sind geplant. 

Moskauer Metro: Ein Tag im Leben einer Bahnhofs-Bank

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